Stromkonzerne: Kommunen sitzen RWE im Nacken

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Stromkonzerne: Kommunen sitzen RWE im Nacken

, aktualisiert 12. Dezember 2014, 16:13 Uhr
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Die Zentrale des Energiekonzerns RWE in Essen. Der Aufsichtsrat des Unternehmens berät heute über den künftigen Kurs.

von Mario Brück

Wettbewerber E.On hat vorgelegt und spaltet sich auf. RWE reagiert auf den veränderten Energiemarkt unter anderem mit einer neuen Dividenden-Politik.

Die Fakten liegen auf dem Tisch: Die Gewinne beim zweitgrößten deutschen Energieversorger sind eingebrochen. In diesem Jahr hat der Stromkonzern aus Essen schon 3600 Vollzeitstellen abgebaut. Ein Geschäftsmodell, das künftig wieder üppige Gewinne bringen könnte, ist nicht in Sicht. Und als wäre der Druck nicht ohnehin groß genug, ist Anfang der vergangenen Woche auch der Branchenprimus E.On vorgeprescht und hat bekannt gegeben, sich aus dem klassischen Geschäft mit Kohle, Gas und Atomstrom zurückzuziehen.

Und nun? Ist ein ähnlich scharfer Schritt auch von RWE zu erwarten? Bisher sieht es danach jedenfalls nicht aus. „Wir haben Überlegungen zu einer Aufspaltung vor zwei Jahren klar verworfen“, sagte Matthias Hartung, Vorstandsvorsitzender von RWE Generation und RWE Power, und erteilte damit dem Modell von E.On eine Absage, ohne den Konkurrenten namentlich zu erwähnen. Hartung sprach vor rund 150 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Kirchen am Montagabend beim Barbara-Empfang auf Schloss Paffendorf.

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Deutsche Energieversorger im Vergleich

  • E.On

    Umsatz im Jahr 2013: 36,8 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 18.518 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 704 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 11 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • RWE

    Umsatz im Jahr 2013: 28,1 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 28.257 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 271 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 6 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • EnBW

    Umsatz im Jahr 2013:20,5 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 13.802 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 128 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 13 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • Vattenfall

    Umsatz im Jahr 2013: 15,3 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 18.352 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 86 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 23 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

Laut Hartung will sich RWE auch über 2030 hinaus mit der Braunkohlenverstromung beschäftigen. Die Braunkohle sei Garant für die Versorgungssicherheit und die Bezahlbarkeit des Stroms in Deutschland. Auf der anderen Seite steht da noch die Energiewende, die die Kraftwerke von RWE immer mehr in den Leerlauf drängen. Durch den Ausbau der erneuerbare Energien, die Vorrang im deutschen Stromnetz genießen, werden die konventionellen Kraftwerke (insbesondere Gaskraftwerke) immer mehr aus dem Markt gedrängt. Fallende Strompreise sind eine Folge und machen dem Konzern zu schaffen.

Nach dem Ausstieg aus der Atomenergie und einem voraussichtlichen Marktanteil der erneuerbaren Energien von 50 Prozent blieben daher nur Kohle- und Gaskraftwerke für „windstille und lichtschwache Zeiten“, so Hartung. Selbst im Jahr 2050 brauche man noch eine Reserve aus konventioneller Energie von 60 Gigawatt, um die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können.

Entsprechend erneuerte Hartung auch die Forderung nach Kapazitätsmärkten, also Entgelten für Kraftwerke, die genau diese Reserve garantieren: „Versorgungssicherheit muss den Preis bekommen, den sie verdient“, sagte Hartung. „Weil unser Land Energiesicherheit braucht, bin ich trotz der Krise für die Zukunft unseres Unternehmens durchaus optimistisch.“

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Dennoch ist die Situation bei RWE genauso prekär wie bei E.On. Auch die Essener schleppen eine Schuldenlast von etwa 30 Milliarden Euro mit sich herum. Das oberste Gebot muss daher lauten: Erst mal weiter sparen. Das dürfte allerdings vor allem die Mitarbeiter treffen. Schon in diesem Jahr hat RWE rund 3600 Vollzeitstellen abgebaut und die Gewerkschaft ver.di fürchtet, das da noch mehr kommt. 

Anpassung der Dividende

Der kriselnde Energiekonzern ändert aber auch die Berechnung der Dividende. Künftig soll auch die hohe Schuldenlast und der Finanzbedarf für neue Investitionen berücksichtigt werden. Der Dividendenvorschlag werde sich an den operativen Mittelzuflüssen, der Verschuldungssituation und der Ertragslage orientieren, teilte der Konzern mit. Bisher wird die Dividende allein nach dem um Sonderposten bereinigten nachhaltigen Nettoergebnis berechnet.

Für 2013 hatte RWE damit einen Euro pro Aktie ausgeschüttet - nach Ansicht von Kritikern zu viel angesichts von rund 31 Milliarden Euro Schulden und stark zusammengekürzter Investitionen in Zukunftsprojekte. Der Beschluss bedeute keine Festlegung, auch für 2014 einen Euro pro Aktie zu zahlen, sagte eine Sprecherin.

Die Entscheidung trifft nicht nur den kleinen und großen Einzelaktionär, sondern auch viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Sie sind mit ihren Haushalten auf die Dividendeneinnahmen angewiesen - und werden dem Konzern deshalb im Nacken sitzen, sobald es konkret um Kürzungen geht.

Mit Material von dpa

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