Solarworld: Aktionäre müssen für Solarworld-Rettung bluten

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Solarworld: Aktionäre müssen für Solarworld-Rettung bluten

von Henryk Hielscher

Das Schicksal des taumelnden Solarkonzerns zeichnet sich ab. Die Eigentümer und Gläubiger der Solarworld AG müssen für die Rettung des finanziell angeschlagenen Unternehmens tief in die Tasche greifen: Ein Schuldenschnitt ist vorgesehen. Im Hintergrund zieht der Kölner Insolvenzspezialist Hans-Gerd Jauch die Fäden.

Die Eigentümer und Gläubiger der Solarworld AG müssen für die Rettung des finanziell angeschlagenen Unternehmens tief in die Tasche greifen. Mit wichtigen Gläubigern sei eine Einigung erzielt worden, die einen Schuldenschnitt vorsieht, teilte das Unternehmen am Dienstag in Bonn mit. Dadurch sollen die langfristigen Verbindlichkeiten um etwa 60 Prozent verringert werden. Im Gegenzug werden die Gläubiger im Rahmen eines drastischen Kapitalschnitts Haupteigentümer des Unternehmens und bestimmen damit künftig den Kurs mit. Die derzeitigen Aktionäre werden entmachtet. Dazu soll eine außerordentliche Hauptversammlung einen Kapitalschnitt um 95 Prozent beschließen.
Verhandeln konnte Solarworld aber nur mit 80 Prozent der Inhaber von Schuldscheinen. Schwieriger wird es sein, auch die Zeichner zweier Anleihen zu überzeugen. Denn diese Papiere sind breit gestreut. Solarworld plant daher zwei Gläubigerversammlungen. Die Anleihegläubiger sollen den übrigen unbesicherten Fremdkapitalgebern gleichgestellt werden. Die zuständigen Gremien müssen der Einigung noch zustimmen.


Größter Einzelaktionär von Solarworld ist bisher Vorstandschef und Unternehmensgründer Frank Asbeck mit knapp 28 Prozent der Anteile. Er wird durch die geplante Kapitalherabsetzung um etwa 95 Prozent künftig nur noch einen sehr kleinen Anteil am Unternehmen in der Größenordnung von etwa einem Prozent besitzen. „Ich nehme genauso wie jeder andere Aktionär an der Kapitalherabsetzung teil“, sagte Asbeck der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag. Solarworld war durch Billig-Konkurrenz aus China in den Strudel der Branchenkrise geraten. Der Kurs der Aktie schlug am Dienstagvormittag nach dem Bekanntwerden des Plans kurzzeitig stark sowohl nach oben als auch und unten aus. Am Nachmittag stand die Solarworld-Aktie dann im Minus.

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Die Fehler von Solarworld

  • Kein Niedrigkostenstandort

    Im Firmenverbund von Solarworld gibt es keinen Niedrigkostenstandort, was für einen Massenhersteller laut Hummel selbst im Premiumsegment unbedingt notwendig sei. Nachdem im Modulgeschäft 2009 aus dem Verkäufer- ein Käufermarkt wurde, versäumte Asbeck, die Eigenfertigung zu verringern, um Kosten zu senken.

  • Kapitalquellen vernachlässigt

    Asbeck verpasste auch, sich neue Kapitalquellen zu erschließen. Alle chinesischen Wettbewerber sind an den US-Börsen notiert. Solarworld beschränkt sich jedoch auf Deutschland, obwohl das Unternehmen zwei Fabriken in den USA besaß.

  • Solarparks der Konkurrenz überlassen

    Viel zu lange hat sich Asbecks Solarworld auf das Geschäft mit Dachanlagen konzentriert und die Bestückung von Solarparks und großen Freiflächen in Deutschland chinesischer Konkurrenz überlassen.

Der Mann, der Solarworld retten soll und im Hintergrund die Fäden zieht, heißt Hans-Gerd Jauch. Tatsächlich zählt Jauch zu den profiliertesten Insolvenzverwaltern Deutschlands. Er hat Dutzende gestrauchelte Unternehmen verkauft, gerettet oder fachmännisch zerlegt, darunter AgfaPhoto, den Maschinenbauer Babcock Borsig oder das Handelskonglomerat Arcandor. Nun dirigiert er den Bonner Solarkonzern Solarworld durch die Verhandlungen mit den Banken, lotet mit Unternehmenschef und -gründer Frank Asbeck die Sanierungschancen aus und steckt die finanzielle Grenzlinie ab, hinter der ein Insolvenzantrag unausweichlich wäre. Wortgewaltiger Jurist trifft auf Ego-Shooter der deutschen Solarindustrie - kann die Liaison funktionieren?

In St. Aposteln hat sich Jauch an dem Sonntag Mitte März vor einem Bild aufgebaut, das auf den ersten Blick wie eines jener christlichen Großgemälde wirkt, das die Grablegung Christi zeigt. "König der Könige" lautet der Titel. Darauf ist Libyens getöteter Diktator Muammar al-Gaddafi zu sehen, in eine Baumarktplane gehüllt, "im Hintergrund wohlausgesuchte Frauen, die jedem Messestand zur Ehre gereicht hätten", lobt Jauch das Werk. Er hat das Gemälde bei dem Kölner Künstler Gerd Mosbach in Auftrag gegeben, nachdem im Internet entwürdigende Bilder des getöteten Herrschers zirkulierten, die Jauchs christliches Moralempfinden empörten. Demnächst soll das 2,32 breite Bild sein Büro bei der Wirtschaftskanzlei Görg am Kölner Rheinufer zieren.

Ein toter Diktator im Anwaltsbüro? Während sich sonst gern gefällige Abstraktionen an die Wände von Wirtschaftsjuristen schmiegen, Werke, so interpretier- und dehnbar wie die Vergütungsrichtlinien der Insolvenzordnung, lässt Jauchs Bildwahl keinen Deut Spielraum zu: klare Kante statt kuscheliger Konsens.

Gezielte Provokation? Und ob. Verstörte Mandanten? Egal. Zumal es Jauch im Zweifel wohl gelänge, allzu konsternierte Besucher mit seinem plaudernd-dozierend Erzählstrom zu besänftigen.

Onkel Hansi erklärt die Welt

Das Thema ist im Grunde Nebensache. Der Jurist stopft genüsslich seine Pfeife und breitet Kenntnisse über romanische Kirchen und historische Schlachtenaufstellungen aus oder referiert über das Erziehungsmodell der als Tiger Mom bekannten Yale-Professorin Amy L. Chua. Kanzleiintern soll Jauch seine Vorträge selbstironisch unter dem Motto "Onkel Hansi erklärt die Welt" zusammengefasst haben.

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