Teyssen muss handeln: E.On prüft Kraftwerksschließungen

Teyssen muss handeln: E.On prüft Kraftwerksschließungen

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Die Gewinnwarnung von E.On für 2013 kam überraschend. E.On-Chef Johannes Teyssen überprüft auch die bisherigen Aussagen für das Jahr 2015.

E.On hat seine Ergebnisprognose für 2013 zurückgezogen. Der Kurs der Aktie brach ein. Immer deutlich wird, dass der Energieversorger ein neues Geschäftsmodell braucht.

Deutschlands größter Stromkonzern Eon hat seine Gewinnprognosen für die nächsten Jahre kassiert und prüft die Schließung von unrentablen Kraftwerksstandorten. Die Aktie des Dax-Schwergewichts brach am Dienstag zeitweise um mehr als zehn Prozent ein.

Der Konzern stehe "im Stromerzeugungsgeschäft vor immensen Belastungen", sagte Konzernchef Johannes Teyssen. Das angestrebte Ziel eines nachhaltigen Gewinns von 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro erscheine 2013 angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheiten und der strukturellen Veränderungen im Energiesektor nicht mehr möglich.

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E.On Kennzahlen 2011

  • Umsatz

    Der Umsatz legte 2011 um gut 21 Prozent auf annährend 113 Milliarden Euro zu.

  • Umsatzanteile nach Regionen

    Den Großteil des Geschäfts mach E.On in Deutschland mit gut 42 Prozent. In Großbritannien erwirtschaftet E.On 28 Prozent des Umsatzes, im übrigen Europa sind es 25 Prozent und in Schweden knapp 4 Prozent.

  • Ebit

    Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen sank 2011 um 42,5 Prozent auf 5, 4 Millionen Euro.

  • Konzernergebnis

    Das Konzernergebnis lag 2011 bei minus 1,86 Milliarden Euro.

  • Mitarbeiter

    E.On hat 2011 deutlich weniger Mitarbeiter beschäftigt als im Vorjahr. Die Zahl fiel um mehr als 7 Prozent auf 78889 Mitarbeiter.

Der Konzern hatte 2011 erstmals in seiner Geschichte Milliardenverluste erwirtschaftet. Grund waren unter anderem hohe Gasbezugskosten und die Abschaltung der gewinnbringenden E.On-Atommeiler Isar 1 und Unterweser wegen der schnellen Atomwende. E.On verkauft weltweit Gesellschaften und Beteiligungen im Wert von rund 15 Milliarden Euro, um sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren. Dabei ist das Unternehmen weit gekommen.

Parallel läuft ein Programm zum sozialverträglichen Abbau von 11.000 Stellen bis 2015.
Mit dem Halbjahresergebnis 2012 hatte sich das Geschäft aber schon wieder deutlich erholt - insbesondere, nachdem E.On Anfang Juli rückwirkende, günstigere Verträge für den Gasbezug mit dem russischen Gazprom-Konzern durchsetzen konnte. Außerdem half der Wegfall einmaliger Belastungen aus der Energiewende und die Inbetriebnahme von drei neuen Gaskraftwerksblöcken in Russland.

E.On und die Konkurrenz

  • Anteil erneuerbare Energien

    In puncto Wind-, Wasser- und Sonnenenergie haben EnBW und E.On die Nase vorn. EnBW speist 11 Prozent seines Stroms mit erneuerbaren Energiequellen, E.On 10 Prozent und RWE nur vier Prozent.

  • Anteil der Kohlekraftwerke

    E.On produziert im Vergleich zu EnBW und RWE einen recht geringen Anteil des Stroms in Kohlekraftwerken, nämlich nur 29 Prozent. Bei EnBW sind es 38 Prozent, bei RWE sogar 59 Prozent.

  • Anteil der Kernkraftwerke

    Nur RWE produziert weniger Energie ins AKWs als E.On. Bei RWE sind es 17 Prozent, bei E.On 22 Prozent und beim schwäbischen Energieversorger EnBW sind es 48 Prozent.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres liefen die Geschäfte gut: Der Umsatz stieg - laut Quartalsbericht - um 21 Prozent auf 93,6 Milliarden Euro. Um 155 Prozent auf gut vier Milliarden Euro erhöhte sich sogar der nachhaltige Konzernüberschuss.

Problem Gaskraftwerke

Doch die Zukunft des Düsseldorfer Unternehmen sieht zunehmend düster aus: Die anhaltende Konjunkturkrise in weiten Teilen Europas und strukturelle Veränderungen im Energiesektor machen ihm zu schaffen. Der Energieversorger verhandelt mit der Bundesnetzagentur über den Weiterbetrieb konventioneller Kraftwerke, die für die Stabilität des Stromnetzes nötig sind. Dafür erwarte E.On einen „angemessenen Kostenersatz“, wenn die Kraftwerke keine Gewinne oder sogar Verluste erwirtschafteten. Die Kosten für die Stabilität des deutschen Stromnetzes dürften nicht isoliert den E.On-Aktionären aufgebürdet werden, sagte ein Unternehmenssprecher.

Das schnell wachsende Angebot an Solarenergie führe dazu, dass inzwischen "gerade die sauberen und flexiblen Gaskraftwerke derzeit kaum rentabel zu betreiben" seien, beklagte Teyssen in einem Brief an die Aktionäre. „Wir optimieren zudem weiter unser konventionelles Kraftwerksportfolio und prüfen auch die Schließung von Anlagen“, erklärte Teyssen. E.On produziert mit Kraftwerken an 20 Standorten fast ein Zehntel des deutschen Strombedarfs. Aussagen zu möglichen Schließungsstandorten wollte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage nicht machen.

Erdgas Gaskraftwerke werden zur Last

Vor gar nicht all zu langer Zeit hätschelten Energieversorger ihre Gastkraftwerke. Warum die emissionsarmen Anlagen jetzt zum Stiefkind der Branche mutieren.

Unterfordert - Gaskraftwerke wie dieses in Isching (Oberbayern) laufen derzeit schwach Quelle: dpa

Dass die Gaskraftwerke den Betreibern wie ein "Klotz am Bein" hängen ist seit Monaten Thema. Die 53 deutschen Gastkraftwerke sind bei weitem nicht ausgelastet. Im August meldet die Leipziger Strombörse EEX eine Auslastungsquote von nur 60 Prozent. Vor der Energiewende waren es 80 bis 90 Prozent.

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