Strafzölle auf chinesische Module: "Die Folgen werden dramatisch sein"

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Strafzölle auf chinesische Module: "Die Folgen werden dramatisch sein"

von Matthias Kamp

Die EU will in wenigen Wochen über die Höhe der endgültigen Strafzölle für Solarmodule aus China entscheiden. Trina Solar-Europachef Ben Hill warnt vor den Konsequenzen für die gesamte Solarindustrie.

Anfang August will die EU einen endgültigen Beschluss zur Höhe der Strafzölle auf Solarmodule aus China fällen. Ben Hill, Europachef des chinesischen Herstellers Trina Solar, fürchtet durch die Zölle weit reichende Folgen für die gesamte Industrie und überlegt nun, eine Fertigung in Europa hochzuziehen. Trina ist einer der größten Anbieter von Solarpanelen weltweit. Das Unternehmen wurde 1997 im ostchinesischen Changzhou gegründet und erzielte 2012 einen Umsatz von 1,3 Milliarden US-Dollar. Peking und Brüssel verhandeln derzeit um einen Kompromiss im Streit um die Strafzölle.

WirtschaftsWoche: Hat Sie die Ankündigung der EU, Strafzölle auf Solarmodule aus China einführen zu wollen, überrascht?

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Hill: Dass irgendetwas kommen würde, war uns klar. Eine Überraschung war dann aber vor allem, wie Brüssel den Begriff „Dumping“ definiert. Nämlich nicht  als den Verkauf von Produkten zum Preis, der unter den Herstellungskosten liegt. Brüssel vergleicht stattdessen die Preise unserer Module mit denen, beispielsweise eines kleinen Herstellers aus Indien. Alles sehr merkwürdig.

Als Mann hinter den Strafzöllen gilt der deutsche Solarworld-Gründer Frank Asbeck. Werden die Zölle seine Firma retten?

Ich will hier nicht groß über Solarworld reden. Ich bin mir sicher, dass Herr Asbeck und Solarworld alles Menschenmögliche versuchen werden, um zu überleben.

Kennzahlen zu Solarstrom

  • 100.000 Megawatt

    Fotovoltaik sind weltweit am Netz.

  • 48.000 Megawatt

    kommen allein 2017 dazu.

  • 6 Prozent

    weniger Kohle- und Gasstrom werden in sieben Jahren nachgefragt.

  • 30 Prozent

    Stromkosten sparen Solarstromerzeuger im Jahr 2020.

  • 12 Cent

    kostet dann die Kilowattstunde.

Was bedeuten die Strafzölle, wenn Sie denn kommen, für das Geschäft von Trina Solar?

Zurzeit gelten noch die 11,8 Prozent. Gibt es keine Einigung, gehen die Zölle im August auf knapp 50 Prozent hoch. Das hat dann natürlich massive Auswirkungen auf unser Geschäftsmodell, weil wir unsere Module hauptsächlich in China bauen. Die Folgen für die gesamte Industrie werden dramatisch sein.

Erwarten Sie einen Kompromiss in letzter Minute?

Ja, es wird einen Kompromiss geben, weil jeder weiß, dass die Zölle, so wie sie jetzt geplant sind, schwer wiegende Folgen für die europäische Solarindustrie haben werden.

Warum bauen Sie Ihre Module nicht in Europa?

Wir halten uns im Moment noch alle Optionen offen. Wir produzieren schon jetzt Module außerhalb von China. Es gibt viele Gründe, hier in Europa zu fertigen. Man muss da sein, wo der Kunde ist. Innerhalb der nächsten zwei Monate wird Trina aber noch keine Entscheidung zu einer möglichen Fabrik in Europa fällen.

Deutschland fährt die Einspeisevergütung runter. Schmerzt das?

Wir wollen mit unserer Industrie auf eigenen Füßen stehen und ohne Subventionen auskommen. In Italien funktioniert das schon. Es ist gut, die Einspeisevergütung  zurückzufahren, weil das die Industrie zwingt, wettbewerbsfähig zu werden.

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Mit Suntech ist bereits ein bedeutender Anbieter aus dem Rennen. Wie wird die Konsolidierung weitergehen?

Suntechs Pleite hat ihre Ursache in Managementproblemen. Ich glaube, es werden in diesem Jahr noch weitere Unternehmen in die Pleite schlittern. Viele Modulhersteller sind überschuldet, haben sich viel zu viel Geld geliehen. Manche haben auch in guten Zeiten nicht sinnvoll investiert, sondern das Geld aus der Firma rausgezogen.

Wer wird überleben?

Nicht die Firma mit den größten Fabriken, sondern die mit den besten Kundenbeziehungen.

Wie wird sich das Geschäft in den südeuropäischen Ländern entwickeln?

Italien oder Spanien werden sehr interessant für uns, weil die Modulpreise in den letzten Jahren stark gefallen sind. In den Ländern lohnt sich das Geschäft jetzt ohne Subventionen.

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