Solarindustrie: Furcht vor einem Handelskrieg

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Solarindustrie: Furcht vor einem Handelskrieg

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Hinter den Kulissen der Solarmesse Intersolar herrscht dicke Luft: Solarworld-Chef Frank Asbeck fordert für Europa Strafzölle für Module aus China

von Matthias Kamp

Preisverfall, Überkapazitäten, Massenpleiten: Die Stimmung auf der weltgrößten Solarmesse ist schlecht wie nie. Der Ton zwischen den Billiganbietern aus China und deutschen Herstellern wird rauer.

Auf den ersten Blick ist es ein Bild trauter Harmonie, das sich dem Besucher der Intersolar in München dieser Tage bietet. Hell strahlen die gelben Neonreklamen am Messestand von Solarworld, einer deutschen Solarfirma aus Bonn. Kaum drei Meter weiter zeigt die Konkurrenz von Trina Solar, viertgrößter Anbieter der Welt mit Sitz in China, seine Neuheiten. Noch mal zwei Meter weiter hat Yingli Solar, drittgrößter Hersteller der Welt von Solarmodulen und ebenfalls aus China, seinen Stand aufgebaut. Munter geht es hin und her zwischen den Pavillons.

Antidumping-Verfahren bis zum Sommer

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Hinter den Kulissen kracht es dagegen gewaltig. Kürzlich haben die USA Strafzölle für Module aus China eingeführt. Initiator der Antidumping-Klage war Solarworld-Chef Frank Asbeck. In Europa probiert er jetzt das Gleiche. „Wir wollen ja nicht die Stimmung auf der Intersolar verderben“, sagt Asbeck gegenüber der WirtschaftsWoche, „deswegen kündigen wird den Termin unserer europäischen Antidumping-Klage nicht jetzt an.“ Doch bis zum Sommer, so der Deutsche, solle das Verfahren angelaufen sein. „Es muss jetzt schnell gehen.“

Dabei gibt es bei der Stimmung ohnehin nicht mehr viel zu verderben auf der Intersolar. Rund 1900 Unternehmen zeigen in München ihre Neuheiten – im vergangenen Jahr waren es noch 2200. Die Preise für die Solarmodule befinden sich mehr oder weniger im freien Fall. Die Branche ist geplagt von gewaltigen Überkapazitäten. Reihenweise schlittern Firmen in die Pleite. Dass in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern die Solarförderung zurückgefahren wird, macht es für die Firmen nicht leichter.

Asbeck glaubt die wahre Wurzel des Übels zu kennen. „Die Chinesen verkaufen unter Preis“, sagt der Solarworld-Chef. „Das akzeptieren wir nicht.“ Der Vorwurf: Mit Hilfe billiger Kredite und anderer Hilfen der Behörden seien die chinesischen Anbieter in kürzester Zeit hoch gezüchtet worden und überrollten nun die Firmen im Westen.

Chinesische Konzerne wie Suntech Power aus der Nähe von Shanghai oder Yingli Solar befürchten bereits einen Handelskrieg und verweisen darauf, dass sie ihre Rohmaterialien unter anderem bei Wacker Chemie in Deutschland, ihre Maschinen in der Schweiz, Italien und Deutschland kaufen. Wenn die Umsätze der chinesischen Hersteller schrumpfen, so ihr Fazit, leiden auch die Zulieferer im Westen.

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Verlagerte Lieferströme

Mark Kingsley ist Chief Commercial Officer bei Trina Solar. Sein Büro hat er in Shanghai, doch meistens ist er unterwegs in der Welt auf der Suche nach neuen Kunden für seinen chinesischen Arbeitgeber. „Die Strafzölle bringen doch nichts“, sagt Kingsley, „wir leben in einer globalisierten Welt.“ Kurzzeitig hätten die neuen Beschränkungen in den USA zu einigen Verzögerungen geführt. Trina Solar hat allerdings längst eine globale Lieferkette aufgebaut. So kann der Hersteller etwa problemlos Solarzellen in Taiwan oder Malaysia einkaufen. Die fertigen Module fallen dann nicht mehr unter die US-Beschränkungen. Kingsleys Fazit: „Die Zölle beschleunigen die Globalisierung unserer Industrie.“

Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich die Lieferströme lediglich verlagern. So sind die amerikanischen Zell- und Modulimporte aus China im April im Jahresvergleich um 64 Prozent gesunken. Die US-Importe aus Malaysia sind dagegen um 342 Prozent gestiegen; die aus Taiwan um 417 Prozent.

Solarworld-Chef Asbeck lässt sich jedoch nicht beirren. „Die US-Behörden merken doch, wenn jemand die Zollvorschriften umgehen will“, sagt der Deutsche, „und werden auch dagegen vorgehen.“

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