Bild: dpaVolkmar Denner (55) - Bosch
Wie sein Vorgänger Franz Fehrenbach hat Denner sein ganzes Berufsleben bei Bosch verbracht. Er ist erst der siebte Unternehmenschef in der 126-jährigen Geschichte von Bosch. Der bisherige Forschungs- und Entwicklungsvorstand steht für den Aufbruch bei Bosch: Er soll die Autoabhängigkeit verringern – rund 60 Prozent des Umsatzes von 51,4 Milliarden Euro stammen aus diesem Bereich – und dem schwäbischen Konzern neue Dynamik einhauchen. Kaum im Amt musste er melden, dass er zur Jahreshalbzeit die Umsatzprognose in Gefahr sieht: „Wir gingen bisher von einem Wachstum von drei bis fünf Prozent für 2012 aus, sehen aber durchaus in den letzten Wochen zunehmende Wachstumsrisiken." Die Eurokrise habe bereits aufs Geschäft gedrückt.
Bild: dapdFranz Fehrenbach wechselt nach neun Jahren an der Bosch-Spitze im Sommer in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Der 62-Jährige übergibt Denner ein im Grunde gesundes Unternehmen mit einigen Baustellen. Fehrenbach hat Bosch zum größten Autozulieferer der Welt gemacht, im Bereich Elektromobilität läuft es allerdings noch nicht rund. Fehrenbachs Nachfolger wird eine Entscheidung treffen müssen, ob er das Joint Venture mit koreanischen Elektrokonzern Samsung weiterführen will und wenn ja, wie die Arbeitsteilung zwischen Bosch und Samsung künftig aussehen soll.
Bild: dpaPeter Terium (48), RWE
Der vorgezogene Atomausstieg hat RWE in die Knie gezwungen. Terium hat harte Sparmaßnahmen angekündigt - betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Zwar steht der Konzern deutlich besser da als die Konkurrenten E.On oder EnBW, doch das verhältnismäßig gute Ergebnis für 2011 stammt aus dem Geschäft mit Strom aus Braun- und Steinkohle. Energie aus Wind und Sonne machen aktuell nur vier Prozent im Strommix von RWE aus. Bis 2015 will der Konzern fünf Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren, vor allem in Windparks auf hoher See. Der Bestand soll sich von rund 2500 auf 4500 Megawatt erhöhen. Vorgänger Großmann war ....
Bild: dpa... ein eiserner Verfechter der Atomkraft. Das brachte Jürgen Großmann auch den Schmähpreis des Naturschutzbundes Deutschland "Dinosaurier des Jahres 2010" ein. Die Beschlüsse der Bundesregierung zum Atomausstieg nennt er "nicht rechtens". Im Februar 2012 hatte der Konzern unter seiner Führung Verfassungsbeschwerde gegen die Novelle des Atomgesetztes eingelegt. Auch gegen die Brennelementesteuer zog er vor Gericht.
Seit Juli 2007 lenkte Großmann die Geschicke des Energieriesen. In den ersten Jahren seiner Amtszeit legte das operative Ergebnis stetig zu, 2011 stürzte es jäh ab. Einige werfen ihm vor, zu lange an der Atomkraft festgehalten zu haben, doch immerhin war es Großmann, der im Jahr 2007 die Tochter RWE Innogy gründete, die sich fortan um das Geschäft mit erneuerbaren Energien kümmern sollte.
Bild: dpa/picture-allianceStephan Gemkow - Haniel
28 Milliarden Umsatz, glücklose Investments und die Ratingagenturen drohen mit Herabstufung auf Schrott-Status – wenn Stephan Gemkow im Sommer Chef des Duisburger Mischkonzerns Haniel wird, dürfte ihm einiges von seinem Job als Lufthansa-Finanzchef her bekannt vorkommen. Zudem erwarten den 52-Jährigen ungewohnte Dinge wie den von Amtsinhaber Jürgen Kluge losgetretenen Dauerstreit im Management. Der hat ...
Bild: dpa... reihenweise Führungskräfte dazu getrieben, bei der Kaufhof-Mutter Metro, dem Pharmagroßhändler Celesio und anderen Töchtern des Clankonzerns zu kündigen. Der ehemalige Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey war erst 2010 an die Spitze des Duisburger Konzerns gewechselt. Im Oktober 2011 gab Jürgen Kluge seinen Posten als Aufsichtratsvorsitzender bei der Haniel-Beteiligung Metro zurück, nur vier Wochen später kündigte er an, auf eine Verlängerung seines im Dezember 2012 auslaufenden Vertrags als Haniel-Chef zu verzichten.
