Solarbranche: "Wir sind auf dem Niveau des Transistorradios"

Solarbranche: "Wir sind auf dem Niveau des Transistorradios"

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Dietmar Roth

Roth & Rau aus Sachsen baut Anlagen zur Beschichtung von Solarzellen und gehört zu den größten seiner Branche weltweit. Dietmar Roth, CEO des Anlagenbauers, erklärt, warum ihm die Krise der Solarbranche keine schlaflosen Nächte bereitet.

WirtschaftsWoche: Herr Roth, viele deutsche Solarfirmen verdienen zur Zeit so gut wie kein Geld und bekommen keine neuen Aufträge. Haben Sie noch was zu tun?

Roth: Auch bei und ist der Auftragseingang niedriger als letztes Jahr. Aber wir liefern immer noch und zwar in die neuen Märkte, also nach Osteuropa und Asien. China ist unser wichtigster Markt, 50 Prozent unserer Produktion geht dahin. In den neuen Märkten werden zur Zeit neuen Anlagen gebaut. Was allerdings gerade gar nicht stattfindet, ist der Ausbau vorhandener Fabriken. Nur die Chinesen fangen an, darüber nachzudenken.

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Wie sieht es auf dem deutschen Markt aus?

Wie in den meisten etablierten Märkten passiert in Deutschland gerade so gut wie nichts. Die Produzenten von Solarzellen müssen erstmal Überkapazitäten abbauen und die Privatkunden warten ab, ob die Preise für Solarmodule noch weiter sinken, bevor sie sich eine Solaranlage aufs Dach montieren.

Beunruhigt Sie das nicht?

Nein, das ist ein ganz normaler Zyklus, den die Solarbranche gerade durchmacht. Es ist eben der erste Abschwung, den die junge Branche erlebt, aber danach geht es wieder aufwärts. Das hat die Halbleiterbranche vorgemacht, die schon immer unter einem starken Preisdruck stand. Nach jedem Tief kam ein Hoch mit niedrigeren Preisen und besseren Technologien. Wir sind jetzt da, wo die Halbleiterproduzenten waren, als Transistorradios modern waren. Irgendwann müssen wir auf dem iPod-Niveau ankommen.

Wann erwarten sie den Aufschwung?

Für uns in zirka sechs Monaten.

Was wird dann passieren?

Die deutschen Hersteller von Solarzellen, die als Pioniere den Solarmarkt ausgebaut haben, müssen dringend modernere Maschinen anschaffen um ihre Kosten zu senken. Dann werde sie wieder bei uns bestellen. Der Vorteil der gefürchteten Konkurrenz aus China liegt ja darin, dass sie erst vor kurzem ins Solargeschäft eingestiegen sind und sich die modernsten Anlagen zugelegt haben. So können sie effizienter und günstiger produzieren.

Müssen auch Sie und die anderen Anlagebauer auch die Kosten senken?

Auf jeden Fall. Wir haben uns moderneres Equipment angeschafft um günstiger zu produzieren.

Produktion in Asien spart noch mehr Geld, da dort die Löhne viel niedriger sind.

Die Lohnkosten machen nur zehn Prozent unserer Produktionskosten aus, deswegen würden wir so gut wie nichts einsparen. Denn wir brauchen vor allem Ingenieure, und die sind überall teuer und in Asien gar nicht so leicht zu kriegen. Vielleicht werden wir mal die Endfertigung in die Nähe unserer Kunden verlagern, aber Forschung und Entwicklung werden immer in Deutschland bleiben.

Fusionen können auch Kosten senken. Sehen Sie sich nach Kaufgelegenheiten um?

Auf jeden Fall. Zum Glück haben wir das Geld für Übernahmen. Letztes Jahr haben wir bereits mehrere Unternehmen gekauft. Und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich denke, dass den Anlagenbauern eine Konsolidierungswelle bevorsteht.

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