RWE unter Druck: Norwegischer Staatsfonds steigt aus Kohle aus

RWE unter Druck: Norwegischer Staatsfonds steigt aus Kohle aus

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RWE-Braunkohletagebau in Garzweiler: Der Verlust eines Investors droht – wegen der Kohle.

Der norwegische Staatsfonds soll sich nach dem Willen der Politik aus dem Kohlegeschäft zurückziehen. Das könnte in der Energiebranche einen Ruck auslösen – in Deutschland muss RWE um seinen Investor fürchten.

Der norwegische Pensionsfonds soll künftig das Geschäft mit Kohle nicht mehr unterstützen. Das beschloss der Finanzausschuss des Parlaments am Mittwochabend in Oslo einstimmig. Der größte Staatsfonds der Welt soll sich demnach aus Energie- und Bergbaufirmen zurückziehen, bei denen das Kohlegeschäft mehr als 30 Prozent des Umsatzes ausmacht.

Noch ist die Entscheidung nicht endgültig, am 5. Juni muss das Parlament dem Beschluss des Ausschusses noch zustimmen. Im Dezember hatte bereits ein von der Regierung eingesetzter Expertenrat empfohlen, bei den Investitionen auch den Klimaschutz im Blick zu haben – und die Leitlinien des Fonds entsprechend anzupassen.

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Neuausrichtung - So steht es um die Energiekonzerne

  • E.On

    Umsatzanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: 2,0 %
    Gewinnanteil vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen: 15,0%
    Installierte Minikraftwerke in Deutschland: 4000
    Unterstützung des Neugeschäfts durch Vorstandschef¹: *
    Kooperationen mit anderen Unternehmen: 135

    ¹3 Sterne = groß, 1 Stern = gering

    (Stand: Juni 2014)

  • RWE

    Umsatzanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: 1,7 %
    Gewinnanteil vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen: 4,5%
    Installierte Minikraftwerke in Deutschland: 1300
    Unterstützung des Neugeschäfts durch Vorstandschef¹: **
    Kooperationen mit anderen Unternehmen: 90

    ¹3 Sterne = groß, 1 Stern = gering

  • EnBW

    Umsatzanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: 2,3 %
    Gewinnanteil vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen: 10,0%
    Installierte Minikraftwerke in Deutschland: 205
    Unterstützung des Neugeschäfts durch Vorstandschef¹: ***
    Kooperationen mit anderen Unternehmen: 50

    ¹3 Sterne = groß, 1 Stern = gering

  • Vattenfall

    Umsatzanteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung: k.A.
    Gewinnanteil vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen: k.A.
    Installierte Minikraftwerke in Deutschland: k.A.
    Unterstützung des Neugeschäfts durch Vorstandschef¹: *
    Kooperationen mit anderen Unternehmen: 300

    ¹3 Sterne = groß, 1 Stern = gering

"Investitionen in Kohle können ein Risiko für das Klima und ein zukünftiges finanzielles Risiko bedeuten", sagte Svein Flatten, Abgeordneter der regierenden Konservativen Partei. Anfangs stand sogar ein vollständiger Rückzug aller Energie-Investments im Raum, die Einschränkung auf das Kohlegeschäft dürfte ein Zugeständnis an die Opposition sein. Auf Öl und Gas wollen die Norweger nicht verzichten, schließlich speist sich der 835 Milliarden Euro schwere Fonds vor allem aus der eigenen Ölförderung vor der norwegischen Küste. Bislang verbieten die Leitlinien des Fonds Investitionen in Unternehmen, die schwere Menschenrechtsverletzungen begehen, Kinderarbeit ausnutzen, "besonders inhumane" Waffen fertigen oder Tabakprodukte herstellen.

E.On fällt nicht unter die Vorgaben der Norweger

Dass diese Leitlinien jetzt um Unternehmen erweitert werden sollen, die "in inakzeptabler Menge" Treibhausgase ausstoßen, ist weit mehr als ein innenpolitischer Kurswechsel. Wenn der Staatsfonds die Vorgaben konsequent umsetzt und seine Anteile an Unternehmen mit Bezug zu fossilen Energieträgern abstößt, könnte ein Ruck durch die ganze Energiebranche gehen.

Dea-Verkauf drückt Schuldenlast RWE rutscht aber weiter ab

Bei RWE geht es zunächst weiter bergab. Besserung bei den Börsenstrompreisen ist vorerst nicht in Sicht. Allerdings fangen die teuer aufgebauten Windkraftanlagen an, Geld zu verdienen.

RWE rutscht aber weiter ab Quelle: dpa

Auch deutsche Unternehmen wären betroffen. An RWE war der Staatsfonds zuletzt mit rund zwei Prozent beteiligt, was einem mehr als 300 Millionen Euro schweren Aktienpaket entspricht. Da der Kohlestrom bei dem Essener Energiekonzern über 60 Prozent ausmacht, müssten die Norweger nach den eigenen Vorgaben aussteigen. Dass der Staatsfonds wegen des hohen Kohleanteils die Zukunft des Versorgers gefährdet sieht, haben die Norweger laut dem "Manager Magazin" die Essener bereits wissen lassen: Per Brief habe der Fonds eine Erklärung gefordert, wie und wann RWE aus der Kohle auszusteigen gedenke.

Das mit fast 600 Millionen Euro noch größere Investment bei E.On könnte hingegen bestehen bleiben, der Kohle-Anteil liegt hier unter der ausschlaggebenden 30-Prozent-Marke.

Noch stärker als den Verlust eines großen Investors dürfte in den Chefetagen der Energiekonzerne die Signalwirkung schmerzen, die von einem Ausstieg des Staatsfonds ausgehen würde. Die Norweger gelten für zahlreiche kleinere Fonds als Vorbild – steigen sie aus, könnten auch weitere Anleger sich aus der Branche – oder zumindest aus bestimmten Unternehmen – zurückziehen.

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