Stromversorger: EnBW-Chef vor vielen Fragen

KommentarStromversorger: EnBW-Chef vor vielen Fragen

von Andreas Wildhagen

Der erst seit etwas über einem Jahr amtierende Chef des baden-württembergischen Stromversorgers hält an einem Vorstandskollegen fest, gegen den sein Unternehmen klagt. Warum?

Die Frage kann nur einer beantworten: Frank Mastiaux selber, der eigentlich mit der teilweise dubios wirkenden Vergangenheit von EnBW nichts zu tun hat. Angeblich soll der württembergische Versorger in eine Schmiergeldaffäre in Russland involviert sein. 130 Millionen Euro haben die damaligen Vorstände, Vorgänger von Mastiaux, an den russischen Lobbyisten Andrej Bykow gezahlt, damit dieser für das Energieunternehmen Uran besorge beziehungsweise auch entsorge. In vielen Militärbeständen Russlands gibt es noch ungenutzte Uran-Brennstäbe, zum Beispiel von Atom-U-Booten, die weiterverkauft werden können. Doch nach Ansicht von EnBW hatte sich Bykow um dieses Geschäft für die überwiesenen Millionen nicht gekümmert und forderte die Summe vor zwei Jahren zurück.

Damit wurde ein Fass aufgemacht, unter dessen Folgen der Konzern noch heute leidet. Denn Bykow argumentierte, die Millionen seien für das diskrete Anbahnen von Gasgeschäften, Bohr- und Förderrechten, aus der Karlsruher Konzernzentrale gezahlt worden. Dieses Geld hat er für Kulturförderung und die russische St. Nikolaus-Stiftung ausgegeben. Das aber erweckt nach deutschem Recht den Anschein der Korruption. Die Staatsanwälte ermitteln im Umfeld der EnBW.

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Involviert in die Verträge mit Bykow soll der Technikvorstand Hans-Josef Zimmer gewesen sein. EnBW verklagt Zimmer auf 87,5 Millionen Euro Schadensersatz. Warum Zimmer noch immer Vorstandsmitglied bei EnBW ist? Diese Frage betrifft nun Frank Mastiaux, den Unschuldigen. Kurz nach dem Aufkommen der Bykow-Affäre war Zimmer zunächst als Vorstand zurückgetreten, später aber von Mastiaux-Vorgängern wieder ins Amt berufen worden. Welche Ausführungen wird Mastiaux dazu bieten, wenn wer von den EnBW-Aktionären dazu befragt wird? Zur einen Hälfte gehört EnBW dem Land-Baden-Württemberg, zur anderen Hälfte den oberschwäbischen Kommunalverbänden. Beide können nicht daran interessiert sein, dass sich ein staatlicher Stromkonzern in einem solchen Dickicht verheddert.

Mastiaux hat sich aber eine klare Rückzugs-Argumentation zurecht gelegt, falls er auf die denkwürdige Duldung von Zimmermann im Vorstand angesprochen werden sollte: Der Aufsichtsrat war es, der Zimmer wieder in Amt und Vorstandswürden brachte, im Dezember 2011. Und bei einer solchen Aufsichtsratsentscheidung, so die Linie Mastiaux nach Aussagen von Konzerninsidern, ist auch ein Vorstandschef machtlos.

Das mag sein. Offensichtlich ist aber auch: Mastiaux scheint in der Causa Bykow ein Gefangener seines Aufsichtsrats zu sein.

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