
Ausgerechnet Bosch Solar, Europas größter Solarzellen- und -modulhersteller, schließt sich einer von Solarworld geplanten Petition bei der EU-Kommission in Brüssel nicht an. „Wir sind für einen offenen und auf Wachstum ausgerichteten Welthandel, in dem sich die besten Produkte und Lösungen durchsetzen sollen. Strafzölle sind mit Hinblick auf dieses Ziel kontraproduktiv. Wir werden uns nicht aktiv an einem entsprechenden Handelsschutzverfahren beteiligen,“ sagt Bosch-Solar-Chef Holger von Hebel. Diese Entscheidung sei Asbeck persönlich von Hebel mitgeteilt worden, erfuhr die WirtschaftsWoche.
In den vergangenen Tagen hatte es nach einem Interview mit Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach Verwirrungen gegeben. Fehrenbach hatte gesagt, er sei zwar ein Gegner von Einfuhrzöllen, aber wenn die Dinge so klar auf dem Tisch lägen wie bei der Fotovoltaik, sei die Politik gefordert. „Das ist klares Dumping. Da muss man eingreifen“, so Fehrenbach. Prompt wurden Fehrenbachs Aussagen zugunsten der Solarworld-Initiative interpretiert. „Bosch unterstützt Antidumping-Bemühungen von Solarworld“, titelte daraufhin das Fachmagazin Photovoltaik. „Die Äußerung von Herrn Fehrenbach wurden schlicht und ergreifend falsch interpretiert“, sagt eine Bosch-Sprecherin.
Bild: dpaWer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis....
Bild: dpaCENTROTHERM
Profil: Hersteller kompletter Fabriken für die Solarindustrie
Umsatz 2011: 699 Millionen Euro
Verlust: 15,9 Millionen Euro
Nettoliquidität: 6,23 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –134,8 Millionen EuroStärken
– klare Ausrichtung auf asiatische Wachstumsmärkte
– breite Technologiebasis auf fast allen Stufen der Wertschöpfung
– sehr individuelle KundenlösungenSchwächen
– starke Abhängigkeit vom Solargeschäft, unzureichende DiversifizierungPrognose: internationale Klasse
Bild: PresseMANZ
Profil: Anlagenbauer für die Herstellung von Solarzellen und -modulen
Umsatz 2011: 241 Millionen Euro
Gewinn: 0,86 Millionen Euro
Nettoschulden: 17,5 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –42,8 Millionen EuroStärken
– überdurchschnittliche Innovationskraft
– Kundennähe durch Fertigung an kostengünstigen asiatischen Standorten
– Risikominimierung durch Standbein im FlachbildschirmgeschäftSchwächen
– geringe Standardisierung, teure maßgeschneiderte KundenlösungenPrognose: internationale Klasse
Bild: dpaSMA
Profil: Hersteller von Wechselrichtern mit großem Weltmarktanteil
Umsatz 2011: 1,67 Milliarden Euro
Gewinn: 166 Millionen Euro
Nettoliquidität: 346,25 Millionen Euro
Free Cash-Flow: 104,66 Millionen EuroStärken
– Markt- und Qualitätsführerschaft
– auf unterschiedlichste Kundenbedürfnisse ausgerichtetes AngebotSchwächen
– Produkt ist technologisch weitgehend ausgereift und daher leicht kopierbar
– zu teure Produkte für die Wachstumsmärkte in den SchwellenländernPrognose: wettbewerbsstark
Bild: dpaSOLARWORLD
Profil: Konzern mit integrierter Wertschöpfung von der Siliziumproduktion bis zur fertigen Solarstromanlage
Umsatz 2011: 1,05 Milliarden Euro
Verlust: 299,35 Millionen Euro
Nettoschulden: 718,52 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –291 Millionen EuroStärken
– Kapazitäten ermöglichen Skaleneffekte
– solides Netzwerk bei InstallateurenSchwächen
– Kostennachteile durch zu hohe Wertschöpfungstiefe
– unterentwickeltes Kraftwerksgeschäft
– angespannte FinanzlagePrognose: Mittelmaß
Bild: dpaSUNWAYS
Profil: Solarzellenhersteller mit dem chinesischen Großaktionär LDK
Umsatz*: 84 Millionen Euro
Verlust: 11,2 Millionen Euro
Nettoschulden: 36 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –11,7 Millionen EuroStärken
– Aussicht auf kostengünstigen Einkauf über chinesischen PartnerSchwächen
– kein Alleinstellungsmerkmal
– insgesamt zu kleines Produktionsvolumen für zwei Standorte
– chinesischer Großaktionär befindet sich selbst in der UmstrukturierungsphasePrognose: Mittelmaß
* Umsatzzahlen für Januar bis September 2011