Bild: dapdFrank Mastiaux - EnBW
Der ehemalige E.On-Manager tritt am 1. Oktober die Nachfolge von Hans-Peter Villis an. Der Chemiker war dort Chef der Sparte für erneuerbare Energien, daher bringt er die nötige Erfahrungen mit, um den Versorger ins Post-Atomzeitalter zu führen. Dem 48-jährigen gebürtigem Rheinländern wird ein angelsächsischer Führungsstil nachgesagt. Ob er damit in der schwäbischen Provinz zurechtkommen wird, bezweifeln einige.
Mastiaux steht vor großen Herausforderungen. Zwei EnBW-Meiler fielen dem Atommoratorium zum Opfer. EnBW musste für 2011 einen Verlust von 900 Millionen Euro ausweisen. Zuletzt verlor EnBW mit Autobauer Daimler und dem Stahlunternehmen Georgsmarienhütte auch noch zwei wichtigen Kunden. Mastiaux muss viel Vertrauen zurückgewinnen. Vorgänger Hans-Peter Villis...
Bild: dpa....war wie RWE-Kollege Großmann ein Verfechter der Kernkraft. Das wurde ihm nach dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg zum Verhängnis. EnBW gehört zu jeweils 46 Prozent oberschwäbischen Kommunen und dem Land Baden-Württemberg. Die grün-rote Regierung unterstützte Hans-Peter Villis nach der Atomkatastrophe in Fukushima und dem Beschluss der Bundesregierung, aus der Kernenergie vorzeitig auszusteigen, nicht mehr.
Bild: dpaThomas Enders - EADS
Enders war bereits Vorstandsvorsitzender der EADS. Gemeinsam mit Louis Gallois lenkte er den Luftfahrt- und Rüstungskonzern von Mai 2004 bis August 2007. Die konfliktträchtige Doppelspitze wurde jedoch aufgelöst, Gallois übernahm die Leitung des Konzerns allein. Am 1. Juni 2012 ist Enders nach hervorragenden Ergebnissen bei der EADS-Tochter Airbus an die Konzernspitze zurückgekehrt.Die Nominierung des 53-Jährigen war allerdings umstritten. Sein Plan, die Finanz- und Personalabteilung von Paris und München nach Paris zu verlegen, stieß in französischen Regierungskreisen auf Protest. Enders gilt als willensstark und manchmal hemdsärmelig. Ein Beispiel: Die Zuverlässigkeit eines neuen Airbus-Militärtransporters dokumentierte er demonstrativ durch einen Fallschirmsprung aus ebendiesem. Gelernt hat er das in seiner Zeit als Fallschirmjäger bei der Bundeswehr. Bei EADS wird er auch „Major Tom“ genannt.
Bild: dpaMonsieur Louis Gallois (67), hinterlässt seinem Nachfolger er ein florierendes Haus: Bei seiner letzten Bilanzpressekonferenz als EADS-Chef konnte Gallois einen Nettogewinn von einer Milliarde Euro verkünden – ein Plus von 87 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Seit 2007 führt der Franzose die Geschäfte – bis zum Schluss hält er das Ruder in der Hand und sagt seine Meinung. Zuletzt kritisierte er die EU-Klimapolitik. Weil die Chinesen bei den Klimazertifikaten ausgeschlossen fühlten, gingen der EADS-Tochter Airbus Großaufträge durch die Lappen, schimpfte er. Sein Wort gilt etwas in der Luftfahrtbranche. Nachdem er seine letzte Bilanz vorgelegt hatte, verabschiedeten ihn die internationalen Journalisten mit Applaus.
Volkmar Denner (55) - Bosch
Wie sein Vorgänger Franz Fehrenbach hat Denner sein ganzes Berufsleben bei Bosch verbracht. Er ist erst der siebte Unternehmenschef in der 126-jährigen Geschichte von Bosch. Der bisherige Forschungs- und Entwicklungsvorstand steht für den Aufbruch bei Bosch: Er soll die Autoabhängigkeit verringern – rund 60 Prozent des Umsatzes von 51,4 Milliarden Euro stammen aus diesem Bereich – und dem schwäbischen Konzern neue Dynamik einhauchen. Kaum im Amt musste er melden, dass er zur Jahreshalbzeit die Umsatzprognose in Gefahr sieht: „Wir gingen bisher von einem Wachstum von drei bis fünf Prozent für 2012 aus, sehen aber durchaus in den letzten Wochen zunehmende Wachstumsrisiken." Die Eurokrise habe bereits aufs Geschäft gedrückt.
