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Teriums Sparpläne: RWE steht Kulturrevolution bevor

von Andreas Wildhagen

Der Energieversorger wird unter Peter Terium, dem neuen Vorstandschef, der am Wochenende sein Amt offiziell antritt, zu einem Unternehmen, in dem alles in Frage gestellt wird.

Volkmar Denner (55) - Bosch

Wie sein Vorgänger Franz Fehrenbach hat Denner sein ganzes Berufsleben bei Bosch verbracht. Er ist erst der siebte Unternehmenschef in der 126-jährigen Geschichte von Bosch. Der bisherige Forschungs- und Entwicklungsvorstand steht für den Aufbruch bei Bosch: Er soll die Autoabhängigkeit verringern – rund 60 Prozent des Umsatzes von 51,4 Milliarden Euro stammen aus diesem Bereich – und dem schwäbischen Konzern neue Dynamik einhauchen. Kaum im Amt musste er melden, dass er zur Jahreshalbzeit die Umsatzprognose in Gefahr sieht: „Wir gingen bisher von einem Wachstum von drei bis fünf Prozent für 2012 aus, sehen aber durchaus in den letzten Wochen zunehmende Wachstumsrisiken." Die Eurokrise habe bereits aufs Geschäft gedrückt.

Bild: dpa

Betriebsbedingte Kündigungen? Der Niederländer Peter Terium, der am 1. Juli den barocken RWE-Chef Jürgen Großmann ablöst, kann das nicht ausschließen. Solche Sätze, in den Essener Zeitungen "WAZ" und "NRZ" von sich gegeben, hören sich im Ruhrgebiet an wie ein Peitschenknall. Von RWE hätte man viele erwartet, aber solche Schreckensnachrichten verstören die Mitarbeiter von RWE, die sich dem Versorger traditionell gerade an Rhein und Ruhr ganz besonders verbunden fühlen.

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Terium erwägt Verlagerungen ins Ausland

Auch die zweite Hammer-Ankündigung von Terium sorgte am Mittwoch für Unruhe in der Belegschaft. Terium kann sich vorstellen, so deutete er im Interview an, dass einzelne Abteilungen von RWE ins Ausland verlegt werden. Erzrivale und Marktführer E.On aus dem benachbarten Düsseldorf hat das vorgemacht.

Dort werden einzelne Abteilungen wie das Rechnungswesen nach Rumänien verlegt. Die E.On-Manager boten den verdutzten Mitarbeitern die Verlegung ihres Arbeitsplatzes nach Südeuropa an. Das empfand der Betriebsrat als blanken Zynismus. Das ist ein „vergiftetes Angebot“, zitierte das "Handelsblatt" einen Mitarbeiter.

RWE

Geplante Einsparungen

1,5 Milliarden plus eine weitere Milliarde in  2013 und 2014.

Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze

Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Jetzt legte der neue Chef Peter Terium nach - weitere 2400 Stellen werden gestrichen. Das sei unumgänglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Bild: dpa

„Dasselbe kann auch bei uns passieren“, sagt ein besorgter RWE-Mitarbeiter. Es ist das definitive Ende der Schonfrist für die Energiewirtschaft, der nun die Gewinne aus der Kernenergie wegbrechen, der Brennelementesteuern aufgebrummt werden und die hohe Schulden drücken.

Terium tritt so realistisch wie möglich an, das verschreckte auch viele Kommunalvertreter. Die Kommunen halten 25 Prozent an RWE. Aber die Landtagswahlen, aus denen die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als klare Siegerin hervorgegangen ist, sind nun vorbei. Rücksichten auf Wählerstimmen in den RWE-Versorgungsgebieten müssen die Kommunalpolitiker nicht mehr nehmen. Eine Kulturrevolution in dem von kommunalen Rücksichten geprägten Versorger.

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Das ist die einmalige Chance, RWE wie ein richtiges Unternehmen zu führen und nicht wie ein kommunales Energiekonglomerat. Die Terium-Sätze bieten die Chance, die Gefahr abzuwenden, das RWE dermaleinst so endet wie vor ein paar Tagen die WestLB, die zum Schluß zum Spielball politischer und nicht wirtschaftlicher Interessen geworden war.

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