
Das hatte sich die Bundesregierung schön ausgedacht, als sie noch vor der Kernschmelze im japanischen Atommeiler Fukushima im März vergangenen Jahres ihr Energiekonzept vorstellte: Im Jahr 2020 sollen sich danach Windräder mit einer Leistung von 10.000 Megawatt (MW) in Nord- und Ostsee drehen; zehn Jahre später soll die Erzeugungskapazität sogar 25.000 MW erreichen. Die installierte Meeres-Windstrom-Leistung überträfe dann die Leistung der einst 17 deutschen Atomkraftwerke um rund 5000 Megawatt.
So wird es nicht kommen. Das haben die Offshore-Experten von wind:research anhand des Projektstatus der geplanten Meeres-Windparks ausgerechnet. Im wahrscheinlichsten Fall fehlen 2020 rund 3000 MW. Bis 2030 verdoppelt sich die Lücke auf 6000 MW.

Im schlimmsten Fall sind 2020 gerade einmal rund 3000 Megawatt auf See installiert – und es kommt bis 2030 kein einziges neues Windrad hinzu. Dann würde eine Lücke von mehr als 20.000 MW klaffen. „Das Risiko ist nicht zu unterschätzen“, sagt wind:research-Geschäftsführer Dirk Briese.
Tritt das Worst-Case-Szenario ein, droht dem Energiekonzept der Bundesregierung ein Desaster. Denn ohne den Strom vom Meer kann die weitgehende Elektrizitätsversorgung Deutschlands aus erneuerbaren Quellen nicht gelingen. In den Szenarien des Sachverständigenrats für Umweltfragen beruht die Stromerzeugung in Deutschland 2050 überwiegend auf Offshore-Windenergie – ihr Anteil macht je nach Szenario bis zur Hälfte aus. Aber auch wenn nur 6000 MW fehlen, gerät die Sicherheit der Energieversorgung in Gefahr. Zumindest müssen dann andere Energieträger in die Bresche springen.
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