Tennet: Am längeren Kabel

Der Netzbetreiber wird zum Sündenbock der Probleme mit den Windparks auf hoher See. Trotzdem stehen die Niederländer am Ende wohl als Gewinner da.

Die Mauern der alten Hapag-Hallen in Cuxhaven haben schon so manche Verzweiflung gesehen: Auswanderer, die alle Brücken hinter sich abbrechen wollen, doch zuvor Fragen penibler Beamten beantworten müssen, um dann mit einem Schiff der deutschen Traditionsreederei gen Amerika abzudampfen.

Das historische Gebäude im wilhelminischen Stil ist zwar längst zur Veranstaltungshalle umgebaut. Doch ein Hauch von Verzweiflung liegt auch heute Abend wieder in der Luft – und die Hoffnung, dass alles einmal besser wird. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) ist gekommen, um sich von Bürgern, Unternehmern und Honoratioren mit Fragen zuballern zu lassen.

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„Strommasten und Leitungen sollen dort gebaut werden, wo sie Mensch und Natur am wenigsten stören“, beruhigt der Christdemokrat das Plenum. Und Planungszeiten, verspricht er, sollen reduziert sowie Investoren ins Land gelockt werden. Sie sollen endlich die Windparks auf hoher See mit dem Festland und den Industrierevieren im Süden Deutschlands verbinden.

Infografik Die wichtigsten Windparkprojekte vor Deutschlands Küsten

Offshore-Windkraft ist ein zentrales Element der Energiewende. Unsere Infografik zeigt die wichtigsten Windparkprojekte in Nord- und Ostsee und wie es um sie steht.

Windkraftprojekte in der Nordsee (Ausschnitt)

Doch derjenige, gegen den sich der Zorn der meisten Anwesenden richtet, ist bei Altmaiers Auftritt nicht dabei. „Die Energiewende darf nicht an der fehlenden Investitionskraft eines Unternehmens scheitern“, schimpft ein aufgebrachter Diskussionsteilnehmer.

Gemeint ist der niederländische Stromnetzbetreiber Tennet, der umso mehr in die Rolle des Schwarzen Peters rutscht, je länger die Energiewende vor sich hin stottert. Zu 100 Prozent in staatlicher Hand, übernahm Tennet vor drei Jahren das 10 700 Kilometer lange Stromnetz des Düsseldorfer Energiekonzerns E.On. Nun soll das Unternehmen schuld daran sein, dass die Windparks auf hoher See nicht verkabelt werden und deswegen nicht wie erhofft sauberer Strom fließt.

Tennet – ein taktierender Sünder oder nur ein willkommener Sündenbock? Die Antwort fällt eher zuungunsten von Tennet aus.

von Berlin nach Rom

Daran ändert auch nichts, dass Tennet-Deutschland-Chef Lex Hartman nun eine neue Karte zückt, die ihm auf den ersten Blick Entlastung verspricht. „Es fehlen an allen Ecken und Enden Ressourcen, zum Beispiel Kabel, die für die vielen Netzanbindungen der Offshore-Windparks nötig sind“, erklärt er gegenüber der WirtschaftsWoche. Viele Kabelfabriken standen in der Vergangenheit leer. Es gibt zu wenig Investoren, die in die Herstellung von Kabeln investieren.

Deshalb sei nicht Tennet schuld, dass sich der Anschluss der Windparks in der Nordsee verzögere. An dem Argument ist einiges dran.

Tatsächlich sind Engpässe bei der Produktion der benötigten Stromleitungen nicht von der Hand zu weisen. In Europa gibt es eine Handvoll Hersteller von Kabeln, die Strom unter Wasser über weite Strecken transportieren können: das französische Unternehmen Nexans, den italienischen Hersteller Prysmian, den schweizerisch-schwedischen Technologiekonzern ABB sowie die Norddeutsche Seekabelwerke mit Sitz in Nordenham. Und diese Hersteller kommen mit der Produktion von Strippen nicht nach. „Der Kabelmarkt ist eng und trägt schon fast monopolartige Züge“, sagt ein E.On-Manager.

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