
Im Kampf gegen Billigkonkurrenz aus China will Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) der kriselnden deutschen Solarbranche den Rücken stärken. Es werde „auch geprüft, ob ein Antidumpingverfahren gegen China eingeleitet werden kann“, sagte Altmaier am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. Es sei ein fairer Wettbewerb auf dem Weltmarkt um die Produktion von Solarpanelen notwendig. Wenn es Hinweise auf Wettbewerbsverzerrungen gebe, werde er entsprechende Maßnahmen unterstützen, sagte Altmaier am Freitag bei einem Besuch in Magdeburg. Zugleich stellte er klar: „Es entscheidet nicht die deutsche Politik, ob ein solches Verfahren eingeleitet wird oder nicht.“
Nicht Berlin entscheidet, sondern Brüssel
Damit trifft Altmaier den Kern der Sache. Denn ob Antidumping-Maßnahmen gegen China erlassen werden, darüber hat allein die EU-Kommission zu entscheiden. Dieser und nicht der Bundesregierung soll einen Petition der europäischen Solarzellen- und Solarmodulhersteller vorgelegt werden, die ein weiteres Dahinsiechen der deutschen Solarindustrie verhindern soll. Der Markt leidet unter Überproduktion, Preisdruck und sinkenden Subventionen.
Seit Ende vergangenen Jahres häufen sich die Pleiten. Auch der frühere Marktführer Q-Cells musste Insolvenz anmelden, zuletzt erreichte die Pleitewelle mit dem Maschinenbauer Centrotherm auch die Zulieferer.
Bild: dpaWer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis....
Bild: dpaCENTROTHERM
Profil: Hersteller kompletter Fabriken für die Solarindustrie
Umsatz 2011: 699 Millionen Euro
Verlust: 15,9 Millionen Euro
Nettoliquidität: 6,23 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –134,8 Millionen EuroStärken
– klare Ausrichtung auf asiatische Wachstumsmärkte
– breite Technologiebasis auf fast allen Stufen der Wertschöpfung
– sehr individuelle KundenlösungenSchwächen
– starke Abhängigkeit vom Solargeschäft, unzureichende DiversifizierungPrognose: internationale Klasse
Bild: PresseMANZ
Profil: Anlagenbauer für die Herstellung von Solarzellen und -modulen
Umsatz 2011: 241 Millionen Euro
Gewinn: 0,86 Millionen Euro
Nettoschulden: 17,5 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –42,8 Millionen EuroStärken
– überdurchschnittliche Innovationskraft
– Kundennähe durch Fertigung an kostengünstigen asiatischen Standorten
– Risikominimierung durch Standbein im FlachbildschirmgeschäftSchwächen
– geringe Standardisierung, teure maßgeschneiderte KundenlösungenPrognose: internationale Klasse
Bild: dpaSMA
Profil: Hersteller von Wechselrichtern mit großem Weltmarktanteil
Umsatz 2011: 1,67 Milliarden Euro
Gewinn: 166 Millionen Euro
Nettoliquidität: 346,25 Millionen Euro
Free Cash-Flow: 104,66 Millionen EuroStärken
– Markt- und Qualitätsführerschaft
– auf unterschiedlichste Kundenbedürfnisse ausgerichtetes AngebotSchwächen
– Produkt ist technologisch weitgehend ausgereift und daher leicht kopierbar
– zu teure Produkte für die Wachstumsmärkte in den SchwellenländernPrognose: wettbewerbsstark
Bild: dpaSOLARWORLD
Profil: Konzern mit integrierter Wertschöpfung von der Siliziumproduktion bis zur fertigen Solarstromanlage
Umsatz 2011: 1,05 Milliarden Euro
Verlust: 299,35 Millionen Euro
Nettoschulden: 718,52 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –291 Millionen EuroStärken
– Kapazitäten ermöglichen Skaleneffekte
– solides Netzwerk bei InstallateurenSchwächen
– Kostennachteile durch zu hohe Wertschöpfungstiefe
– unterentwickeltes Kraftwerksgeschäft
– angespannte FinanzlagePrognose: Mittelmaß
Bild: dpaSUNWAYS
Profil: Solarzellenhersteller mit dem chinesischen Großaktionär LDK
Umsatz*: 84 Millionen Euro
Verlust: 11,2 Millionen Euro
Nettoschulden: 36 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –11,7 Millionen EuroStärken
