Stromanbieterpleite: Wie Flexstrom-Kunden ihr Geld retten

Stromanbieterpleite: Wie Flexstrom-Kunden ihr Geld retten

von Andreas Toller

Die Pleite des Stromanbieters Flexstrom betrifft mehr als ein halbe Million Kunden. Damit stehen Kunden mit Vorauskasse-Tarifen nach der Teldafax-Pleite erneut im Regen. Was Betroffene nun tun können.

Manches ist einfach zu schön, um wahr zu sein. Die gilt offenbar auch für Stromtarife von Flexstrom – die laut Werbeslogan schon lange „verboten günstig“ waren. Mit der Mitteilung des Unternehmens am vergangenen Freitag, einen Insolvenzantrag gestellt zu haben, bestätigte sich die seit Monaten bestehende Befürchtung über eine drohende Zahlungsunfähigkeit bei dem Berliner Strom-Discounter. Scheinbar kam Flexstrom mit dem Insolvenzantrag auch einer Maßnahme der Bundesnetzagentur zuvor, die dem Stromhändler das Anbieten von Vorkasse-Tarifen in dieser Woche verbieten wollte. Schon seit August 2012 hatte die Aufsichtsbehörde Flexstrom im Visier und ließ sich über Kundenzahl, Tarifstruktur und angebotene Zahlungsweise berichten. Im Januar hatte die Bundesnetzagentur ein Verfahren gegen Flexstrom eingeleitet und die Staatsanwaltschaft in Berlin eingeschaltet, weil Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Stromdiscounters bestanden. Die Vorkasse-Zahlungen durch die Kunden waren tragendes Element im Geschäftsmodell von Flexstrom, weil sie das Unternehmen mit der nötigen Liquidität versorgten.

Im Voraus bezahlte Beiträge sind perdu

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Für die vielen Kunden von Flexstrom und seinen Tochtergesellschaften Löwenzahn Energie und Optimalgrün, die einen Tarif mit Vorauskasse gewählt haben, ist das bitter: die vorab gezahlten Beträge sind höchstwahrscheinlich verloren. Hätte die Netzagentur früher auf die Medienberichte und zahlreichen Kundenbeschwerden reagiert, hätten viele nun Geschädigte vielleicht gar keinen Vorauskasse-Tarif mehr abschließen können. Kommt es zum regulären Insolvenzverfahren, werden die Gläubiger mit Mitteln aus der Insolvenzmasse abgefunden. In der Regel gibt es dann aber nur einen geringen Anteil der Forderungen zurück, weil die Insolvenzmasse nicht ausreicht.

Nicht nur die Vorauszahlungen, sondern auch die in Aussicht gestellten Bonuszahlungen an Kunden, die nach Ablauf eines Vertragsjahres verrechnet werden sollten, werden nach Einschätzung von Experten kaum zur Auszahlung kommen. Zahlreiche Privatkunden dürften durch die Pleite drei- bis vierstellige Euro-Beträge verlieren. Die Hoffnung auf Strom zum Schnäppchenpreis erweist sich für sie als kostspieliger Bumerang. Lediglich Kunden der Flexstrom-Tochter FlexGas dürfen optimistisch in die Zukunft blicken. Der Schweizer Finanzinvestor AKO Capital will den Gasanbieter übernehmen und unter dem Namen Fairtrade Gas fortführen und weiter ausbauen.

Für alle übrigen Kunden der Flexstrom-Gruppen geht es nun um Schadenbegrenzung. Wie Flexstrom auf seiner Internetseite mitteilt, setzt der Insolvenzverwalter Christoph Schulte-Kaubrügger von White&Case die Geschäfte FlexStrom ohne Einschränkung bis auf weiteres fort. „Der Vertrag läuft weiter“, sagt Fabian Fehrenbach, Energiejurist bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Flexstrom muss also weiter Strom liefern und die Kunden müssen dafür auch ganz regulär zahlen. Der Insolvenzantrag begründet zunächst kein Sonderkündigungsrecht für den Kunden.“ Flexstrom weist auf die Gültigkeit der bestehenden Verträge und die Zahlungspflicht der Kunden auf seiner Homepage daher auch explizit hin -, allerdings ohne die Wörter Insolvenz oder Insolvenzantrag zu erwähnen.

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