Stromengpässe: Versorger ergreifen Notmaßnahmen

Stromengpässe: Versorger ergreifen Notmaßnahmen

Der Atomausstieg, die anhaltende Kältewelle und Gas-Lieferschwierigkeiten bringen die deutschen Stromnetze an die Belastungsgrenze: Nun beugen die vier Netzbetreiber drohenden Stromausfällen mit Notmaßnahmen vor.

Es wird dunkel im deutschen Stromnetz. Um einen Blackout zu verhindern, fahren die vier Stromriesen RWE, E.On, Vattenfall und EnBW ursprünglich stillgelegte Kraftwerke wieder hoch. Diese Maßnahme nennt sich eine Kaltreserve. Kraftwerke oder -blöcke, die als unrentabel galten und vom Netz genommen wurden, werden wieder angezapft, wenn der Strom knapp wird. Diese Reserve entspricht rund 1000 Megawatt bestimmt - das ist in etwa die Leistung eine kleinen Atom- oder eines großen Kohlekraftwerks. Es ist das zweite Mal in diesem Winter, dass die Energieriesen diese Kaltreserve anzapfen, damit im Süden Deutschlands das Licht nicht ausgeht.

Dort kommt schon seit Dezember nicht mehr genügend Saft aus deutschen Anlagen an. Gründe dafür sind:

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  • die Nord-Süd-Trassen der Stromleitungen sind noch unzureichend ausgebaut
  • große Energieverbraucher wie Industriebetriebe benötigen viel Strom
  • Windkraftanlagen müssen wegen starker Stürme abgeschaltet werden
  • in Süddeutschland sind fünf Kraftwerke abgeschaltet worden

Damit bei BMW in München weiter Autos vom Band rollen und es trotzdem auch in kleinen Dörfern noch Strom gibt, hat der Netzbetreiber Tennet bereits im Dezember den staatlichen österreichischen Stromproduzenten Verbund gebeten, zusätzlichen Strom nach Bayern zu leiten. Bis zu 150 Megawatt wurden vorübergehend nach Deutschland geschickt. Da in Frankreich relativ viel mit Strom geheizt wird, ist von den Nachbarn derzeit wenig Hilfe zu erwarten. Grundsätzlich gibt es aber auch zwischen Deutschland und Frankreich ein Geben und Nehmen: So schickt Deutschland Strom nach Frankreich, im Sommer, wenn dort die Flüsse, wie zum Beispiel den französischen Lauf der Mosel, austrocknen. Dann können dort die Atomkraftwerke ihr Kühlwasser nicht mehr im ausreichenden Maß beziehen. Deutschland sprang bisher mit Atomstrom aus eigener Produktion ein.

Seit dem Sommer 2011 sichern sich die Netzbetreiber und Energieversorger gegen solche Ausfälle ab. Denn seit der Energiewende sind acht Kraftwerke vom Netz gegangen, fünf davon allein in Süddeutschland. Damit ist die Reservekapazität der Energieversorger deutlich eingeschränkt.

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