Betriebsbedingte Kündigungen? Der Niederländer Peter Terium, der am 1. Juli den barocken RWE-Chef Jürgen Großmann ablöst, kann das nicht ausschließen. Solche Sätze, in den Essener Zeitungen "WAZ" und "NRZ" von sich gegeben, hören sich im Ruhrgebiet an wie ein Peitschenknall. Von RWE hätte man viele erwartet, aber solche Schreckensnachrichten verstören die Mitarbeiter von RWE, die sich dem Versorger traditionell gerade an Rhein und Ruhr ganz besonders verbunden fühlen.
Terium erwägt Verlagerungen ins Ausland
Auch die zweite Hammer-Ankündigung von Terium sorgte am Mittwoch für Unruhe in der Belegschaft. Terium kann sich vorstellen, so deutete er im Interview an, dass einzelne Abteilungen von RWE ins Ausland verlegt werden. Erzrivale und Marktführer E.On aus dem benachbarten Düsseldorf hat das vorgemacht.
Dort werden einzelne Abteilungen wie das Rechnungswesen nach Rumänien verlegt. Die E.On-Manager boten den verdutzten Mitarbeitern die Verlegung ihres Arbeitsplatzes nach Südeuropa an. Das empfand der Betriebsrat als blanken Zynismus. Das ist ein „vergiftetes Angebot“, zitierte das "Handelsblatt" einen Mitarbeiter.
Bild: dpaRWE
Geplante Einsparungen
1,5 Milliarden plus eine weitere Milliarde in 2013 und 2014.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Jetzt legte der neue Chef Peter Terium nach - weitere 2400 Stellen werden gestrichen. Das sei unumgänglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Bild: REUTERSE.On
Geplante Einsparungen
Bis 2015 will Konzernchef Johannes Teyssen die beeinflussbaren Kosten auf 9,5 Milliarden senken. Das Sparprogramm trägt den Titel E.On 2.0.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
E.On will bis 2015 bis zu 11.000 seiner 80.000 Stellen weltweit abbauen, allein 6000 davon in Deutschland. Die Gewerkschaften ver.di und IG BCE haben sich bereits mit E.On auf einen Tarifvertrag zur Umsetzung des Stellenabbaus in Deutschland geeinigt.
Der Konzern stehe "im Stromerzeugungsgeschäft vor immensen Belastungen", sagte Konzernchef Johannes Teyssen bei der Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal. Das angestrebte Ziel eines nachhaltigen Gewinns von 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro erscheine 2013 angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheiten und der strukturellen Veränderungen im Energiesektor nicht mehr möglich.
Bild: dapdDer Tarifvertrag läuft bis 2016 und sieht Vorruhestandsregelungen, Abfindungen, die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft sowie zeitlich nachgelagert die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor.
E.On- Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Würgassen – stillgelegt
Stade (66 % E.On, 33% Vattenfall) – stillgelegt)
Brunsbüttel (33% E.On, 66 % Vattenfall – stillgelegt)
Krümmel (50 % E.On – 50 % Vattenfall – stillgelegt)
Unterwese (stillgelegt)
Isar 1 und Isar 2 (Block 1 mit Atommoratorium stillgelegt)
Brokdorf
Grafenrheinfeld
Grohnde (83,3 % E.On, 16,7 % Stadtwerke Bielefeld)
Gundremmingen B und C (25 % E.On, 75 % RWE)
Emsland ( 12,5 % E.On, 87,5 % RWE)
Bild: dapdMehr Details zum Sparprogramm soll es am 14. August bei der Präsentation der Halbjahresbilanz geben. Terium forderte die Mitarbeiter bereits jetzt zu mehr Flexibilität auf: „Mitarbeiter müssen geografisch und funktional flexibler werden." Wer seinen Arbeitsplatz in Biblis verliere, könne doch zum Beispiel in Niederaußem anfangen.
