Sonnenstrom aus der Wüste: Desertec im Sande verlaufen

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Sonnenstrom aus der Wüste: Desertec im Sande verlaufen

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Solarkraftwerk in der israelischen Wüste: Nachdem bereits einige deutsche Konzerne das Projekt Desertec verlassen haben, will nun auch die Desertec Stiftung nicht mehr kooperieren.

von Andreas Wildhagen

Die Solarstrom-Initiative der deutschen Industrie steht vor dem Aus. Die Desertec Stiftung will nicht mehr kooperieren.

Es deutete sich bereits vor über einem Jahr an, als ein handfester Streit und viele Ungereimtheiten zwischen der Stiftung Desertec Foundation mit Sitz in Hamburg und der DII Industrieinitiative in München durchsickerte. Nun hat die Stiftung angekündigt, sich aus der DII zurückzuziehen und eigene Wege zu gehen.

Damit hängt der deutsche Industriezusammenschluss in der Luft, ihm wird quasi die Basis entzogen, in einem großangelegten Schulterschluss mit der international aufgestellten Stiftung im großen Stil Solarkraftwerke in der Wüste Sahara zu errichten und den Strom durch Unterwasserleitungen im Mittelmeer nach Europa und speziell nach Deutschland zu schicken.

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Ganz abgesehen davon, dass es in Deutschland eher zu viel Solarstrom gibt als zu wenig und die Netze die erneuerbaren Energien kaum mehr aushalten: das 400-Milliarden Euro teure Projekt, das einst zur flächendeckenden Energieversorgung in Europa angelegt war, ist mit der Rückzugsankündigung endgültig in den Sand gesetzt. Jahrelang hat es nur noch geknirscht zwischen Hamburg und München.

Die DII, die sich schon früh als Abkürzungsfirma des Namens Desertec entledigte, ist ein Zusammenschluss von Unternehmen wie Munich Re, Schott Solar, Deutsche Bank, E.On, RWE, ABB und anderen. Insgesamt sind es rund 20 Unternehmen, darunter auch die Desertec-Foundation quasi als Urmutter und Ideen-Inkubator, die nun ausscheidet.

Aus den Ritzen der Initiatoren gelangten Splitter des Streits: Man wolle vermeiden, in den Sog der negativen Berichterstattung über die Orientierungslosigkeit des Industriekonsortiums gezogen zu werden. Besonders stellte sich für viele Beobachter das Erscheinungsbild der Stiftung dar. Kürzlich wurde ein internationales Solarstromprojekt ohne Beteiligung der Industrie-Planungsgesellschaft von den sonnenhungrigen Gutmenschen der Stiftung vorgestellt. DII-Chef Paul van Son zeigte sich im Gespräch mit der WirtschaftsWoche zu Anfang des Jahres darüber irritiert.

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Für Streit sorgte zuletzt das Projekt Sawian in Marokko, Baukosten: geschätzte 600 Millionen Euro. Eigentlich war es als erstes Pilotprojekt von Desertec und DII gedacht. Paul van Son, als früherer Energiemanager der holländischen Essent mit der Planung von Kraftwerken vertraut und ein recht nüchterner Rechner, wollte das Kraftwerk kleiner bauen als die Stiftung, so heißt es. Damit hätte man keinen Strom nach Europa leiten können. Der jedoch hätte sich sowieso seinen Weg nicht dorthin bahnen können, denn die Unterwassertrassen in der Meerenge von Gibraltar reichen nicht aus und die Durchleitung durch das keineswegs belastbare spanische Netz ist bisher noch nicht restlos geklärt worden.

Die 400 Milliarden Euro als Investitionssumme waren sowieso nur überschlägig gerechnet und stark nach oben aufgerundet worden, um das Projekt riesengroß erscheinen zu lassen. Nach dem Ausscheiden der Stiftung, die nun ohne die Industrie ihren Sonnenträumen, diesmal nicht nur in der Sahara, sondern auch in Brasilien nachhängen will, ist es mehr als fraglich, ob die DII als Industriezusammenschluss für Sonnenstrom aus Nordafrika noch Bestand haben wird. Faktisch ist nun auch für die deutsche Industriekooperation Schluss.

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