Südamerika: Der Wert des Waldes

Südamerika: Der Wert des Waldes

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Brasilianische Ureinwohner sollen in die Rettung der Waldschutzgebiete einbezogen werden

von Alexander Busch

Eine private Stiftung bezieht die Ureinwohner in die Rettung des Regenwaldes mit ein - und ist erfolgreich damit.

Gouverneur Braga hat der privaten „Stiftung für einen nachhaltigen Amazonas“ (Fundação Amazonas Sustentável) die Aufgabe übertragen, 34 Waldschutzgebiete zu sichern. Als Sponsoren treten private Unternehmen wie die Hotelkette Marriott, Coca-Cola und die brasilianische Großbank Bradesco auf. Aus den Zinsen des Fonds wird die Bevölkerung dafür bezahlt, dass sie den Wald stehen lässt.

Der 49-jährige Gouverneur Braga hat als einer der ersten Amtsinhaber in Manaus erkannt, dass er sich mit einer erfolgreichen Amazonas-Politik auch international einen Namen machen kann. Als moderner Regenwaldschützer. Das ist mehr als ein Generationssprung zu seinen Vorgängern: Immerhin konnte sich Gilberto Mestrinho dreimal zum Gouverneur, einmal zum Bürgermeister von Manaus und später als Senator wählen lassen mit dem Versprechen, dass er jedem Amazonas-Bewohner eine Motorsäge schenken würde. Damit die Amazonas-Projekte auch nach Ende seiner Amtszeit weiterlaufen und nicht von einem politischen Gegner gestoppt werden, hat Braga den Regenwaldschutz vorsichtshalber in einer Stiftung ausgelagert.

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Mikrokredite für Ureinwohner sollen Regenwald schützen

Bereits vor sechs Jahren, kurz nach Beginn seiner ersten Amtszeit, hat Braga begonnen, die Bevölkerung in den Regenwaldschutz einzubeziehen. Denn sie ist das schwächste Glied in der Kette bei der Regenwaldrettung: die Ribeirinhos, also die – wörtlich übersetzt – Uferbewohner. Denn anders als die Indianer werden sie, die Ärmsten der Armen am Amazonas, nicht per Gesetz geschützt oder gefördert. Doch sie sind die überwältigende Mehrheit: Mehr als 20 Millionen von ihnen leben am Amazonas, gegenüber schätzungsweise 400 000 Indios in der ganzen Region.

In mehreren ausgeklügelten Subventionsprojekten – führend ist die „Bolsa Floresta“, also ein „Waldstipendium“ – werden die Familien dafür bezahlt und unterstützt, wenn sie den Regenwald auf ihren Grundstücken nicht abholzen. Die Gemeinschaften müssen sich zusammenraufen. Denn zehn Prozent der Gelder bekommen sie nur, wenn die kontrollierende Gemeinschaft sich auf einen Verwendungszweck einigt und die Waldziele einhält – das haben Virgilio und Braga von den Mikrokreditprojekten abgeschaut, wo der Gruppenzwang das Kreditrisiko senkt. In Schulen wird Fernunterricht über Internetanschluss installiert. Unter anderem bekommen Mütter als Familienvorstand jeden Monat 50 Reais, also rund 20 Euro, auf ein Konto überwiesen, wenn auf ihrem Grundstück keine Bäume gefällt werden.

Kritiker loben das Projekt

Das ist viel Geld in einer Gegend, wo nicht Geld, sondern Benzin in 1,5-Liter-PET-Flaschen abgefüllt die liquideste Währung ist, weil man nur damit zum nächsten Dorf kommt.

Auch kritische Experten loben den Ansatz: Der von Holzmafias bedrohte Pater Antonio Ramiro hält den Ansatz der Stiftung für intelligenter als alles, was die letzten Jahrzehnte ausprobiert wurde. „Denn erstmals werden die Menschen am Amazonas einbezogen.“ Auch Marcelo Furtado, Greenpeace-Chef Brasiliens, findet das Modell überzeugend: „Mit der Sozialhilfe gegen geschützten Wald bekommt die Bevölkerung erstmals das Gefühl dafür, dass der Wald einen Wert besitzt – und nicht nur die gefällten Bäume.“

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