Solarindustrie: Chinesen haben gut lachen

Solarindustrie: Chinesen haben gut lachen

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Schwere Zeiten für die deutsche Solarbranche

Deutschlands Fotovoltaikhersteller werden nur überleben, wenn sie sich der asiatischen Konkurrenz endlich stellen, statt weiter auf den Staat zu hoffen. Das hat auch die weltgrößte Solarmesse „Intersolar“ in München gerade wieder gezeigt.

Manchmal verrät ein kleiner Scherz mehr als viele Worte. Gefragt, ob er schon einmal mit Frank Asbeck gesprochen habe, dem Chef des größten deutschen Solarunternehmens Solarworld aus Bonn und begeistertem Hobby-Waidmann, antwortet Zhengrong Shi, Gründer und Vorstandsvorsitzender des chinesischen Weltmarktführers Suntech. „Als ich ihn mal angerufen habe, hat er gesagt: Psst! Ich jage.“

Solche süffisante Späße auf Kosten eines Konkurrenten erlaubt sich öffentlich nur, wer sich seiner Sache sehr sicher ist. Shi ist es. Zwar setzte auch sein Unternehmen im ersten Quartal dieses Jahres 7,2 Prozent weniger um, den Bruttogewinn konnte es dennoch steigern. Davon können deutsche Zell- und Modulhersteller nur träumen. Sie mussten teils gewaltige Gewinneinbrüche verschmerzen.

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China wird zur Benchmark

„Wir sind die Benchmark für die Branche“, sagt Shi. „Das treibt uns an.“ Dabei hat er vor allem die wachsende Konkurrenz im eigenen Land sowie der Hersteller aus Japan und Taiwan vor  Augen. Die deutschen Wettbewerber, so wird im Gespräch am Rande der weltgrößten Solarmesse „Intersolar“ in München deutlich, fürchtet er wenig. Sie sind für ein Späßchen gut.

In nur zehn Jahren hat Suntech den Sprung zum weltgrößten Hersteller kristalliner Solarmodule geschafft. Der Aufstieg ist exemplarisch für das Denken und die Vorgehensweise insbesondere der chinesischen Unternehmen. Shi war von Anfang an klar, dass sein damals unbekanntes Unternehmen auf den europäischen solaren Wachstumsmärkten nur reüssieren kann, wenn er seine Fotovoltaik-Anlagen in mindestens gleicher Qualität zu niedrigeren Preisen liefert. Also setzten die Chinesen alles daran, die Produktionskosten herunter zu bringen. Sie kauften die modernsten Produktionsanlagen, viele davon aus Deutschland. Sie trimmen ihre Prozesse ständig auf höhere Effizienz. Und sie investieren in Größe, um von den sinkenden Kosten großer Stückzahlen zu profitieren.

Ähnlich sind andere chinesische Markenhersteller wie  Yingli und JA Solar vorgegangen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich zu verbessern. Mit Erfolg. Heute haben sie Produktionskostenvorteile von rund 15 Cent je Watt.

Das Geld für ihr rasches Wachstum haben sich Suntech und andere besorgt, indem sie an die US-amerikanische Technologiebörse Nasdaq gegangen sind. Aus Deutschland hat sich das kein Unternehmen getraut. Mit ihrer besseren Kapitalausstattung und ihren höheren Gewinnen bauen die Asiaten jetzt eine Großfabrik nach der anderen und drängen die deutschen Konkurrenten an den Rand. Auch technologisch geben sie inzwischen das Tempo vor. Allein Suntech beschäftigt mittlerweile 450 Top-Forscher aus aller Welt.

Und die Deutschen? Daran gewöhnt, vom Staat und dem Stromkunden alimentiert zu werden, suchen sie immer noch ihr Heil bei der Politik. Die staatlich garantierte Vergütung für den Sonnenstrom dürfe auf keinen Fall zu schnell und zu stark zurückgefahren werden, hörte man immer wieder rund um die Stände der deutschen Aussteller. Dann hätten die heimischen Unternehmen kaum eine Überlebenschance, sprang ihnen Eicke Weber, Chef des Freiburger Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme, auf einer Pressekonferenz zur Seite.

Das Siechtum wird damit jedoch bestenfalls verlängert. Für Q-Cells, Solon, Conergy und Co. führt nur ein Weg aus der Krise: Sie müssen ihre Kostenstruktur schleunigst auf ein konkurrenzfähiges Niveau senken. Nur dann haben sie eine Chance auf den neu entstehenden Wachstumsmärkten in Asien, Afrika und dem Mittleren Osten mitzuspielen und auf dem Heimatmarkt nicht völlig unter die Räder zu geraten. Gelingt ihnen das nicht, stehen sie mit wenigen Ausnahmen auf verlorenem Posten.

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