Solarhersteller Yingli: "Das haut die Branche auch nicht um"

Solarhersteller Yingli: "Das haut die Branche auch nicht um"

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Stuart Brannigan, Europa-Chef des chinesischen Modulherstellers Yingli

von Dieter Dürand

Der Europa-Chef des chinesischen Modulherstellers Yingli, Stuart Brannigan, wehrt sich gegen Verleumdungen.

WirtschaftsWoche: Herr Brannigan, wie fühlen Sie sich als Totengräber der deutschen Solarindustrie?

Brannigan: Solche Vorwürfe sind Unfug!

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Wieso? Chinesische Hersteller wie Yingli können den Markt doch nur deshalb mit Billigmodulen überschwemmen, weil sie Sozial- und Umweltstandards ignorieren.

Davon ist kein Wort wahr. Wir behandeln unsere Mitarbeiter nicht schlechter als deutsche Unternehmen. Wir halten uns nachweislich an alle gängigen Umweltnormen. Und wir verpesten auch keine Flüsse oder die Luft.

Sie zahlen Ihren Leuten im Durchschnitt umgerechnet rund 300 Euro im Monat. Davon könnte hier niemand leben.

In Baoding, wo unsere Fabrik steht, sind das Spitzenlöhne, die einen beachtlichen Lebensstandard ermöglichen.

Und Yingli Kostenvorteile verschaffen.

Die Löhne machen weniger als zehn Prozent der Gesamtkosten aus. Dass asiatische Module mit 1,30 bis 1,40 Euro je Watt Leistung rund 20 Cent billiger sind als europäische, liegt an anderen Stärken.

Nämlich?

Wir haben unsere Produktionskette sehr früh darauf ausgelegt, hohe Stückzahlen in bester Qualität zu fertigen und dabei die Kosten kontinuierlich zu senken. Wir haben dafür die modernsten Produktionsanlagen angeschafft. Da waren wir konsequenter als mancher deutsche Konkurrent, der jetzt lamentiert.

Sie bauen also billig und gut?

Etwas anderes können wir uns gar nicht erlauben. Um uns in Europa als Marke zu etablieren, müssen unsere Module tadellos sein. Würden wir mindere Ware liefern, wäre unser Ruf im Nu ruiniert.

Sie betreiben kein Preisdumping?

Ich bitte Sie! Wir haben vergangenes Jahr 85 Prozent unserer Produkte in Europa verkauft. Hätten wir die unter unseren Selbstkosten abgeben, hätten wir im dritten Quartal niemals eine Bruttorendite von gut 20 Prozent erwirtschaften können.

Die Stromkunden subventionieren den Boom über die Einspeisevergütung mit fast 80 Milliarden Euro. Ist es nicht höchste Zeit für einen kräftigen Abschlag?

Die Modulpreise haben sich im Laufe des vergangenen Jahres fast halbiert. Da ist also Spielraum drin. Ich halte den Branchenvorschlag einer Absenkung der Einspeisevergütung um jährlich bis zu 15 Prozent für eine tragbare Empfehlung.

Und wenn der Abschlag kräftiger ausfällt?

Haut das die Branche auch nicht um. Die Nachfrage ist derzeit unglaublich hoch. Sollte sie in Deutschland wegen der schlechteren Förderung in der zweiten Jahreshälfte stärker als erwartet sinken, schließen die wachsenden Märkte in den USA, Italien und China die Lücke.

Wann wird die Solarindustrie ohne Subventionen auskommen?

In spätestens drei Jahren dürfte der Strom vom Dach in vielen Ländern so günstig sein wie Haushaltsstrom. Dann wird sich der Markt noch einmal grundlegend wandeln. So könnten die Energieversorger die Privatleute als Hauptkunden ablösen. Bauen sie dann große Fotovoltaik-Kraftwerke, explodiert die Nachfrage erst so richtig.

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