Die Kraftwerkstochter RWE Power will in den kommenden fünf Jahren rund 1.000 von 17.000Arbeitsplätzen streichen.
RWE-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Biblis (stillgelegt)
Emsland
Gundremmingen (75% Beteiligung)
Lingen (im Rückbau)
Mülheim-Kärlich (im Rückbau)
Borssele (Niederlande, 30 % Beteilung)
Bild: dpaVattenfall
Geplante Einsparungen
Deutschlands viertgrößter Energieanbieter streicht den Kundenservice in Berlin und Hamburg zusammen. Spätestens 2014 will der Konzern in diesem Bereich 27 Millionen Euro sparen. Jährlich will der schwedische Staatskonzern 600 Millionen Euro sparen.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Vattenfall Europe beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter in Deutschland. Im Kundenservice in Hamburg und Berlin arbeiten insgesamt 900 Menschen, davon soll rund jede dritte Stelle gestrichen werden. „Der notwendige Personalabbau soll sozialverträglich gestaltet und betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden“, teilte der Konzern mit.
Bild: dpaDie Beschäftigten erhalten nun Angebote für Altersteilzeit, Teilzeit oder Abfindungen. Zur Debatte hatte auch gestanden, den Kundenservice komplett aus dem Konzern auszulagern. Die Konzernleitung entschied sich in Absprache mit dem Betriebsrat dagegen.
Vattenfall-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Brokdorf (20 % Vattenfall, 80 % E.ON)
Stade (66 % E.On, 33% Vattenfall) – stillgelegt)
Brunsbüttel (33% E.On, 66 % Vattenfall – stillgelegt)
Krümmel (50 % E.On – 50 % Vattenfall – stillgelegt)
Bild: dpaEnBW
Geplante Einsparungen:
Das bereits im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Ebit-wirksame Entlastung von 750 Millionen Euro bringen.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
EnBw beschäftigt derzeit rund 21.000 Mitarbeiter. Im Sommer 2011 berichtete der Südwestrundfunk über geplante Stellenkürzungen bei EnBW. Per Stellenabbau sollten Einsparungen in Höhe von 200 Millionen möglich sein, berichtete der Sender. Damit würde ein Großteil der angekündigten 300-Millionen-Einsparungen mit Stellenabbau erreicht. Der Sender berief sich auf Angaben von EnBw-Personalvorsatnd Bernhard Beck, die der Konzern jedoch nicht bestätigen wollte. Kündigungen sollte es jedoch nicht geben, bestätigte ein Sprecher. Legt man einen durchschnittlichen Personalaufwand von rund 80.000 Euro im Jahr und pro Mitarbeiter zugrunde, würden so bis 2013 rund 2.500 Stellen wegfallen.
EnBW-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Neckarwestheim – teilweise stillgelegt
Obrigheim – im Rückbau
Philippsburg
Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung)
RWE
Geplante Einsparungen
1,5 Milliarden plus eine weitere Milliarde in 2013 und 2014.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Jetzt legte der neue Chef Peter Terium nach - weitere 2400 Stellen werden gestrichen. Das sei unumgänglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
„Dasselbe kann auch bei uns passieren“, sagt ein besorgter RWE-Mitarbeiter. Es ist das definitive Ende der Schonfrist für die Energiewirtschaft, der nun die Gewinne aus der Kernenergie wegbrechen, der Brennelementesteuern aufgebrummt werden und die hohe Schulden drücken.
Terium tritt so realistisch wie möglich an, das verschreckte auch viele Kommunalvertreter. Die Kommunen halten 25 Prozent an RWE. Aber die Landtagswahlen, aus denen die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als klare Siegerin hervorgegangen ist, sind nun vorbei. Rücksichten auf Wählerstimmen in den RWE-Versorgungsgebieten müssen die Kommunalpolitiker nicht mehr nehmen. Eine Kulturrevolution in dem von kommunalen Rücksichten geprägten Versorger.
Das ist die einmalige Chance, RWE wie ein richtiges Unternehmen zu führen und nicht wie ein kommunales Energiekonglomerat. Die Terium-Sätze bieten die Chance, die Gefahr abzuwenden, das RWE dermaleinst so endet wie vor ein paar Tagen die WestLB, die zum Schluß zum Spielball politischer und nicht wirtschaftlicher Interessen geworden war.
























