KommentarSolar Millennium: Wird das Solar-Drama aufgearbeitet?

08. April 2013
Anleger des 2011 insolvent gegangenen Solarunternehmens Solar Millennium können auf Schadensersatz hoffen Quelle: dapdBild vergrößern
Anleger des 2011 insolvent gegangenen Solarunternehmens Solar Millennium können auf Schadensersatz hoffen Quelle: dapd
von Niklas Hoyer

Der Kurzzeit-Chef der insolventen Solar Millennium darf neun Millionen Euro Antrittsprämie behalten. Was nach einer schlechten Nachricht für die betroffenen Anleger klingt, könnte ihnen noch helfen.

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Neun Millionen Euro, 74 Tage. Noch heute treiben diese zwei Zahlen manch verlustgeplagten Solar-Millennium-Anleger zur Weißglut. Anfang 2010 hatte Utz Claassen sein Amt als Vorstandsvorsitzender bei Solar Millennium nach nur 74 Tagen niedergelegt, die ausgezahlte Prämie von neun Millionen Euro (sowohl eine Antritts-, als auch eine vorab ausgezahlte Erfolgsprämie) behielt er trotzdem. Es folgte ein langer Rechtsstreit, Klagen und Gegenklagen von allen Seiten. Im Dezember 2011 rutschte Solar Millennium in die Insolvenz, das Unternehmenskonstrukt brach wie ein Kartenhaus zusammen. Nun schloss der Insolvenzverwalter Volker Böhm mit Claassen einen Vergleich: Claassen darf die Millionenprämie behalten, wird aber keine weiteren Ansprüche mehr geltend machen und auch in den USA angemeldete Schadensersatzansprüche über 200 Millionen gegen Solar Millennium fallenlassen. Nur gegen die US-Tochterunternehmen von Solar Millennium wird Claassen an solchen Schadensersatzansprüchen in gleicher Höhe festhalten.

Die Nachricht klingt für betroffene Anleger erst einmal schlecht. Solar-Millennium-Aktionäre erlitten mit der Insolvenz einen Totalverlust – Anfang 2010 waren ihre Aktien in der Spitze insgesamt gut eine halbe Milliarde Euro wert. Vor allem über festverzinsliche Anleihen investierten auch viele Kleinanleger in Solar Millennium, deren knapp 200 Millionen Euro mit der Pleite ebenfalls in weiten Teilen verloren waren. Ihnen muss es ungerecht vorkommen, dass Claassen sein kurzes Solar-Millennium-Abenteuer vergoldet bekommt. Tatsächlich sollten sie eher auf Claassen hoffen, als auf ihn schimpfen.

So heißt es in der aktuellen Mitteilung des Insolvenzverwalters zum geschlossenen Vergleich, "dass Claassen den Insolvenzverwalter bei Bedarf umfassend bei der möglichen Geltendmachung etwaiger Schadensersatzansprüche der Masse gegenüber ehemaligen Aufsichtsratsmitgliedern der Solar Millennium AG unterstützen wird“. Diese Zusicherung klingt vielversprechend, denn Anleger könnten Claassens Unterstützung gut brauchen. Bis heute ist der Skandal um Solar Millennium in weiten Teilen nicht aufgearbeitet.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 08.04.2013, 19:20 Uhrgalgenvogel

    die anlegeranwälte sollen eher mal prüfen in wie weit vorstand utz claasen es unterlassen hat den aktionären des unternehmens wichtige kapitalmarktrelevante informationen zukommen zu lassen.

    die rolle des zwielichtigen claasen bei ENBW is ja auch schon gegenstand staatsanwaltlicher untersuchungen

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