Tiefe Ratlosigkeit: Die wirren Fusionsgerüchte um Energieriesen Eon

Tiefe Ratlosigkeit: Die wirren Fusionsgerüchte um Energieriesen Eon

von Andreas Wildhagen

Angeblich spielt der angeschlagene Energiekonzern Eon im Haus Fusionspläne mit einem anderen europäischen Energieunternehmen durch. Zwar soll es den Plan nicht geben, dennoch bleiben bei Eon massive Probleme.

Er war bleich um die Nase, der Vorstandschef von Eon, als er vor einigen Wochen im Frankfurter Union-Club, einer Vereinigung von Wirtschaftsgrößen der Mainmetropole, über seine Branche und seinen Konzern sprach, den er anführt: Johannes Teyssen gab, glaubte man seinen Worten und seinem Tonfall, offenbar keinen Pfifferling auf die Energiewende und sah in seiner Tischrede überall nur Niedergang und Fehlinvestitionen. „Er macht nicht den Eindruck, dass er einen Rettungsplan für Eon hat“, sagte damals einer der Zuhörer, unter ihnen auch Ex-Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper.

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Teyssen, so schreibt nun die Regionalzeitung „Rheinische Post“ in ihrer heutigen Ausgabe, ließe Planspiele im Konzern über eine Rettungsaktion der besonderen Art durchkalkulieren: Die Fusion mit einer einem anderen europäischen Energieunternehmen. Der französische Atomkonzern EdF wird ausdrücklich in dem Bericht genannt, aber auch der ebenfalls aus Frankreich stammende Versorger GdF Suez. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group habe Überlegungen dazu angestellt, wird weiterhin gesagt. Das weist die BCG von sich. Das Dementi, das die Zeitung über die Fusionsphantasien aus dem Konzern selbst einholte, klang eher vorsichtig.

Ein Sprecher in dem Düsseldorfer Blatt mit dem Satz zitiert: „Weder Boston Consulting noch andere Berater haben Vorschläge gemacht, mit Suez zusammenzugehen. Unabhängig davon beschäftigt sich Eon nicht mit einem solchen Szenario“. Mit einem solchen nicht, aber mit anderen?

E.On Von der Energiewende ausgebremst

Der Düsseldorfer Energiekonzern kämpft immer noch gegen die Schwierigkeiten des Atomausstiegs. Sein Heil sucht der Konzern aber nicht in Deutschland.

Der Energieversorger E.On kämpft weiter mit den Schwierigkeiten des Atomausstiegs. Quelle: dpa

Die Konzernmanager von Eon sind Dementi geschädigt und daher sehr vorsichtig. Schon früher, 1999, als Eon-Vorgänger Veba mit der bayerischen Viag fusionierte, gab es eine offizielle Absage mit der Formel „Da ist nichts dran“. War es aber, und die verantwortlichen Manager hatten sich langen Verhören der US-Börsenaufsicht SEC zu stellen. Eon-Vorgänger Veba war damals an der Wall-Street gelistet. Wenn heutzutage ein Dementi zu Fusionsgerüchten aus dem Hause Eon kommt, dann darf getrost davon ausgegangen werden, dass sich hier quasi gebrannte Kinder vor dem öffentlichen Verbrühen doppelt und dreifach abgesichert haben.

In der Finanz-und Energiegemeinschaft wurde der Zeitungsartikel von heute kaum beachtet. Die dort angegebenen Fusionspartner scheinen als in Frage kommende Hochzeiter für Eon allzu abstrus zu sein. EdF würde Eon praktisch verschlucken, der Konzern ist staatlich dirigiert und betreibt 58 Atomkraftwerke in Frankreich. Eine Fusion zwischen dem kranken Partner Eon, von der Energiewende und allgemeiner Ratlosigkeit geschüttelt, und der dominanten EdF, liefe „mehr auf eine Rettung des Eon-Managements in der EdF-Welt, als auf eine nachhaltige Rettung des Eon-Konzern hinaus“, sagt ein Beobachter. Die finnische Fortum-Gruppe wird als Fusionspartner auch genannt, doch würden sich dann zwei Problemkinder der Energiewirtschaft zusammenraufen, die ihre Probleme nicht lösen, sondern verdoppeln.

