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Strom, Öl, Gas: Die Energie-Preisspirale

von Andreas Wildhagen, Jürgen Salz, Martin Seiwert, Rüdiger Kiani-Kreß und Cordula Tutt

Die Preissteigerungen für Strom, Gas und Benzin werden zum ernsten Problem für den Standort Deutschland. Forciert vom Atomausstieg, von zu wenig Wettbewerb unter den Konzernen sowie von unbekümmerten Politikern, nagen die Ausgaben für Energie am Wohlstand breiter Schichten und an der Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen.

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Energiepreis-Schock: Die Preise für Strom, Öl und Gas sind geradezu explodiert Quelle: Getty Images
Energiepreis-Schock: Die Preise für Strom, Öl und Gas sind geradezu explodiert Quelle: Getty Images

Die Transparente waren gemalt. "Wir wollen nicht die Opfer der Energiewende sein", stand auf einem der Plakate, die sich die Belegschaft von E.On in Hannover hatte einfallen lassen. Die Aktivisten der beiden Gewerkschaften Verdi und IG BCE planten Sternmärsche an allen großen Standorten, die der Düsseldorfer Energiekonzern in Deutschland unterhält. Ziel der Arbeiterführer war es, gegen mögliche betriebsbedingte Kündigungen auf die Straße zu gehen. 6000 Stellen will E.On-Chef Johannes Teyssen in Deutschland streichen, sein Kollege Jürgen Großmann vom Essener Wettbewerber RWE sogar 8000. Das weckte Erinnerungen an die Stahl- und Bergarbeiter, die vor einem Vierteljahrhundert mit Großdemonstrationen gegen Zechen- und Werksschließungen Mitleid in der Bevölkerung erregten und die Öffentlichkeit mobilisierten.

Doch die geplante Neuauflage des Massenprotests durch E.On- und RWE-Mitarbeiter vor Weihnachten fällt aus. Derlei solle "tunlichst unterbleiben", heißt es in einem Papier der Gewerkschaften, das der WirtschaftsWoche vorliegt. Denn, so die Begründung: "Mitarbeiter von Energieversorgern können in Zeiten immer teurerer Energie kaum auf Mitgefühl der Öffentlichkeit setzen, sondern müssten sogar eher mit Häme rechnen."

Preistreiber vom Dienst

Warum die Energiepreise steigen
Preistreiber Staat: Einen fetten Teil des Strompreises verantwortet der Staat: 10,30 Euro zahlte 2011 jeder deutsche Haushalt im Monat für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien, dreimal so viel wie 2008. 20 Prozent verlangen die Kommunen bis 2015 mehr für die Durchleitung von Strom auf ihrem Gebiet. Und auch beim Rohöl langt der Fiskus kräftig zu: 90 Cent pro Liter beträgt der Steueranteil am Benzinpreis 2011, 1990 waren es noch 37 Cent.

Quelle: dpa

Drastische Preissteigerungen

Angst vor ätzendem Spott anstelle warmer Empathie, und das bei Tausenden, die um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten? Das ebenso stille wie ungewöhnliche Kalkül der Werktätigen bei E.On und RWE markiert eine neue Eskalationsstufe in einer Entwicklung, die sich zu einem ernsten Problem auswächst – der ungezügelte Anstieg der Energiepreise. Ob Strom oder Sprit, Öl oder Gas, praktisch jede Energieart verteuerte sich in den vergangenen fünf Jahren drastisch und dürfte sich nach Meinung der meisten Experten in naher Zukunft weiter verteuern.

  • Geradezu explosionsartig steigt der Preis für Strom, der seit 2006 um gut ein Drittel nach oben schnellte und allein im kommenden Jahr durchschnittlich um mindestens vier Prozent steigen wird.
  • Der Gaspreis legte im gleichen Zeitraum zwar nur um zehn Prozent zu. Dafür wollen die Versorger bis März 2012 nun gleich acht bis zehn Prozent auf einmal draufschlagen, so viel wie in den vergangenen fünf Jahren insgesamt.
  • Traurige Preisrekorde stellen die Abkömmlinge des Erdöls auf: Heizöl plus 43 Prozent, Benzin plus 30 Prozent, Dieseltreibstoff plus 33 Prozent.

15 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.01.2012, 13:54 UhrAnonymer Benutzer: nicolo

    @feder24

    Und trotzdem hat Deutschland einen Überschuss 2011 im Stromhandel mit dem Ausland erzielt. Es gibt also keinen Grund, deswegen schlaflose Nächte zu haben!

  • 24.12.2011, 21:18 UhrAnonymer Benutzer: Kai

    wir wollen und werden ja weniger verbrauchen und wollen auch den unabdingbaren Energiewandel - doch solange es irgendwo noch preiswerte Energie zu verbrauchen gibt, wollen wir von grünem Spinnkram nix hören.
    Tja - das ist leider objektiv dumm bzw. sehr einfach gestrickt gedacht. Kernkraft verhindert den Wandel. Da hier ja auch Tugenden im Thread angesprochen wurden: Energie muss erst teurer werden damit wir zu sparen beginnen und durch Nachhaltigkeit den Preis langfristig sichern. Eigentlich käme das auch von ganz allein, aber es gibt schon bald einen Punkt, an dem konservative Energie schneller teuer wird als wir Zeit und Ressourcen für einen Wandel haben.
    Warum soll ich heute sparen wo doch in Zukunft alles teurer ist? Aber im Alter plötzlich keine Zeit zum sparen zu haben könnte zur Armut führen....
    Tja, leider prallt Vernetztes Denken von Liberalisten ab - aber auch die Grünen reduzieren sich auf Deutungshoheit.
    Frohe Weihnachten dennoch - unseren Kindern fällt bestimmt mehr ein als uns

  • 23.12.2011, 16:21 Uhrfeder24

    aus Kommentar nicolo/-Zitat:..Das Geld, das für Energieimporte bezahlt werden muss, ist aber ersteinmal weg! ..
    Das stimmt, z.B. für die zeitweilige Leistung von 4000 MW aus Frankreich (= 4 AKW!), um die Grundlast in D sicherzustellen!
    Toller Erfolg der Stilllegung von 50% der AKW-Leistung in D.

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