Bild: PressebildALEO SOLAR
Profil: Börsennotierter Modulproduzent im Mehrheitsbesitz des Bosch-Konzerns
Umsatz 2011: 462 Millionen Euro
Verlust: 32,2 Millionen Euro
Nettoschulden: 13,1 Millionen Euro
Free Cash-Flow: – 44,1 Millionen EuroStärken
– direkter Vertrieb mit Ausrichtung auf FachhandelSchwächen
– Produktionsvolumen für Skaleneffekte zu gering
– unklare Internationalisierungsstrategie
– undurchsichtige Strategie mit den Marken aleo und avim (plus Bosch Solar)Prognose: leistungsschwach
Bild: PressebildCENTROSOLAR
Profil: Modulhersteller mit Schwerpunkt auf Dachanlagen
Umsatz 2011: 293 Millionen Euro
Verlust: 16,8 Millionen Euro
Nettoschulden: 68,8 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –28,5 Millionen EuroStärken
– Orientierung auf Endkunden und FachinstallateureSchwächen
– kaum Wachstumsaussichten in den bisherigen Hauptmärkten Italien und Frankreich zu erwarten
– Kooperationsvorteile mit taiwanesischem Partner weitgehend ungenutztPrognose: leistungsschwach
Bild: PressebildCONERGY
Profil: Hersteller schlüsselfertiger Solarsysteme von der Dachanlage bis zum Megawatt-Solarpark
Umsatz 2011: 754 Millionen Euro
Verlust: 162 Millionen Euro
Nettoschulden: 109 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –73,2 Millionen EuroStärken
– langjähriges Branchen-Know-howSchwächen
– Modul- und Gestellproduktion an Hochlohnstandorten
– keine klare Positionierung am Markt
– schwache Eigenkapitalquote, hohe VerschuldungPrognose: Überleben bedroht / leistungsschwach
Bild: dapdPHOENIX SOLAR
Profil: Planer, Erbauer und Betreiber von Fotovoltaik-Großkraftwerken
Umsatz*: 254 Millionen Euro
Verlust: 41 Millionen Euro
Nettoschulden: 11,2 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –27,9 Millionen EuroStärken
– Geschäftsmodell, das geringen Kapitaleinsatz erfordert
– hohe FlexibilitätSchwächen
– fehlendes Alleinstellungsmerkmal
– leicht kopierbares Geschäftsmodell
– fehlende Kapitalstärke für weiteres WachstumPrognose: Überleben bedroht
* Umsatzzahlen für Januar bis September 2011
Wer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis....
Wenige tatsächliche Strafen
Mit der klaren Abfuhr von Bosch Solar dürfte es für Solarworld schwerer werden, 25 Prozent der europäischen Zell- und Modul-Produktion hinter sich zu bringen. Dies gilt nach EU-Recht als Vorraussetzung für eine mögliche Klage. Welche Hersteller Solarworld für das Bündnis bisher gewinnen konnte und wann die Petition eingereicht wird, dazu wollte sich ein Solarworld-Sprecher „aus Vertraulichkeitsgründen“ nicht äußern. Mit einer ähnlichen Klage gegen unlautere staatliche Hilfen für die chinesischen Solarkonzerne war die US-Solarworld-Tochter in Übersee erfolgreich. Das Handelsministerium in Washington verhängte Strafzölle auf chinesische Fotovoltaik-Produkte von bis zu 250 Prozent. Die Entscheidung ist vorläufig.
Die Analysten des US-amerikanischen Marktforschers IHS iSuppli gehen nicht davon aus, dass eine Klage, wie sie die US-Tochter von SolarWorld in den USA erfolgreich durchgezogen hat, in Europa ebenso verlaufen würde. Wie IHS iSuppli kürzlich mitteilte, sei es unwahrscheinlich, dass eine Klage in Europa die gleichen Konsequenzen wie in den USA hätte. In Europa dürfte eine mögliche Klage nicht erfolgreich sein, so IHS iSuppli, da hier höhere Standards gelten, als in den USA. Selbst ein Erfolg dürfte nicht zu der erwarteten Erhebung von Strafzöllen führen, so dass der europäische Markt für die Hersteller hier weniger Risiken birgt. IHS iSuppli verweist zudem auf die Vergangenheit, wo die EU deutlich seltener Klagen gegen chinesische Hersteller erhoben hatte, als die USA. Zudem haben nur wenige auch tatsächlich Strafen nach sich gezogen.
Die strengeren Gesetze der EU verlangen, dass nachweislich Interessen der Industrie in der EU von externen Unternehmen verletzt werden. Zudem muss nachgewiesen werden, dass Strafen nicht gegen die Interessen der EU verstoßen.

