– Aussicht auf kostengünstigen Einkauf über chinesischen PartnerSchwächen
– kein Alleinstellungsmerkmal
– insgesamt zu kleines Produktionsvolumen für zwei Standorte
– chinesischer Großaktionär befindet sich selbst in der UmstrukturierungsphasePrognose: Mittelmaß
* Umsatzzahlen für Januar bis September 2011
Bild: PressebildALEO SOLAR
Profil: Börsennotierter Modulproduzent im Mehrheitsbesitz des Bosch-Konzerns
Umsatz 2011: 462 Millionen Euro
Verlust: 32,2 Millionen Euro
Nettoschulden: 13,1 Millionen Euro
Free Cash-Flow: – 44,1 Millionen EuroStärken
– direkter Vertrieb mit Ausrichtung auf FachhandelSchwächen
– Produktionsvolumen für Skaleneffekte zu gering
– unklare Internationalisierungsstrategie
– undurchsichtige Strategie mit den Marken aleo und avim (plus Bosch Solar)Prognose: leistungsschwach
Bild: PressebildCENTROSOLAR
Profil: Modulhersteller mit Schwerpunkt auf Dachanlagen
Umsatz 2011: 293 Millionen Euro
Verlust: 16,8 Millionen Euro
Nettoschulden: 68,8 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –28,5 Millionen EuroStärken
– Orientierung auf Endkunden und FachinstallateureSchwächen
– kaum Wachstumsaussichten in den bisherigen Hauptmärkten Italien und Frankreich zu erwarten
– Kooperationsvorteile mit taiwanesischem Partner weitgehend ungenutztPrognose: leistungsschwach
Bild: PressebildCONERGY
Profil: Hersteller schlüsselfertiger Solarsysteme von der Dachanlage bis zum Megawatt-Solarpark
Umsatz 2011: 754 Millionen Euro
Verlust: 162 Millionen Euro
Nettoschulden: 109 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –73,2 Millionen EuroStärken
– langjähriges Branchen-Know-howSchwächen
– Modul- und Gestellproduktion an Hochlohnstandorten
– keine klare Positionierung am Markt
– schwache Eigenkapitalquote, hohe VerschuldungPrognose: Überleben bedroht / leistungsschwach
Bild: dapdPHOENIX SOLAR
Profil: Planer, Erbauer und Betreiber von Fotovoltaik-Großkraftwerken
Umsatz*: 254 Millionen Euro
Verlust: 41 Millionen Euro
Nettoschulden: 11,2 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –27,9 Millionen EuroStärken
– Geschäftsmodell, das geringen Kapitaleinsatz erfordert
– hohe FlexibilitätSchwächen
– fehlendes Alleinstellungsmerkmal
– leicht kopierbares Geschäftsmodell
– fehlende Kapitalstärke für weiteres WachstumPrognose: Überleben bedroht
* Umsatzzahlen für Januar bis September 2011
Wer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis....
Den chinesischen Unternehmen wird vorgeworfen, ihre Produkte mit Hilfe besserer Kreditbedingungen im Land zu Dumpingpreisen auf den Markt zu werfen und so die Konkurrenz zu verdrängen. Vertreter der Branche rüsten sich daher zum Kampf, auch wenn Strafzölle innerhalb der Industrie nicht unumstritten sind. Einer der größten Verfechter der Einfuhrschranken ist Solarworld. Das Photovoltaikunternehmen arbeitet derzeit an der Vorlage einer Antidumpingklage in Brüssel. „Es ist notwendig, dass schnellstmöglich ein Verfahren eröffnet wird, wir bereiten mit zahlreichen Herstellern von Solarprodukten die entsprechende Klage vor“, sagte ein Unternehmenssprecher.
Kritische Masse nicht erreicht
Wann die Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht werden soll, sagte er nicht. Allerdings müssten für solch ein Verfahren hohe Hürden genommen werden. 25 Prozent der europäischen Produzenten müssten hinter einer Klage bei der EU-Kommission stehen. Und genau hier liegt das große Problem von Franz Asbeck - die kritische Masse ist noch längst nicht erreicht. Viele Firmen sind mit chinesischen Partnern verbandelt und halten sich daher zurück. Andere halten Strafzölle schlicht für den falschen Weg.
- Seite 1: Warum Altmaier dem Solarworld-Chef wenig nützt
- Seite 2: Wenig Unterstützung aus der Industrie
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