RWE-Vorstand Vahrenholt im Interview: "Unsere Fantasie ist groß"

RWE-Vorstand Vahrenholt im Interview: "Unsere Fantasie ist groß"

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Fritz Vahrenholt, Chef der RWE Innogy

RWE-Vorstand Fritz Vahrenholt über die Zukunft grüner Technik, die romantische Naturliebe der Deutschen und verpasste Chancen als Unternehmer.

WirtschaftsWoche: Herr Vahrenholt, Sie sollen bei RWE Windkraft und Biomasse vorantreiben. So mancher träumt, dass wir mit alternativen Energien schon bald große Teile unserer Stromversorgung stemmen können. Sind Sie im RWE-Konzern für grüne Illusionen zuständig? 

Vahrenholt: Ich habe keine Illusionen. Ich bin für eine Wachstumsbranche zuständig. Dafür kann ich pro Jahr eine Milliarde Euro investieren.

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Sind Sie ein Feigenblatt für einen Energieriesen, der mit seinen Braunkohlekraftwerken extrem viel klimaschädliches CO2 ausstößt und der vier Kernkraftwerke betreibt?

Wir dürfen die einzelnen Energieträger nicht gegeneinander ausspielen. Wir brauchen einen Energiemix von Kernkraft, Braun- und Steinkohle, Gaskraftwerken sowie erneuerbaren Energien. Dabei werden die Erneuerbaren einen immer größeren Anteil einnehmen. Ich trete aber auch für die dringend gebotene Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke ein, die wir als ganze Branche hoffentlich nach den Bundestagswahlen in Verhandlungen mit der dann neu gebildeten Bundesregierung vereinbaren. RWE hatte der Bundesregierung schon vor einiger Zeit angeboten, Mehreinnahmen aus der Verlängerung der Laufzeiten zweckgebunden einzusetzen. Ein Vorbild könnte dafür der schwedische Weg sein, nach dem vor einigen Wochen der Ausstieg aus dem früheren Ausstiegsszenario aus der Kernenergie beschlossen wurde. Im Gegenzug wurde vereinbart, dass dafür die erneuerbaren Energien ausgebaut werden. Was die Schweden hinbekommen haben, sollten wir auch schaffen.

Was heißt das konkret?

Gemessen an Jobs ist die Umweltindustrie schon heute Leitindustrie. Ich schätze, dass die Branche in zehn Jahren größer sein wird als die Automobilwirtschaft.

Profitieren Sie also von der Krise?

Das klingt mir zu unfreundlich, aber wir sind Nutznießer. Die Preise für Windräder und Ausrüstungen sind bereits um bis zu 15 Prozent gesunken. Es ist eine gute Zeit, um zu investieren.

Experten sagen, dass Strom aus erneuerbaren Energien demnächst mit Kernenergie konkurrieren kann und damit schon bald wettbewerbsfähig ist.

Das kommt auf die Technologie und den jeweils aktuellen Strompreis an. Bei wieder anziehender Konjunktur und steigenden Energiepreisen rechnen wir damit, in zwei bis drei Jahren Windanlagen auf dem Festland je nach Standort auch ohne Subventionen betreiben zu können. Für Biogas sehe ich das in etwa fünf Jahren. Bei Offshore-Wind, vor der Küste, dauert es etwas länger – noch etwa zehn Jahre, bis sich diese Technik selber trägt.

Wann ist Innogy denn wirtschaftlich?

Das sind wir jetzt schon. Wir müssen mit unseren Windparks oder Biomasseanlagen im Konzern dieselbe Rendite erzielen wie die Kern- oder Kohlekraftwerke.

Und die ist wie hoch?

Jedes unserer Projekte muss eine Rendite erzielen, die über den jeweiligen Kapitalkosten zuzüglich eines Wertbeitrags liegt. Im Konzerndurchschnitt betragen die Kapitalkosten nach Steuern 6,5 Prozent, das variiert zwischen den Gesellschaften. Der zusätzliche erforderliche Wertbeitrag liegt zwischen ein und zwei Prozent.

Reden Sie sich das nicht schön? Erneuerbare werden extrem hoch mit der Energieeinspeisevergütung subventioniert.

Das stimmt, derzeit gibt es nahezu in allen europäischen Staaten Fördersysteme für erneuerbare Energien. Aber die Entwicklung schreitet schnell voran. Für uns ist die Förderung eine wichtige Überbrückung zur Wettbewerbsfähigkeit. Im vergangenen Jahr hatte die Windenergie diese in Deutschland bei damals höheren Strompreisen übrigens schon einmal erreicht.

Wird Wind- und Sonnenstrom die Atomkraft bald ersetzen?

Nein, Kernkraft- und Kohlekraftwerke sind für den Grundlastbedarf da, das heißt zum Beispiel für Großabnehmer wie Stahl- oder Chemiewerke, die kontinuierlich große Mengen Energie verbrauchen, Tag und Nacht – unabhängig von jeder Jahreszeit. Da haben die Windräder natürlich die Schwäche, dass der Wind nicht immer gleich stark weht.

Dann wundert es uns doch, dass Sie in den nächsten drei Jahren gleich drei Kernkraftwerke in Deutschland abschalten wollen – Biblis, Isar und Unterweser.

Wieso ich?

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