Skurriler Rechtsstreit: Wofür Conergy 220 Millionen Schadenersatz fordert

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Skurriler Rechtsstreit: Wofür Conergy 220 Millionen Schadenersatz fordert

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Nicht viel mehr als ein Scherbenhaufen - viele der einstigen Stars der deutschen Solarindustrie kämpfen heute ums Überleben. Doch damit nicht genug, an skurrilen Prozessen wie dem von Conergy gegen Roth & Rau zeigt sich auch, wie aufgebläht manches Geschäftsmodell war - viel heiße Luft, wenig dahinter.

von Mario Brück und Rebecca Eisert

Prozessunterlagen im Rechtsstreit zwischen den einstigen Vorzeigefirmen Conergy und Roth & Rau zeugen von der Selbstüberschätzung und Verlogenheit einer ganzen Branche. Conergy wird seinen Aktionären am Mittwoch einiges erklären müssen.

Beim Solarmaschinenbauer Roth & Rau in Hohenstein-Ernstthal bei Chemnitz ist ein wenig Ruhe eingekehrt. Nach Gewinneinbrüchen und Stellenabbau hatte der Schweizer Konzern Meyer Burger die Ostdeutschen im Frühjahr 2011 durch Übernahme gerettet. Und auch um den Hamburger Solarkonzern Conergy ist es nach dem Beinahe-Zusammenbruch stiller geworden.

Doch wenn sich am Mittwoch die Conergy-Aktionäre treffen, wird die Vergangenheit die beiden Unternehmen einholen. Dann werden die Anteilseigner wieder nach dem Rechtsstreit mit Roth & Rau fragen, den die zwei Firmen ausfechten. Denn der hat es in sich, wie Dokumente zeigen, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Seit gut zweieinhalb Jahren tobt zwischen Conergy und Roth & Rau eine juristische Schlacht, die den Aufstieg und Fall weiter Teile der deutschen Solarindustrie verkörpert: eine Mischung aus Selbstüberschätzung und Realitätsverlust, Dilettantismus und Totalversagen.

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Seit Februar 2011 liegen die beiden Seiten vor dem Hamburger Landgericht im Clinch, ohne dass sich etwas bewegt. Conergy verlangt von Roth & Rau Schadensersatz in Höhe von sage und schreibe 220 Millionen Euro, weil der Maschinenbauer 2006 vier Zellfertigungslinien für Solarmodule im Auftragswert von 58 Millionen Euro nicht wie vereinbart geliefert und dadurch die Produktion verzögert habe. Roth & Rau weist die Anschuldigungen zurück und verlangt seinerseits knapp zwölf Millionen Euro von Conergy, weil noch nicht alle Rechnungen bezahlt worden seien. Die Schriftsätze umfassen inzwischen mehrere Zehntausend Seiten. Wie lange das Verfahren noch dauert, sagt das Gericht, sei „nahezu unabsehbar“.

Die Top-Ten-Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen

  • First Solar

    Das Unternehmen First Solar aus Arizona, USA, ist spezialisiert auf Dünnschicht-Solarmodule.

    Für das Jahr 2012 belaufen sich die gemeldeten Kapazitäten in diesem Segment auf 2331 Megawatt. 2011 wurde die gleiche Anzahl Megawatt gemeldet, 2010 beliefen sie sich auf 1627 Megawatt.

    Das Unternehmen meldete für 2011 eine Produktion von 1981 Megawatt, 2010 belief sich der Wert auf 1411 Megawatt.

  • Solar Frontier

    Beim japanischen Hersteller Solar Frontier werden 2012 Kapazitäten von 980 Megawatt erwartet. 2011 waren es 920 Megawatt, 2010 lediglich 360 Kilowatt.

    Das Marktforschungsinstitut IHS iSuppli errechnete für das Jahr 2011 eine Produktion von 441 Megawatt, 2010 waren es 107 Megawatt.

  • Sharp

    Bei Sharp, dem drittgrößten Hersteller im Segment der Dünnschicht-Module, belaufen sich die gemeldeten Kapazitäten für 2012 - wie schon im Jahr 2011 - auf 480 Megawatt. Im Jahr 2010 waren es noch 320 Megawatt.

    Die Analysten von IHS iSuppli kamen bei ihren Berechnungen auf einen Produktionswert von 221 Megawatt im Jahr 2011 und 195 Megawatt im Jahr 2010.

