Stromnetze: Keine Angst vor Sonne und Wind

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Stromnetze: Keine Angst vor Sonne und Wind

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380 kV-Leitung und Windräder, Nachtaufnahme westlich von Berlin an der Autobahn A10.

von Christian Schlesiger

Durch die Leitungen des Stromnetzbetreibers 50Hertz fließt so viel Strom aus erneuerbaren Energien wie nirgends auf der Welt. Selbst das Management ist verblüfft, dass das geht.

Boris Schucht ist Ingenieur und mit seinem Sinn für das technisch Machbare von Hause aus Realist. Doch manchmal wird auch der Chef des Stromnetzbetreibers 50Hertz von den Gesetzmäßigkeiten der Physik überrascht. 37 Prozent des Stromes, dass das Unternehmen im vergangenen durch seine Leitungen schleuste, stammte aus Sonnen-, Wind- und Biomasseenergie "Vor 15 Jahren", sagt Schucht, "hätte ich einen so hohen Anteil erneuerbarer Energien technisch für unmöglich gehalten, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden." Doch heute weiß er: es geht. Und zwar weitestgehend ohne Probleme.

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50Hertz ist mit 10.000 Kilometer Leitungen der viertgrößte Stromnetzbetreiber in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin hat etwa Offshore-Projekte in der Ostsee an das Stromnetz angeschlossen. Gleichzeitig überträgt es vor allem Windenergie aus dem Osten und Norden. Nirgends auf der Welt gebe es Regionen mit einem vergleichbar hohen Anteil regenerativer Energien im Netz. "Es gibt viele Länder auf der Welt, die sich das bei uns ansehen", sagte Schucht auf der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens in Berlin. Die Steuerung sei nicht einfach, aber machbar. Das Netz arbeite stabil. Zwar mussten seine Mitarbeiter im vergangenen Jahr 140 Mal in das Netz eingreifen, damit überschüssige Energie aus Sonne, Wind und Biomasse nicht zu Blackouts führten. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 30 Prozent. In den Jahren 2009 und 2010 musste 50Hertz sogar weniger als 20 Mal eingreifen. Doch die Entwicklung sei "keineswegs besorgniserregend", so Schucht. "Die Kappung der Lastspitzen befindet sich in einem volkswirtschaftlich akzeptablem Rahmen."

Dennoch warnt der Energiemanager vor einem zu schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien. Steigt der Anteil von Sonne, Wind und Biomasse weiter wir bisher, sei in den kommenden Jahren die Hilfe von Stromspeichern notwendig. Derzeit fehlen sie noch.

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Zudem habe es 2013 zumindest einen "dramatischen Prognosefehler" gegeben, der das Netz offenbar an den Rand eines Stromausfalls führte. Im April vergangenen Jahres wurden für drei Tage Sonne vorhergesagt und damit eine hohe Produktion von Sonnenstrom. Doch wegen zähem Hochnebel verschätzten sich die Experten um ein Volumen von 8800 Megawatt. Während am Mittwoch und Donnerstag der fehlende Strom aus anderen Regionen Deutschlands hergeholt werden konnte, brauchte 50Hertz am Freitag 1100 Megawatt Strom aus Polen. "Das europäische System hat uns gerettet", sagt Schucht. Künftig ließen sich solche Störfälle losen, wenn man Wetterprognose und Technik verbessern würde.

Schucht begrüßt daher das Vorgehen der Bundesregierung, das Tempo beim Ausbau der regenerativen Energien zu drosseln. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel habe alle wichtigen Aufgabe adressiert.

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