Tailored Blancs: ThyssenKrupp trennt sich von einem alten Hoffnungsträger

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Tailored Blancs: ThyssenKrupp trennt sich von einem alten Hoffnungsträger

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„Tailored Blancs - das Werk für maßgeschneiderte Autokarosserien war einmal das Zukunftsfeld für Flachstahlhersteller, die ihre Kunden vor allem in der Autoindustrie sahen.

von Andreas Wildhagen

ThyssenKrupp will sich wohl von Tailored Blancs trennen. Maßgeschneiderte, lasergeschweißte Bleche für die Automobilwirtschaft waren einmal der letzte Schrei – vor zehn Jahren.

Keine Ideen mehr bei ThyssenKrupp ? Dass auch die Geschäfte der Schwerindustrie kurzlebig sein können, zeigt das Beispiel „Tailored Blancs“, ein Geschäftsbereich, auf den ThyssenKrupp gleich nach der Fusion 1999 mächtig stolz war. Das Werk für maßgeschneiderte Autokarosserien war einmal das Zukunftsfeld für Flachstahlhersteller, die ihre Kunden vor allem in der Autoindustrie sahen. So baute ThyssenKrupp 2000 ein Werk in Wolfsburg und eine Produktion in Duisburg auf. Der Stahlhersteller wollte zeigen, dass Stahl ein High-Tech-Werkstoff ist, und High-Tech musste in einer Welt des Internets und der New Economy sein. Stahlhersteller wollten nicht mehr grobe Eisen-Schmelzer sein, sondern technische Trendsetter.  

Tailored Blancs heute? Es macht die Nachricht die Runde, dass ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger den Geschäftsbereich der lasergeschweißten Autobleche an die Chinesen verkaufen will. Der fünftgrößte Stahlhersteller der Welt, Wisco aus Wuhan, soll interessiert sein. Ein einstiger Ingenieursknüller wird nach Fernost verscherbelt, und das wenige Tage nach dem hoffnungsfrohen Auftritt von Hiesinger beim großen Ingenieurs-Nachwuchs-Rummel von ThyssenKrupp, Ideen-Park genannt.

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Bei Tailored Blancs sind ThyssenKrupp inzwischen die Ideen ausgegangen. Der Konzern traut sich nicht mehr zu, das Geschäft in Eigenregie wieder nach vorn zu bringen. So landete Tailored Blancs auf der Verkaufsliste. Heutzutage werden Tailored Blancs nur noch in Schwellenländern verwendet, in Westeuropa sind hochfeste und vor allem leichte Monobleche en vogue. Der neueste VW-Golf braucht zum Beispiel keine Tailored Blancs mehr.

Die neuesten Produktionsmethoden der Stahlumformung sind zwar nicht so flüchtig wie die Sommermode, aber aus der rückblickenden Sicht von 2012 zeigt sich ein rapider Wandel, der schnell einen ganzen Geschäftsbereich ins Abseits manövrieren kann. Die noch 2001 als „Wachstumssegment“ deklarierte Produktion von Karosserieteilen bei ThyssenKrupp hatte 2005 einen Marktanteil an maßgeschneiderten Feinblechen in Europa von 35 Prozent. Der Unternehmensteil hieß noch „Thyssen Fügetechnik Nord GmbH“, so würde der Konzern seine innovativste Tochter auch nicht mehr nennen. Auch hier haben sich die Zeiten geändert.

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Das Werk, auf Ansinnen des VW-Vorstandes als verlängerte Werkbank für Volkswagen konzipiert, war in Sichtweite des VW-Werks im Wolfsburger Gewerbegebiet Vogelsang in Betrieb gegangen. Der damalige Stahlchef Kohler äußerte sich euphorisch. „Das sind die Innovationen, die in unseren Entwicklungsabteilungen konzipiert werden“. Das war auch 2001. 

Der rapide Wandel auf dem Stahlsektor zeigt, dass Hütteningenieure mit Herzblut und Ingenieurs-Ideen die etwas schlechteren Stahl-Topmanager sind. Der kühle Blick auf die Zukunft einer verblassten Innovation hilft da, sich schneller zu trennen. ThyssenKrupp-Chef Hiesinger ist immerhin Ingenieur, aber für Elektrotechnik. Und da blinkt die rote Lampe schneller für Geschäfte ohne Zukunft.

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