Solar Millennium: Solar Millennium stellt Insolvenzantrag

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Solar Millennium: Solar Millennium stellt Insolvenzantrag

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Der Schriftzug "Solar Millennium" auf einem Schild am Firmensitz der Solar Millennium AG

von Niklas Hoyer

Am Ende ging es schnell: Die Erlanger Solar Millennium hat Insolvenz beantragt. Die WirtschaftsWoche hatte schon früh vor den Risiken für Anleger gewarnt.

Wirklich überraschend kam der Schritt nicht mehr, ein schwerer Schlag für alle betroffenen Anleger ist er trotzdem: Solar Millennium gab heute bekannt, beim Amtsgericht Fürth Antrag auf Insolvenz gestellt zu haben. Die Aktie, die Anfang 2010 zu über 40 Euro notierte, wurde vom Handel ausgesetzt. Außerbörslich wurde ihr Preis zu etwa 40 Cent taxiert – ein Minus von etwa 60 Prozent. Angesichts von zuletzt nur noch 12 Millionen Euro Börsenwert halten sich diese Verluste in Grenzen. Deutlich härter trifft die Pleite Solar Millenniums Anleiheinvestoren. Sie haben aktuell noch etwa 150 Millionen Euro in Solar Millennium investiert und müssen einen Großteil davon nun wohl abschreiben. Auch der TV-bekannte Bankenprofessor Wolfgang Gerke hatte sie zu Investitionen gelockt. Er war einst das Aushängeschild des Erlanger Solarunternehmens und saß selbst im Aufsichtsrat der Finanztochter Solar Millennium Invest.

In einer Mitteilung begründete das Unternehmen den Insolvenzantrag damit, dass weder der Verkauf der geplanten US-Solarprojekte, noch der Investoreneinstieg beim spanischen Solarprojekt Ibersol zu einem Abschluss geführt werden konnte: „Beide Transaktionen hätten über den aktuellen Liquiditätsbedarf hinaus Mittel generiert, die die Basis für eine Weiterentwicklung der Gesellschaft gelegt hätten.“

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Doch Zweifel an dieser Darstellung sind angebracht. Die WirtschaftsWoche hatte schon im September berichtet, dass „die Finanz- und Liquiditätslage angespannt ist“.  Allein für Zins und Tilgung der ausstehenden Anleihen hätte Solar Millennium im seit November laufenden Geschäftsjahr fast 50 Millionen Euro gebraucht. Das Unternehmen hatte laut Halbjahresabschluss aber nur noch 46 Millionen Euro frei verfügbare Geldguthaben und Wertpapiere.

Zweifel an der finanziellen Tragfähigkeit

Schon im August 2009 hatte die WirtschaftsWoche kritisch über den damaligen Börsenliebling und die merkwürdigen Verbindungen der Akteure zum grauen Kapitalmarkt berichtet. Anfang 2010 deckte die WirtschaftsWoche dann auf, dass Solar Millennium mehrfach falsche Unternehmensmeldungen veröffentlicht hatte und schrieb am 18. Januar 2010, dass „sich die wirtschaftlichen Perspektiven des Unternehmens kräftig einzutrüben“ scheinen. Zweifel an der finanziellen Tragfähigkeit wurden geäußert. "Nur so lange, wie das Unternehmen immer wieder neue Anleihen auf dem Markt platzieren kann, geht das gut", sagte ein Unternehmenskenner damals der WirtschaftsWoche. Solar Millennium wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. Analysten hielten sie für unbegründet. So erneuerte die WestLB ihre Kaufempfehlung mit Kursziel 40 Euro.

Der endgültige Niedergang nahm Mitte August dieses Jahres seinen Lauf. Solar Millennium gab überraschend eine Technik-Kehrtwende bei seinem Vorzeigeprojekt, dem geplanten weltgrößten Solarkraftwerk im kalifornischen Blythe bekannt.  Das klang für Außenstehende wenig dramatisch, war aber tatsächlich das Platzen einer Milliarden-Luftblase. Die Erlanger wollten nicht mehr Solarthermie einsetzen, eine Technik mit der sie sich seit Jahren auskennen, sondern Photovoltaik, mit der das Unternehmen bislang keine Erfahrungen gemacht hatte. Später wurde dann der komplette Verkauf der US-Projekte an die deutsche Solarhybrid AG angekündigt. Doch auch dieser Verkauf hat nun nicht rechtzeitig geklappt.

Die Solar-Millennium-Pleite ist aber keinesfalls eine direkte Folge des Niedergangs der Solar-Industrie. Die Erlanger müssen sich ihren Misserfolg vielmehr selbst zuschreiben. Mit katastrophalem Management setzten sie sich schweren Vorwürfen aus. Der frühere EnBW-Chef Utz Claassen warf Anfang 2010 nach nur 74 Tagen im Amt das Handtuch, da er sich vom Gründer und Aufsichtsrat Hannes Kuhn getäuscht fühlte. Kuhn selbst zog sich nach heftiger Kritik im September dieses Jahres zurück. Ihm war seit Langem vorgeworfen worden, persönliche Interessen über die des Unternehmens zu stellen. Zudem erhob die Staatsanwaltschaft Düsseldorf im August Anklage wegen Betrugs gegen ihn. Dabei geht es um ein 2006 zusammengebrochenes Schneeball-System, der Düsseldorfer DM Beteiligungen AG. Über 8000 Anleger verloren damals rund 90 Millionen Euro. Die WirtschaftsWoche hatte schon 2009 über Kuhns mögliche Verstrickungen berichtet. Kuhn stritt die Vorwürfe ab.

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