Tennet-Chef Lex Hartman: "Keiner investiert so in die Energiewende"

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Tennet-Chef Lex Hartman: "Keiner investiert so in die Energiewende"

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Lex Hartman, Geschäftsführer des niederländischen Netzbetreibers Tennet.

von Andreas Wildhagen

Angela Merkel will beim Energietreffen Antworten auf die offenen Fragen der Energiewende finden. Lex Hartman, Geschäftsführer des Netzbetreibers Tennet, kennt die Probleme nur all zu gut.

WirtschaftsWoche: Herr Hartman, Sie kommen gerade von einer Sitzung mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler, in der Sie über das Management der Energiewende gesprochen haben. Läuft diese Abkoppelung von der Atomkraft in Ihrem Sinn?

Hartman: Beim Thema Offshore kann man das leider nicht sagen. Wir haben einen dramatischen Engpass in den Anschlüssen. Zurzeit gibt es einen wahren Boom an Anträgen für Windparks, besonders in der Nordsee. Jedes Energieunternehmen will einen Windpark weit draußen bauen, wo der Wind besonders stark weht und wo eine besonders hohe Stromausbeute möglich ist. Aber diese Flut können wir nicht mehr allein bewältigen. Man verlangt praktisch Unmögliches von uns.

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Vor allen Dingen gibt es wohl doch ganz handfeste Probleme, Offshore-Windanlagen an Land anzuschließen...

...ja genau, die Technologie ist neu, und wir leisten Pionierarbeit, obwohl wir vieles bereits gelöst haben und technisch sehr gut vorbereitet sind. So nutzen wir als Erster weltweit die Gleichstromtechnik, um Offshore-Windparks über weite Entfernungen anzubinden.

Das müssen Sie erklären.

Wir haben riesige Konverterstationen auf See, die den von den Windmühlen erzeugten Wechselstrom in Gleichstrom umwandeln. Wir verlegen Gleichstromkabel in den Seeboden, oft in einer Meerestiefe von 30 oder 40 Metern, die den Strom oft über mehr als 100 Kilometer an Land zur nächsten Konverterstation bringen. Dort wird er dann wieder in Wechselstrom umgewandelt und in unser Netz eingespeist. Das alles ist sehr komplex und technologisch herausfordernd.

Was helfen die Ihnen, wenn Sie keine Kabel haben, die in der Lage sind, über lange Distanzen von 80 Kilometern und mehr den Strom an den Strand zu leiten?

Material, Produktionskapazitäten, enge Zeitfenster für die Arbeiten auf See, das sind unsere Probleme. Und bei solchen Großprojekten braucht man eigentlich Testphasen, aus denen man für die nächsten Projekte lernt. Diese Zeit haben wir einfach nicht. Wir müssen mit den Projekten sofort anfangen, ohne Lernkurve, um die ehrgeizigen Ziele des Wirtschafts- und des Umweltministers in die Tat umzusetzen. In zehn Jahren sollen Offshore-Windanlagen mit einer Kapazität von 13 Gigawatt entstehen und angeschlossen werden. Das ist die Stromleistung von 13 mittleren Atomkraftwerken, für deren Bau Deutschland 20, 30 Jahre gebraucht hat.

Wie wollen Sie das schaffen?

Mit den richtigen Rahmenbedingungen, für die die Politik sorgen muss. Nötig sind ein langfristig angelegter Offshore-Plan, die schnelle Klärung der offenen Haftungsfrage und eine Lösung dafür, wie die zukünftig nötigen, milliardenschweren Investitionen auf mehrere Schultern verteilt werden.

Welche Projekte planen Sie?

Unser Gebiet ist die Nordsee. Da sollen nach den Vorstellungen der Bundesregierung in den kommenden zehn Jahren Windparks entstehen, die elf Gigawatt Strom erzeugen; in der Ostsee sollen Windparks zwei Gigawatt Strom liefern. Wir haben bereits neun Netzanbindungsprojekte in der Nordsee, die knapp die Hälfte des hier geplanten Stroms erzeugen werden.

Haben Sie sich finanziell überschätzt, als Sie 2009 das Stromnetz von E.On übernommen haben? Damals konnten Sie ja die hohen Anforderungen der Energiewende noch nicht voraussehen.

Nein, wir haben uns nicht verschätzt, und uns geht finanziell nicht die Puste aus. Im Gegenteil: Für die laufenden Projekte haben wir bereits 5,5 Milliarden Euro ausgelöst. Kein anderer investiert so viel in die Energiewende wie wir. Mehr kann man von uns, von einem einzelnen Unternehmen nicht verlangen.

...für die anstehenden Netzinvestitionen scheint das aber bei Weitem nicht genug zu sein.

Wir sind ja auch nur ein einziges Netz-Unternehmen. Was die Offshore-Anbindungen am Ende kosten werden, 10, 20 oder 40 Milliarden Euro, weiß niemand ganz genau. Wir gehen von mindestens 15 Milliarden Euro aus. Das können wir natürlich nicht alleine stemmen, da müssen andere mittun.

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