Solarworld: Solarworld dezimiert sein Grundkapital

Solarworld: Solarworld dezimiert sein Grundkapital

Beim Photovoltaikunternehmen Solarworld ist wegen eines teuren Restrukturierungsprogramms und hoher Verluste im Tagesgeschäft das Eigenkapital empfindlich zusammengeschrumpft.

Für die seit Jahren defizitäre Solarworld wird es mal wieder eng. Firmenchef Frank Asbeck gab am Dienstag bekannt, nach 2013 habe der Solarkonzern nun erneut mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt. Als Grund nannte er vor allem Rückstellungen und Wertberichtigungen. Das Eigenkapital im Einzelabschluss nach Handelsgesetzbuch (HGB) brach demnach auf 2,6 (Ende 2015: 30,8) Millionen Euro ein - die Folge eines Verlustes nach Steuern von 28,2 Millionen Euro. Im Konzern betrage das Eigenkapital 120,5 Millionen Euro. Solarworld werde nun gemäß Aktiengesetz zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen. Dort muss Asbeck den Anlegern erklären, wie er das Unternehmen aus der Misere führen will.

Die Aktien waren am Nachmittag für die Dauer von rund einer Stunde vom Handel ausgesetzt und brachen nach der Wiederaufnahme um 33 Prozent auf 2,66 Euro ein.

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Bereits vor vier Jahren drohte der seinerzeit mit rund einer Milliarde Euro verschuldeten Solarworld die Pleite. Infolge des Preiskampfes mit Billiganbietern aus Asien verbuchte das einstige Aushängeschild der deutschen Solarbranche in der Bilanz 2012 einen Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro. Das Eigenkapital war negativ. Damals einigte sich Asbeck mit den Gläubigern auf einen Schuldenschnitt. Sie verzichteten auf 60 Prozent ihrer Ansprüche und erhielten dafür Solarworld-Aktien (Debt-to-Equity-Swap). Die Aktionäre beschlossen zudem einen Kapitalschnitt um 95 Prozent und begnügten sich mit fünf Prozent vom Grundkapital. Für frisches Kapital sorgte ein Investor aus Katar.

Seit damals hat es Asbeck allerdings nicht geschafft, sein von ihm gegründetes Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Zwar sorgten Einfuhrzölle auf chinesische Billigimporte zeitweise für Entspannung, doch inzwischen ist der Preiskampf erneut entflammt. 2016 verbuchten die Bonner bei einem fünfprozentigen Umsatzplus auf 803 Millionen Euro operativ einen Verlust (Ebit) von 99 Millionen Euro. Asbeck kündigte im Februar an, durch einen deutlichen Stellenabbau und die Konzentration auf Hochleistungsprodukte 2019 in die Gewinnzone zurückkehren zu wollen. "Die Rückkehr zur Profitabilität hängt davon ab, dass es uns gelingt, durch die Fokussierung auf ausschließlich sehr hochwertige Produkte und durch Maßnahmen in allen Bereichen die Kosten zu senken." Die Ausgaben für die Restrukturierung bezifferte er nicht.

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