Strompreise: Neue Kostenschocks schrecken Verbraucher

Strompreise: Neue Kostenschocks schrecken Verbraucher

, aktualisiert 20. August 2015, 11:17 Uhr
von Dieter Dürand

Es ist wie verhext: Ob die Sonne scheint, der Wind bläst oder alte Kraftwerke vom Netz gehen - die privaten Stromkunden zahlen immer drauf. Ein Überblick über den Irrsinn als Methode.

„Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran“ sang die Düsseldorf-Wuppertaler Punkband Fehlfarben Anfang der 80iger Jahre in ihrem Hit „Ein Jahr“ auf dem Höhepunkt der Neuen Deutschen Welle. Aus heutiger Sicht könnte der Refrain das vorweg genommene Motto der deutschen Energiewende sein: dieses weltweit einmaligen Gewaltmarschs raus aus der Atomkraft und ganz schnell rein ins Zeitalter der erneuerbaren Energiequellen.

Nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima beschloss der Bundestag Ende Juni 2011 hastig, 2022 das letzte deutsche Kernkraftwerk still zu legen und Strom künftig vor allem mit Hilfe von Sonne und Wind zu produzieren. Einen in sich konsistenten und schlüssigen Masterplan für den weit reichenden Umstieg indes blieben Bund und Länder schuldig. Stattdessen flick schustern sie fleißig vor sich hin – und laden die immensen Umbaukosten vor allem bei den privaten Stromkunden ab.

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Und denen ist auch jetzt, gut vier Jahre später, keine Atempause gegönnt. Im Gegenteil: Neue beunruhigende Meldungen schrecken sie auf.

So setzte sich der Strompreis 2014 zusammen

  • Gesamt

    Rund 15,31 Cent pro kWh

  • Mehrwertsteuer 19 Prozent

    4,70 Cent pro kWh

  • Durchschnittliche Konzessionsabgabe

    1,79 Cent pro kWh

  • Stromsteuer

    2,05 Cent pro kWh

  • EEG-Umlage

    Noch 6,24 Cent pro kWh, ab 2015 wohl um die 6 Cent pro kWh

  • KWK-Aufschlag

    0,178 Cent pro kWh

  • StromNEV-Umlage

    0,092 Cent pro kWh

  • Offshore-Haftungsumlage

    0,250 Cent pro kWh

  • Umlage für abschaltbare Lasten

    0,09 Cent pro kWh

So bescherte ein stabiles Hoch Deutschland in der ersten Augusthälfte zu manchen Stunden weit mehr Solarstrom als einkalkuliert. Weil die überschüssigen Mengen wegen Leitungsengpässen nicht ins Ausland abfließen konnten, mussten Kohlekraftwerke ihre Leistung drosseln. Die Netzbetreiber nahmen ihnen weniger Elektrizität als vereinbart ab und entschädigten die Energieversorger dafür.

„Über den Daumen hat uns die Hitzewelle schon 25 Millionen Euro gekostet“, schätzt Dirk Biermann, Geschäftsführer Systembetrieb bei 50Hertz. Das Unternehmen steuert die großen Stromübertragungsnetze im Nordosten der Republik. Das Geld holt es sich über die Netzentgelte bei den Stromkunden zurück.

Hohe Stromrechnung

Die müssen auch zahlen, wenn die Netzbetreiber Windräder abstellen, weil deren Elektronen die Trassen gefährlich verstopfen. Um den Einnahmeausfall auszugleichen, überwiesen die Verbraucher vergangenes Jahr nach Presseberichten mehr als 100 Millionen Euro an die Anlagenbesitzer – ebenfalls über die Netzentgelte.

Durchschnittliche monatliche Stromrechnung für einen Haushalt in Euro im Zeitraum 1998 - 2015. (zum Vergrößern bitte anklicken) Quelle: Bundesverband der  Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW)

Durchschnittliche monatliche Stromrechnung für einen Haushalt in Euro im Zeitraum 1998 - 2015. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW)

Zahlungen wie diese schlagen sich zwar oft nur mit wenigen Cent in der Stromrechnung nieder. Doch in der Summe haben sie dazu geführt, dass klassische Stromkunden mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden (kWh) heute monatlich rund 84 Euro zahlen gegenüber knapp 50 Euro 1998 (siehe Grafik). Ein Plus von 68 Prozent, besagen die Zahlen des Bundesverbands Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Die eigentliche Stromproduktion hat sich dabei in diesem Zeitraum nur um sechs Prozent verteuert. Preistreiber sind Zwangsabgaben, Steuern und Umlagen, die um satte 267 Prozent stiegen. Allen voran die Vergütungen nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), die den Betreibern von Fotovoltaikanlagen und Windrädern 20 Jahre lang feste Einnahmen für jede Kilowattstunde garantieren. Die Förderzusagen addierten sich von 2002 bis 2014 nach Angaben der Bundesregierung auf rund 143 Milliarden Euro; dieses Jahr kommen nach Schätzungen weitere 20 Milliarden hinzu.

Zwar ist die EEG-Umlage je kWh zuletzt leicht gesunken – von 6,24 auf 6.17 Cent –, weil die Bundesregierung die Fördersätze kräftig gekürzt hat, und sie auch in Zukunft mit dem Ausbau von Wind- und Sonnenenergie weiter sinken. Doch im Gegenzug haben sich Kanzlerin Angela Merkel und ihr Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel neue preistreibende Maßnahmen ausgedacht, um Fehlsteuerungen im System entgegen zu wirken. Die Folge: Die Energiewende wird immer teurer.

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