Solarworld: Noch tiefer in die Grütze

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Solarworld: Noch tiefer in die Grütze

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Erst die Chinesen, dann das Wetter. Solarworld-Chef Asbeck findet immer neue Gründe für die Umsatzeinbußen

von Mario Brück

Solarworld-Chef Frank Asbeck hat vorübergehend einen neuen Schuldigen für das sich ausweitende Desaster beim Bonner Solarkonzern gefunden: das Wetter.

Waren es bisher stets die chinesischen Billigproduzenten mit ihren angeblich staatlich subventionierten Modulen und Zellen, so ist es in den ersten Monaten des Jahres nun überraschend das harte und lang andauernde Winterwetter. Die zweite Überraschung folgt zugleich: Zwar hat niemand bei Solarworld mit guten, positiv stimmenden Zahlen für das erste Quartal 2013 gerechnet. Doch das die Erlöse derart in die Grütze fahren, ist schon ausgesprochen bemerkenswert. Der Umsatz brach im 1. Quartal um deutlich über 30 Prozent auf mickrige 112 Millionen Euro ein.

Dies teilte Solarworld gestern Nachmittag via Adhoc-Meldung mit, die sich ­– passend zu den Umsätzen – auf magere acht Zeilen beschränkte. Weiterführende Informationen?  Fehlanzeige. Angaben zur Bilanz? Fehlanzeige. Stand der Restrukturierung? Fehlanzeige. Aussichten auf Besserung? Fehlanzeige.

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Kritik an Restrukturierungsplänen

Asbeck weist lediglich darauf hin, das auch das "anhaltende Restrukturierungsprogramm" für die Umsatzeinbrüche mitverantwortlich gewesen sei. Was genau bei Solarworld restrukturiert wird, bleibt bisher offen. Schon nach den gescheiterten Gläubigerversammlungen der Anleihe, die wegen zu geringer Präsenz keine Beschlüsse fassen konnte, hatte Julia List von der Kanzlei Nieding + Barth die Sanierungspläne kritisiert. Über die Maßnahmen sei  nicht vollständig informiert worden. List: "Wir sind unzufrieden."

Die Fehler von Solarworld

  • Kein Niedrigkostenstandort

    Im Firmenverbund von Solarworld gibt es keinen Niedrigkostenstandort, was für einen Massenhersteller laut Hummel selbst im Premiumsegment unbedingt notwendig sei. Nachdem im Modulgeschäft 2009 aus dem Verkäufer- ein Käufermarkt wurde, versäumte Asbeck, die Eigenfertigung zu verringern, um Kosten zu senken.

  • Kapitalquellen vernachlässigt

    Asbeck verpasste auch, sich neue Kapitalquellen zu erschließen. Alle chinesischen Wettbewerber sind an den US-Börsen notiert. Solarworld beschränkt sich jedoch auf Deutschland, obwohl das Unternehmen zwei Fabriken in den USA besaß.

  • Solarparks der Konkurrenz überlassen

    Viel zu lange hat sich Asbecks Solarworld auf das Geschäft mit Dachanlagen konzentriert und die Bestückung von Solarparks und großen Freiflächen in Deutschland chinesischer Konkurrenz überlassen.

"Wir können keine Fortschritte bei der Sanierung erkennen", sagt Wolfgang Hummel, Direktor am Berliner Zentrum für Solarmarktforschung (ZfS).  "Es fehlt an greifbaren ersten Ergebnissen. Vereinbarungen mit den Gläubigern sind wichtig. Doch die Restrukturierung des Unternehmens wurde noch gar nicht angegangen."

Dabei sei nicht grundsätzlich der Umsatzrückgang besorgniserregend. Als kritisch zu bewerten sei vielmehr, dass Solarworld vom Fotovoltaik-Wachstum auf dem deutschen Heimatmarkt nicht profitieren könne. Schon im Vorjahr habe Solarworld weitere Marktanteile in Deutschland verloren. Trotz eines Rekord-Zubaus von Fotovoltaikanlagen in Deutschland  von 7600 Megawatt im vergangenen Jahr habe Solarworld Module und Bausätze nur im Umfang von rund 250 Megawatt verkauft und damit gerade einen Marktanteil von 3,3 Prozent erreicht.

Solarworld muss das Vertrauen wiederherstellen

Hummel: "Für uns deutet immer mehr darauf hin, dass eine Sanierung neben einem umfangreichen Gläubigerverzicht nur mit einem Investor gelingen kann, der bereit ist, frisches Kapital zur Verfügung zu stellen. Einen solchen Kapitalgeber sehen wir nicht.”

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Auch die EU-Anti-Dumping-Zölle, selbst wenn sie kämen, würden Solarworld die Sanierungsaufgabe nicht abnehmen, so Hummel. "Um die Gewinnschwelle zu erreichen bräuchte Solarworld in Deutschland mindestens den doppelten Umsatz.”

Solarworld habe noch nicht erkannt, dass das Solargeschäft nicht der bloße Verkauf von Hardware sei. Der Kunde kaufe nicht nur ein Modul, sondern ein Versprechen, über 20 Jahre Strom selber erzeugen zu können. Wichtiger als das Solarmodul ist daher die 10-jährige Produktgarantie und die 25-jährige Leistungsgarantie. Hummel: "Wichtig für Solarworld ist daher nicht die Effizienzsteigerung der Zellen und das zusätzliche Angebot von Batteriespeichern, sondern die Wiederherstellung des Vertrauens, die Garantieversprechen auch halten zu können. Wo das Vertrauen der Aktionäre und Anleihegläubiger fehlt, kann man Vertrauen der Endabnehmer nicht erwarten.”

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