Solarworld: Asbecks Rettungsplan lässt viele Fragen offen

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Solarworld: Asbecks Rettungsplan lässt viele Fragen offen

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Pistole auf die Brust: Solarworld-Chef Asbeck bittet Aktionäre und Gläubiger zur Kasse

von Mario Brück

Billiger einkaufen, Personal entlassen, auf Strafzölle hoffen: Ob das reicht, um Solarworld zu retten? Heute treffen sich die Anleihegläubiger des strauchelnden Bonner Riesen.

Das Sanierungskonzept für den schwer angeschlagenen deutschen Solarkonzern Solarworld ist so schlicht wie sein Name. „Informationsmemorandum“ heißt die 24-seitige Schrift, die das Unternehmen verbreitet. Die Einschnitte bei Aktionären und Gläubigern, die dazu dienen, die Verschuldung von einer Milliarde Euro zu senken, umfassen mehr als ein Dutzend Seiten. Die unternehmerische Neuausrichtung dagegen füllt gerade mal eineinhalb Seiten.

Anleihegläubiger und Aktionäre müssen noch zustimmen

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Heute einigten sich die Anleihegläubiger immerhin schon auf einen gemeinsamen Interessensvertreter. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Alexander Elsmann das Sanierungskonzept auf seine Tragfähigkeit prüfen und die Restrukturierungen gegebenenfalls begleiten. Mitte Juni hatten die Schuldscheingläubiger dem Sanierungsplan zugestimmt und verzichten damit auf die Rückzahlung von 55 Prozent ihrer Forderungen. Nun müssen die Anleihegläubiger zustimmen, die ebenfalls auf 55 Prozent ihrer Forderungen verzichten sollen. Auf der Versammlung am Montagnachmittag wird aber nicht erwartet, dass die nötige Anwesenheit von 50 Prozent der Stimmen erreicht wird. Daher wird voraussichtlich ein zweites Treffen in etwa zwei Wochen stattfinden.

Anfang August müssen die Aktionäre dem Sanierungsplan zustimmen, der dem Memorandum zugrunde liegt. Verfasst hat den Plan die Unternehmensberatung PricewaterhouseCooper (PwC), in dessen Gefolge Aktionäre und Gläubiger auf Hunderte von Millionen Euro verzichten sollen.

Doch über den Berg ist Solarworld mit der Zustimmung der Anteilseigner und Geldgeber noch lange nicht. Experten haben erhebliche Zweifel, ob das Unternehmen trotz Schuldenverzicht und Aktienschnitt fit für die Zukunft wird.

Schlichte Sanierungsschritte

So bleibt in den Büchern von Solarworld weiterhin eine hohe Verschuldung, mehr als 400 Millionen Euro. Um damit leben zu können, müsste Solarworld nach Berechnungen des Online-Portals Finance bei einem Kassenbestand von nur noch 180 Millionen Euro und den absehbaren Investitionen schnellstens wieder 100 bis 150 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verdienen. Das wären bis zu 365 Millionen Euro mehr als im vergangenen Geschäftsjahr, in dem ein entsprechender Verlust von minus 215 Millionen Euro anfiel. Und das in einer Situation, in der, wie das Memorandum zeigt, eine wirtschaftliche Perspektive für das Bonner Unternehmen offenkundig fehlt.

„Im Solarworld-Vorstand wird grenzenloser Optimismus gelebt, aber für die Anleger gibt es noch eine Reihe von Unklarheiten“, sagt Anlegerschützer Klaus Nieding von der Frankfurter Anwaltskanzlei Nieding + Barth. Nieding vermisst zum Beispiel Prognosen, ob die geplanten Innovationen greifen oder ob sich Einkauf und andere interne Prozesse wie geplant optimieren lassen. Stattdessen listet das Papier in erster Line schlichte Sanierungsschritte auf, ohne deren Wirkung groß zu erläutern. So will Solarworld unter anderem

  • die hohen Siliziumbestände senken und ab 2014 nur noch verbrauchsgerecht zu Marktpreisen einkaufen;
  • die Kosten für Materialien und Komponenten durch Preisnachverhandlungen, neue Lieferanten sowie Verbesserungen der Produktionsprozesse senken;
  • die Personalkosten in der Forschung und Entwicklung reduzieren;
  • Marketingkosten durch weniger Werbung im Fernsehen und in Printmedien senken.

Doch woher das Geschäft kommt, das parallel für Einnahmen sorgt, bleibt schleierhaft. Allein in den ersten fünf Monaten 2013 wurden in Deutschland 42,5 Prozent weniger Solaranlagen errichtet als im Vorjahreszeitraum. Und Anfang Juli sind die Vergütungen für Solarstrom erneut gesunken.

Für Experten muten diese Einschnitte, die das Überleben des 2600-Mitarbeiter-Unternehmens sichern sollen, deshalb wie Wadenwickel für Malaria-Patienten an. „Die Bilanzsanierung hat Solarworld zwar kurzfristig gerettet, aber für einen nachhaltigen Fortbestand ist ein wettbewerbsfähiges operatives Konzept nötig“, kritisiert Nikolai Dobrott, Geschäftsführer der auf erneuerbare Energien spezialisierten Unternehmensberatung Apricum in Berlin.

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