RWE: Windparks werden zum unkalkulierbaren Risiko

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KommentarRWE: Windparks werden zum unkalkulierbaren Risiko

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Der Windpark RWE Innogy vor der Küste von Nordwales dreht sich bereits - das Pendant Innogy Nordsee I wird vorerst nicht gebaut.

von Henning Krumrey

RWE legt sein Windpark-Projekt Innogy Nordsee I auf Eis. Zu groß seien die Risiken, zu wenig geregelt. Die Suche nach den Schuldigen gestaltet sich schwierig - jeder Beteiligte verweist auf den nächsten.

Einst waren die Manager des Essener RWE-Konzerns froh, dass sie die Windenergie für sich entdeckt hatten. Wenigstens dort, so die Perspektive, ließen sich die Milliardeninvestitionen in einer Technik unterbringen, die gesellschaftlich akzeptiert ist – anders als in Kohlekraftwerken oder Atommeilern. Entsprechend vehement stürmten sie auch los, als es galt, Rotoranlagen in Nord- und Ostsee zu installieren.

Strommix von RWE 2011

  • Kernkraft

    2010 waren die AKWs noch die zweitwichtigste Stromquelle, heute beträgt der Anteil der Atomenergie nur noch 17 Prozent am Strommix von RWE.

  • Braunkohle

    Die Braunkohle hat RWE im Jahr 2011 gerettet. Der Anteil am Strommix beträgt voll 36 Prozent.

  • Steinkohle

    23 Prozent der von RWE erzeugten Strommenge kam in Steinkohlekraftwerken zustande.

  • Gas

    In Gaskraftwerken produzierte RWE 19 Prozent seines Stroms.

  • Erneuerbare Energien

    Anteil an der Gesamtenergieerzeugung des Konzerns: 4 Prozent

Doch nun herrscht Flaute in den Konzernetagen: RWE hat die Entscheidung zum Bau seines ersten Windparks „Innogy Nordsee I“ erstmal auf Eis gelegt. Denn das Risiko erweist sich als unkalkulierbar: Bislang ist nämlich nicht geregelt, wer finanziell dafür einstehen soll, wenn der Strom vom Meer nicht in die Steckdose beim Kunden gelangt. Muss der Netzbetreiber dafür haften, wenn es ihm nicht gelingt, die Energie abzutransportieren, weil vielleicht noch gar kein Kabel vorhanden ist. Oder bleibt der Schaden beim Stromproduzenten hängen, weil er seine Ware eben nicht vom Windpark abtransportieren kann. Entsprechend appelliert RWE an den Staat als obersten Park-Wächter, endlich die Voraussetzungen für den Ausbau auf hoher See zu schaffen.

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Vorwürfe aus allen Richtungen

Das Karussell der Schuldigen dreht sich schneller als eine Windmühle bei Windstärke 7. Jeder Beteiligte verweist auf den nächsten.

So hört man aus der Politik den Vorwurf, viele Projektierer seien erstmal vorgeprescht, um sich die besten Standorte zu sichern. Erst später hätten sie die Tragweite und Probleme ihrer Entscheidung richtig erkannt. Etliche kleinere Betreiber, die schon früh den Bau eines Windparks auf hoher See beantragt und den Zuschlag erhalten hatten, geht finanziell die Puste aus. Sie beklagen, dass die Banken ihnen keinen Kredit geben. Außerdem sei die Anbindung der künftigen Windmühlen ans Stromnetz nicht gesichert, weil die Netzbetreiber mit dem Bau der Leitungen nicht voran kämen.

Die Banken schimpfen, dass der Staat die Frage der Haftung nicht geklärt habe. Damit seien Engagements aus hoher See zu riskant. Denn es sei beispielsweise bei teilweise neuer Technik und wenig erkundeten Standorten nicht klar, ob die riesigen Stahlkolosse vielleicht über kurz oder lang im weichen Meeresboden ein- oder gar versinken würden. Außerdem hätten die strengeren Vorschriften der Bankenaufsicht, die die Politik im Gefolge der Finanzkrise erlassen hatte, waghalsige Geschäfte noch schwieriger gemacht.

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Protest kommt regelmäßig von den Netzbetreibern, allen voran von Tennet, dem für den Nordwesten – und damit die Nordsee-Anbindung – zuständigen Unternehmen im holländischen Besitz. Dem wird stets nachgesagt, dass er zu kapitalschwach sei und deshalb mit dem Leitungsbau nicht vorankomme. Das Tennet-Management verweist dann regelmäßig darauf, dass es kein Problem wäre, Geld am Kapitalmarkt zu besorgen – bloß die Rendite sei im Stromtransportgeschäft zu gering. Und die wiederum legt die Bundesnetzagentur fest, damit die Betreiber aus ihrem Leitungsmonopol nicht ungerechtfertigten Profit schlagen.

Überforderung an allen Seiten

Richtig ist auch, dass die Kabellieferanten mit der Produktion nicht nachkommen. Für sie würde es sich freilich nicht rechnen, jetzt für ein paar Jahre neue Fabrikanlagen zu bauen, die nach dem Boom durch die Energiewende dann schon bald nicht mehr gebraucht werden. Also lassen die Strippen auf sich warten. Und vielerorts wird auch die Genehmigung neuer Trassen noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Bislang fehlt ja meist noch die Planung, wo die Masten überhaupt aufgestellt werden sollen, von den zu erwartenden Bürgerprotesten und Prozessen ganz zu schweigen.

Das Fatale an der Energiewende: Der Hauruck-Schwenk hat alle Beteiligten überfordert – von den Kraftwerksbetreibern über die Leitungsgesellschaften und die Banken bis zu den Lieferanten und den Beamten. Insofern haben auch alle ein Stück weit Recht mit ihren Klagen über die anderen. Und vielleicht ist ja selbst RWE ganz froh, dass es angesichts leerer Kassen den Aufbau seines Parks „Innogy Nordsee I“ noch etwas aufschieben kann.

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