  • Trony Solar

    Der chinesische Konzern Trony Solar erwartete für die Jahre 2012 und 2011 jeweils 265 Megawatt Kapazitäten. 2010 waren es 175 Megawatt.

    Laut IHS iSuppli belief sich die Produktion 2011 auf 201 Megawatt, 2010 auf 141 Megawatt.

  • Kaneka Solar

    Der japanische Hersteller Kaneka Solar erwartet 2012 einen Rückgang der Kapazitäten im Vergleich zum Vorjahr. 2012 beläuft sich die Erwartung auf 150 Megawatt, 2011 waren es noch 160 Megawatt. Schon 2010 hatte Kaneka Solar Kapazitäten in der Höhe von 150 Megawatt gemeldet.

    2011 belief sich die Produktion gemäß der Berechnung von IHS iSuppli auf 117 Megawatt, 2010 auf 75 Megawatt.

  • QS Solar

    Die in Shanghai angesiedelte Firma QS Solar rechnet im Jahr 2012 mit Kapazitäten von 165 Megawatt, genau wie im Vorjahr. 2010 betrugen die gemeldeten Kapazitäten zu Jahresende 160 Megawatt.

    Leichter Rückgang: IHS iSuppli berechnet die Produktion der Chinesen von 2011 auf 111 Megawatt, 2010 waren es noch 112 Megawatt.

  • Schott Solar

    Den siebten Platz - gestaffelt nach den Produktionszahlen - belegen die Deutschen von Schott Solar. Für 2012, 2011 und 2010 meldeten sie jeweils Kapazitäten von 100 Megawatt.

    Die Produktion belief sich 2011 laut IHS iSuppli auf 74 Megawatt, 2010 auf 73 Megawatt.

  • Bosch Solar

    Ein weiteres deutsches Unternehmen auf Platz 8: Bosch Solar Energy aus Arndtstadt. Die gemeldeten Kapazitäten für das Jahr 2012 belaufen sich auf 180 Megawatt, 2011 waren es 140 Megawatt und im Jahr 2010 70 Megawatt.

    Im Jahr 2011 wurden laut IHS iSuppli in der Produktion 73 Megawatt erreicht, 2010 waren es 51 Megawatt.

  • Solibro

    Die ehemalige Q-Cells-Tochergesellschaft Solibro wurde im Juni 2012 an Hanergy verkauft. Die Kapazitäten für 2012 belaufen sich auf 160 Megawatt, die beiden Jahre zuvor waren es jeweils 135 Megawatt.

    Solibro produzierte laut IHS iSuppli 2011 mit 66 Megawatt weniger Solarmodule als im Jahr zuvor, da waren es noch 75 Megawatt.

  • Global Solar Energy

    Das aus den USA stammenden Unternehmen Global Solar Energy bringt es auf den 10. Platz unter den Dünnschicht-Herstellern. Wie auch die beiden Jahre zuvor meldete die Firma 2012 75 Megawatt Kapazitäten.

    Die von IHS iSuppli erhobenen Zahlen ergeben für das Jahr 2011 eine Produktion von 58 Megawatt, im Jahr 2010 waren es noch 43 Megawatt.

Begonnen hatte alles mit einem großen Traum. Es ist das Jahr 2005, Deutschlands Solarindustrie fiebert den Milliarden entgegen, die deutsche Stromkunden als Umlage für Wind- und vor allem Solarstrom bezahlen müssen. Zusammen mit Solarworld, Solon, Q-Cells oder Solar Millenium – allesamt zwischenzeitlich pleite oder nur noch ein Schatten ihrer selbst – ist Conergy Weltmarktführer, Börsenwunder und Jobmaschine zugleich. Erst mit dem Bau von Solaranlagen, dann mit Wind- und Bioenergie, später mit der Produktion von Modulen sollte der Konzern eine Art grünes Siemens des neuen Jahrtausends werden.

Doch dann fasst Gründer und Firmenchef Hans-Martin Rüter einen folgenreichen Beschluss. Conergy soll von 2007 an Solarmodule in einer eigenen Fabrik selber herstellen, statt Solarparks und -anlagen weiterhin nur zu planen und zu bauen. In welche dünne Luft Rüter sich damit wagt, dokumentiert er, indem er das Megaprojekt nach dem höchsten Berg Afrikas benennt, den Kilimandscharo. 250 Millionen Euro will Rüter ausgeben, rund 1000 neue Arbeitsplätze schaffen und Conergy unabhängig von Modulproduzenten machen, die zu dieser Zeit die Preise bestimmen.

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