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Solarwirtschaft: Do-it-yourself killt Centrotherm

von Mario Brück

Dem schwäbischen Maschinenbau-Schmiede Centrotherm brechen die Kunden weg. Die einen haben kein Geld mehr für neue Anlagen, die anderen bauen ihre Maschinen einfach selber.

Im Vergleich zu Unternehmen wie Q-Cells oder Solon hat der Maschinenbauer Centrotherm der Solarkrise lange getrotzt - Doch nun kämpfen auch die Schwaben mit Finanzierungsproblemen Quelle: dpa
Im Vergleich zu Unternehmen wie Q-Cells oder Solon hat der Maschinenbauer Centrotherm der Solarkrise lange getrotzt - Doch nun kämpfen auch die Schwaben mit Finanzierungsproblemen Quelle: dpa

Die Krise in der Solarbranche hat nun auch den schwäbischen Maschinenbauer Centrotherm erwischt. Das einstige Vorzeige-Unternehmen aus Blaubeuren mit rund 1.750 Beschäftigten hat massive Finanzierungsprobleme, weil Warenlieferungen an die Firma künftig nicht weiter versichert werden.

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Zuvor war der Maschinen- und Anlagenbauer für die Modul- und Zellenhersteller im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Nach den ersten drei Monaten im laufenden Geschäftsjahr stand ein Nettoverlust von 30 Millionen Euro zu Buche, im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatten die Schwaben noch 12 Millionen Euro verdient. Bereits in der zweiten Hälfte 2011 hatte das Blaubeurer Unternehmen rote Zahlen geschrieben.

Dabei wurde Centrotherm im Vergleich etwa zu Modulproduzenten wie Q-Cells, Solon oder Solarwatt erst spät von der Branchenkrise getroffen. „Centrotherm hatte darauf gesetzt, dass die Modul- und Zell-Hersteller nur bestehen können, wenn sie neue Anlagen anschaffen oder ihre bestehenden auf einen neuen Stand bringen“, sagt Wolfgang Hummel, Chef des Berliner Zentrums für Solarmarktforschung. Mittlerweile stehen  aber bei vielen Firmen selbst neue Anlagen still, ein Modernisierungsdruck ist nicht mehr gegeben.

Sunways

Das Amtsgericht Konstanz hat am 7. Mai ein Insolvenzverfahren über die Solarfirma eröffnet. Antragstellerin ist die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank). Laut Unternehmensangaben läuft das Verfahren über das Vermögen der Sunways AG sowie ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft, der Sunways Production GmbH. Der vorläufige Insolvenzverwalter Thorsten Schleich hat nun drei Monate Zeit, um über die Zukunft von Sunways zu entscheiden. Die BW-Bank zählt zu jenen Banken, die Sunways vor wenigen Wochen Kredite über insgesamt 6,6 Millionen Euro gekündigt hatten. Damals zeigte man sich in Konstanz noch zuversichtlich und wollte weiter verhandeln. Am Dienstagabend erklärte ein Sprecher, der Insolvenzantrag der BW-Bank habe das Unternehmen überrascht.

Das Sunways-Betriebsergebnis (Ebit) hatte Ende September bei minus 24,5 Millionen Euro (2011: minus 21,6 Mio Euro) gelegen. Nach der Kredit-Kündigung hatte Sunways die für Ende April geplante Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf unbestimmte Zeit verschoben. Ende 2012 beschäftigte der Konzern 265 Mitarbeiter. Sunways-Hauptaktionär ist die chinesische LDK Solar. Ob sie für das Unternehmen einspringen werde, war zunächst unklar.

Bild: dpa

Für Rückschläge nicht gewappnet

Erschwerend hinzu kommt bei Centrotherm: Das Unternehmen ist im Vergleich zu anderen Maschinenbauern, wie etwa der Wettbewerber Manz, sehr auf Fotovoltaik konzentriert und kann Rückschläge im Solarbereich nicht mit anderen Geschäftsfeldern ausgleichen.

Centrotherm leidet wie andere unter dem hohen Preisdruck in der Solarwirtschaft. Viele Kunden können sich derzeit keine Investitionen in neue Maschinen leisten, so dass die Krise auch die Maschinenbauer in Mitleidenschaft zieht. In den vergangenen Monaten mussten mehrere Solarhersteller in Deutschland Insolvenz anmelden, darunter auch der frühere Weltmarktführer Q-Cells aus dem ostdeutschen Bitterfeld.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 20.06.2012, 17:04 Uhrmartinm

    Hier sieht das Sentiment allerdings noch sehr bullish aus, wobei das natürlich auch mit Vorsicht zu genießen ist: http://bit.ly/LfvCgQ

  • 19.06.2012, 17:49 UhrMalocher

    Weil moderne Gesellschaften nicht anders als ausschließlich arbeitsteilig existieren können, bleibt auch künftig wirtschaftlich nicht ermöglicht, über die deshalb von keinem überschreitbaren Grenzen hinweg zu produzieren. Schickt sich also ein Unternehmen wie nicht zuletzt die LG Solar in Europa dennoch dazu an, legt deren Unterfangen überaus beredt Zeugnis davon ab, im Angesicht der Notwendigkeiten industriell betriebener Fertigung nicht allein auf das Äußerste zu versagen, sondern zugleich die Initiative von demgegenüber flexibel spezialisierten Maschinenbauern wie die der Blaubeurer Centrotherm im Effekt existenziell zu gefährden. Angezeigt ist somit, besagten Unfug schleunigst an sein Ende kommen zu lassen, um dadurch der unabdingbaren Option eines Wohlstands für alle den dafür erforderlichen Vorrang zu geben.

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