Solarbranche : Kataris speisen Geld bei Solarword ein

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Solarbranche : Kataris speisen Geld bei Solarword ein

von Mario Brück

Von einer Rettung ist das Bonner Solarunternehmen noch ein Stück entfernt. Und die Zukunft bleibt ohnehin ungewiss.

Der finanzielle Entschuldungsplan für den taumelnden Bonner Solarkonzern Solarworld ist einem Medienbericht zufolge fertig. Demnach habe sich das hoch verschuldete Unternehmen mit einem Investor aus dem Emirat Katar und einem Großteil seiner Gläubiger auf wichtige Details der künftigen Finanzstruktur geeinigt, berichtete das „Wall Street Journal Deutschland“ unter Berufung auf „eine mit den Verhandlungen vertraute Person“.

Es ist wenig überraschend und zugleich auch logisch, dass sich die Scheichs aus dem arabischen Emirat Katar bei den Bonnern engagieren werden. Schon vor Wochen hatte Solarworld-Gründer und Vorstandschef Frank Asbeck auf Kontakte ins Emirat hingewiesen. „Unser Joint-Venture-Partner in Katar ist interessiert, sich als zweiter Investor neben mir in Solarworld signifikant zu engagieren.“

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Die Quatar Foundation und Solarworld betreiben seit Anfang 2010 ein Joint-venture namens Qatar Solar Technologies. Solarworld hält eine 29-Prozent-Beteiligung, 70 Prozent gehören der Quatar Foundation. Gemeinsam bauen die Partner eine Produktionsstätte für Polysilizium, die in der ersten Ausbaustufe mit knapp 4000 Tonnen Jahresproduktion in rund einem Jahr eröffnet werden soll. Die geplante Gesamtkapazität beträgt 8000 Tonnen pro Jahr. Silizium ist der Ausgangsstoff für die Herstellung von Solarzellen.

Die Fehler von Solarworld

  • Kein Niedrigkostenstandort

    Im Firmenverbund von Solarworld gibt es keinen Niedrigkostenstandort, was für einen Massenhersteller laut Hummel selbst im Premiumsegment unbedingt notwendig sei. Nachdem im Modulgeschäft 2009 aus dem Verkäufer- ein Käufermarkt wurde, versäumte Asbeck, die Eigenfertigung zu verringern, um Kosten zu senken.

  • Kapitalquellen vernachlässigt

    Asbeck verpasste auch, sich neue Kapitalquellen zu erschließen. Alle chinesischen Wettbewerber sind an den US-Börsen notiert. Solarworld beschränkt sich jedoch auf Deutschland, obwohl das Unternehmen zwei Fabriken in den USA besaß.

  • Solarparks der Konkurrenz überlassen

    Viel zu lange hat sich Asbecks Solarworld auf das Geschäft mit Dachanlagen konzentriert und die Bestückung von Solarparks und großen Freiflächen in Deutschland chinesischer Konkurrenz überlassen.

Den Informationen zufolge will das Unternehmen Qatar Solar Technologies 35 Millionen Euro im Rahmen einer Kapitalerhöhung für etwa 30 Prozent der Solarworld-Anteile bezahlen. Zudem sei zu erwarten, dass es eine Wandelanleihe zeichnen werde, die noch einmal ungefähr 200 Millionen Euro in die Kasse spülen soll. Unternehmensgründer Asbeck selbst wolle elf Millionen Euro für den Erhalt seines Lebenswerks beisteuern.

Dafür das weitgehend alles in trockenen Tüchern ist, spricht auch die Tatsache, dass am Mittwoch in Bonn ein Anlegerforum stattfinden wird, das sich unter anderem auch mit der Zukunft der finanziell angeschlagenen Solarworld beschäftigt. In der Einladung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) heißt es, bei der Veranstaltung werde über die „aktuelle Situation und das weitere Vorgehen in Bezug auf die Solarworld AG informiert“. An der Veranstaltung soll auch Philipp Koecke, Finanzvorstand von Solarworld, teilnehmen.

Noch aber ist Solarworld nicht gerettet. Eine besondere Klippe dürften die Inhaber von Solarworld-Anleihen sein, die den Plänen im kommenden Monat zustimmen sollen. Mit den Gläubigern der beiden Anleihen konnte bisher nicht verhandelt werden, da noch keine gemeinsamen Vertreter gewählt werden konnten. Ganz im Gegensatz zu den Schuldscheingläubigern, mit denen bereits seit Wochen Details zum aktuellen Rettungsplan diskutiert wurde. Federführend bei den Verhandlungen ist laut WirtschaftsWoche-Informationen der Hedgefonds Strategic Value Partners.

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Den Aktionären bleiben wenig andere Chancen, als die Planungen abzunicken. Die wenig attraktive Alternative wäre die Insolvenz des Bonner Konzerns, der durch die geplanten Kapitalmaßnahmen rund 600 Millionen Euro beziehungweise rund zwei Drittel seiner Schulden loswerden würde. Heftig verwässert oder ein Unternehmen in der Insolvenz, die derzeitigen Aktionäre werden als Verlierer aus der Sanierung hervor gehen.

Aber vor allem: Entschuldung ist die eine Seite der Medaille. Wie es operativ danach weitergeht, darüber ist bisher ohnehin wenig bekannt geworden. Die Absatzmärkte seien zunehmend dabei, sich nach Japan, China und die USA zu verschieben, sagt ein Branchenkenner. Dort habe Solarworld weder das Branding noch die nötigen Vertriebsstrukturen. Eine Restrukturierung dürfte sich sehr schwierig gestalten.

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