Strafzolldschungel: Zu viele Schlupflöcher

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Strafzolldschungel: Zu viele Schlupflöcher

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Viele Solarunternehmen haben sich erhofft, dass die Strafzölle die Konkurrenz aus China behindern würde. Die umgeht die Strafzölle

von Mario Brück

Strafzölle auf chinesische Module bringen hiesigen Herstellern wenig. Die Asiaten unterlaufen sie locker. Wie das funktioniert.

Tief im Süden der USA, im Bundesstaat Georgia, 25 Meilen östlich von Atlanta, wächst auf einer ehemaligen Baumwollplantage der Solarpark Simon Solar Farm. Mit knapp 40 Megawatt wird die Anlage bis zum Jahresende nicht nur die leistungsstärkste Sonnenstromfabrik Georgias sein. Die mehr als 100 000 Module auf 64 Hektar sind zugleich das größte Projekt, das der Solarkraftwerksbauer Phoenix Solar aus dem bayrischen Sulzemoos bei Dachau in seiner 14-jährigen Firmengeschichte stemmt.

Die Module für das Monstrum, meldeten die Oberbayern fast beiläufig, stammen von dem chinesischen Hersteller JA Solar.

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Solarzellen aus China für die Vereinigten Staaten? Und das, obwohl die USA seit Oktober vergangenen Jahres gepfefferte Strafzölle und Ausgleichsabgaben auf Solarprodukte aus China erheben: zwischen 18 und 250 Prozent auf Zellen und Module plus 15 Prozent Antisubventionszölle. Wollten die Amerikaner auf diese Weise nicht das ruinöse Preisdumping der Chinesen stoppen und zugleich die einheimische Solarbranche und ausländische Hersteller wie Solarworld aus Bonn schützen, die in den USA produzieren?

Strafzölle ohne Wirkung

Weshalb Phoenix Solar in Georgia trotzdem Module made in China einsetzt, hat einen ebenso einfachen wie ernüchternden Grund. Die Abwehrmaßnahmen gegen die Chinesen bringen offenkundig wenig. Die Erkenntnis ist ein Tiefschlag für Solarworld-Chef Frank Asbeck, der erfolgreich für die Einführung von Strafzöllen zunächst in den USA und dann in Europa gekämpft hat. Anfang Juli musste der angezählte Solarunternehmer sogar konsterniert mitteilen, dass er in seinem Werk im US-Bundesstaat Oregon trotz der Zölle rund 100 Mitarbeiter entlassen werde.

"Die Zölle auf chinesische Module haben den US-Markt kaum beeinträchtigt", resümiert Murray Cameron, Vorstand bei Phoenix Solar und Präsident der US-Tochtergesellschaft. "Die Bestimmungen bieten den Produzenten einige Schlupflöcher." So verwende Phoenix beim Solarpark in Georgia zum Beispiel Module von JA Solar, die zollfrei eingeführt werden könnten. Grund: Die Endmontage erfolge zwar in China, die Solarzellen selbst aber stammen aus Taiwan, fallen also nicht unter die Antidumpingzölle.

Chinesische Werke in Europa

Der Riesenpark von Phoenix Solar in den USA ist ein Menetekel für die EU, die Anfang Juni vorläufige Strafzölle auf China-Module von knapp 12 Prozent verhängt hat und den Satz auf gut 47 Prozent erhöhen will, sofern es bis zum 6. August keinen Kompromiss mit der Regierung in Peking gibt. Denn die Anzeichen, dass die chinesischen Anbieter diese Zollschranken wie bereits in den USA unterlaufen, sind unübersehbar.

So berichtet ein griechischer Branchendienst, dass die chinesischen Solarkonzerne Canadian Solar und Yingli mit Modulherstellern aus Griechenland über die Möglichkeiten einer Auftragsfertigung verhandeln. China Sunergy hat mit türkischen Partnern bereits eine Modulfabrik in der Freihandelszone Istanbul gebaut. Und Jinko Solar zieht derzeit in Portugal ein Werk hoch.

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