Strompanne: Ein Blackout könnte so romantisch sein

ThemaEnergiewende

Strompanne: Ein Blackout könnte so romantisch sein

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Stockbrot und Ravioli im Wohnzimmer bei Stromausfall, Blackout

von Thorsten Firlus

Grillen, Kerzenschein und Bücherabend – ein Blackout könnte so romantisch sein. Wenn man genug Zeit hätte, sich darauf vorzubereiten.

Die Katastrophe haben wir komfortabel terminiert. Pfingstsamstag, 13 Uhr. Dauer: ein Tag. Wie ist denn das so, ohne Strom? Einen Tag schalten wir ab. Fernseher, Computer, ISDN-Anlage. Wäsche bleibt im Sack, Bügeln fällt flach (hurra!). Ist ein Blackout wirklich so schlimm? Macht er nicht sogar Spaß? Mit Kerzenschein und Grillwurst? Spaziergang und Brettspiel statt Zugfahrt und Fernseh-Unterhaltung? Ein fast willkommenes Abenteuer in einer Welt, die durch und durch elektrifiziert ist?

In der Theorie klingt so ein Tag ohne Strom schön. Und wer würde schon behaupten wollen, dass es für einen Tag, vielleicht sogar noch ein paar Stunden länger, nicht ohne all die elektrischen Helferlein geht? Dass Stromausfälle in Deutschland eine Seltenheit sind und die Versorgung verlässlich, vergisst man gerne. Erinnert wird man vielleicht noch bei schweren Gewittern, wenn die örtlichen Stromnetze ausfallen. Dann sitzt man im Dunkeln, hofft, dass die Telefonanlage keinen irreparablen Schaden davongetragen hat, zündet Kerzen an und wartet auf dem Sofa, bis der Strom zurückkehrt. Irgendwann tut er das ja.

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In seltenen Fällen dauert es ein wenig. Wie 2005 als im November im Münsterland unter der Last von Schnee Hochspannungsmasten einknickten und ganze Dörfer für mehrere Tage auf den Saft aus der Dose verzichten mussten.

Wir begnügen uns – das ist der Plan – mit 24 Stunden, ich gehe beherzt zum Sicherungskasten und lege die Schalter 1 bis 15 um von Licht über Kühlschrank bis Stereoanlage. Bis auf Nummer 12. Daran hängt der Gefrierschrank. Die eingefrorenen Vorräte an selbst gemachten Nudeln, Fonds und Grünkohl zu opfern für die Simulation – das Risiko ist mir zu groß. Denn keiner konnte mir sagen, ob das Haushaltsgerät ähnlich gut isoliert ist, wie die Kühlhäuser der Industrie, die gerade mal um einen Grad Celsius wärmer werden, wenn sie für 24 Stunden nicht gekühlt werden.

"Papa, das war 'ne blöde Idee"

Die erste halbe Stunde läuft super. Das Wetter spielt mit, meinen zwei Söhnen habe ich die häusliche Recherche erfolgreich als Abenteuer in den eigenen vier Wänden verkauft, mit Aussicht auf Grillen und Stockbrot. Der Jubel ebbt ab, als ihnen klar wird, dass weder Fernseher, Computer noch der Nintendo DS mit Strom versorgt werden: „Papa, das war ’ne blöde Idee.“ Zum Glück sind die Akkus noch zu gut zwei Drittel voll. Skeptisch planen die Jungs, wie die Zeit eingeteilt werden soll, damit auch mal ein Spielchen möglich ist.

Da, so will es das fiktive Szenario, nicht nur unsere Wohnung, das Haus, sondern der ganze Ort ohne Strom dasteht, fällt der Gang zum Supermarkt flach. Selbst wenn er dank eines Aggregats geöffnet wäre, ich könnte nicht bezahlen, das Bargeld ist knapp, der Geldautomat abgeschaltet. Wer kann, steigt in so einer Situation ins Auto und fährt zu Mutti, die hoffentlich Strom hat. Ich nicht. Vergessen zu tanken. Mir schwant, dass die Bewegungsfreiheit schnell eingeschränkt ist.

Nicht so sehr, dass man nicht einen Spaziergang zum örtlichen Bauern machen kann, um ihm mit den letzten Münzen ein paar Erdbeeren abzukaufen. Heute soll es, wenn schon nicht Kuchen, dann wenigstens Sahne dazu geben, die sich im Kühlschrank schon ein wenig erwärmt hat.

Handarbeit statt Motorkraft

Schlagartig fühle ich mich in meine Kindheit zurückversetzt, als meine Oma stur an ihrem mechanischen Handmixer festhielt und ich bei Besuchen dieses Gerät mit Kurbel bedienen durfte. Mutter hatte natürlich einen elektrischen, wie auch ich heute. Jetzt hätte ich Omas Mixer gerne, denn die Variante Schneebesen in Rührschüssel ersetzt eine lockere Einheit Trizepstraining. Von Hand dauert es vier Minuten und 34 Sekunden. „Nicht schlecht für einen alten Mann“, sagt meine Liebste. Wer keinen Strom hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Der Krisenstab plant: Was tun, bevor es dunkel wird? Im Keller üben wir in der Dunkelheit mit einer Kerze als Suchlicht. Und finden zwei Akku-Strahler für mein Fahrrad. Beide sind zum Glück aufgeladen, zwei Stunden Licht gefunden! Die Hoffnung, einen Campingkocher oder die Kurbeltaschenlampe aufzutreiben, verglimmt wie der Glühfaden einer altersschwachen Birne.

Noch eine Niederlage der Neuzeit: Wegen Batterielampen hat keines der Fahrräder mehr einen einfachen Dynamo. Sonst hätte man eines auf den Rennradtrainer stellen können und nachts so Licht erstrampeln können.

Verschlungene Pfade finden für die Lösung von leichten Problemen, das ist die Maxime in der inzwischen drei Stunden andauernden Strompause. Improvisation weckt Fantasie, und zwei Jungs zwischen acht und elf Jahren können all die Erfindungen von Daniel Düsentrieb und die Fähigkeiten legendärer Pokemons zu handfesten Tipps von absoluter Undurchführbarkeit zusammenmengen.

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