E.On nach 20 Monaten Energiewende

  • Umsatz

    E.On hat seinen Umsatz zwischen 2010 und 2012 von 93 Milliarden Euro auf 118 Milliarden Euro gesteigert.

  • Konzernüberschuss

    Beim Konzernüberschuss (Fehlbetrag) musste E.On 2011 ein Minus von 1,8 Milliarden Euro ausweisen, 2012 steht hier wieder ein Plus von 2,6 Milliarden Euro.

    Der nachhaltige Konzernüberschuss (bereinigt um außergewöhnliche Effekte) lag 2010 noch bei 4,8 Milliarden Euro, brach 2011 auf 2,5 Milliarden ein und stabilisierte sich 2012 wieder bei 4,2 Milliarden.

  • Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen

    Der Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen (Ebitda) nahm von 13,3 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 10,8 Milliarden im Jahr 2012 ab. 2011 war er auf 9,3 Milliarden abgesackt.

  • Nettoverschuldung Ebitda

    Der Wert sank von 37,7 im Jahr 2010 auf 36 im Jahr 2012.

  • Anteil abgeschalteter & noch abzuschaltender Atomkraftwerke

    E.On hat bereits Kraftwerke abgeschaltet, die einem Anteil von 15 Prozent an seiner Gesamtstromkapazität entsprechen. Weitere 26 Prozent stehen noch aus.

  • Anteil Gas an Stromerzeugung

    Der Gasanteil lag 2012 bei 35 Prozent und damit auf dem selben Wert wie 2010. 2011 lag er mit 38 Prozent zwischenzeitlich etwas höher.

  • Anteil Steinkohle an Stromerzeugung

    Steinkohle hat für E.On an Bedeutung gewonnen. Der Anteil stieg von 23 Prozent in den Jahren 2010 und 2011 auf 26 Prozent im Jahr 2012.

  • Anteil Braunkohle an Stromerzeugung

    Braunkohle-Kraftwerke spielen bei E.On mit einem Anteil von fünf bis sechs Prozent in den vergangenen drei Jahren eine untergeordnete Rolle.

  • Anteil Erneuerbare an Stromerzeugung

    Die erneuerbare Energie hat E.On von 11 Prozent auf 12 Prozent im Jahr 2012 leicht ausgebaut.

  • Anteil Wind an Stromerzeugung

    Der Anteil der Windkraft stieg dabei von drei auf vier Prozent zwischen 2010 und 2012.

  • Unternehmenswert

    Der Wert des Konzerns fiel beträchtlich. Waren es 2010 noch 45,8 Milliarden Euro, wird E.On 2012 nur noch mit 28,2 Milliarden Euro bewertet.

  • Fazit

    Der Börsenwert ist dramatisch eingebrochen. Die Gewinne können nur durch Beteiligungsverkäufe gehalten werden.

Der frühere Veba- und Eon-Vorstandschef Ulrich Hartmann hat Anfang des Jahrtausends die Fusionsphantasien in der Energiewirtschaft angestachelt. Sie lösten damit einen „Alles-ist-möglich“-Reflex in der damals gerade liberalisierten Energiewirtschaft aus, der manchmal noch heute nachwirkt und abenteuerliche Spekulationen und Vorschläge anfacht. So schlug der EU-Energiekommissar Günther Oettinger vor Monaten vor, Eon und RWE sollten fusionieren, um die Energiewende gemeinsam anzugehen.

Hohn und Spott ergoss sich über den aus schwäbischen Energiekommissar, da ein Kartellamt wo auch immer, sei es nun das deutsche oder das europäische, kaum eine solche Großfusion in Deutschland genehmigen würde. Aber der Vorschlag stand im Raum, er musste nicht einmal dementiert werden, so abseitig war er, bewies aber, dass selbst ein Energiekommissar nicht sicher ist vor dem Wildwuchs seiner Fusionsphantasien.

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