Trotz Bedenken Londons: RWE will Dea-Verkauf am Montag abschließen

Trotz Bedenken Londons: RWE will Dea-Verkauf am Montag abschließen

Das Öl- und Gasförderunternehmen Dea geht am Montag wohl in russische Hände. Verkäufer RWE braucht die fünf Milliarden Euro dringend. Die britische Regierung hat Einwände gegen den Deal.

Der Energiekonzern RWE will trotz Bedenken der britischen Regierung an diesem Montag den Verkauf seiner Öl- und Gasfördertochter Dea an den russischen Oligarchen Michail Fridman abschließen. Dies teilte das Unternehmen am Sonntag in Essen mit. Die britische Regierung hatte am Samstag erneut ihre Bedenken zum Verkauf des britischen Dea-Geschäfts, zu dem zwölf produzierende Öl- und Gasfelder gehören, geäußert. Das Londoner Energieministerium verlangte Vorbereitungen dafür, dass dieser Unternehmensteil einzeln an eine „geeignete dritte Partei“ weiterverkauft wird. Hintergrund sind Sorgen über die Auswirkungen, die mögliche künftige Sanktionen gegen die russische LetterOne-Gruppe auf den Betrieb der Felder haben könnten. Ernste Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltrisiken könnten die Folge sein, schrieb das Ministerium in einer Mitteilung.

RWE Dea-Verkauf wird zur Zitterpartie

Fünf Milliarden Euro sollte der Verkauf von Dea dem angeschlagenen RWE-Konzern bringen. Nun mehren sich die Zweifel, ob der Deal mit einer russischen Investorengruppe noch über die Bühne geht.

Verkauf von RWE-Tochter Dea könnte noch platzen Quelle: dpa

Die Felder liegen im britischen Teil der Nordsee. Zu den wegen der Ukraine-Krise von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland gehört schon jetzt das Verbot der Belieferung russischer Unternehmen mit Spezialtechnik und Dienstleistungen zur Ölförderung. Ein LetterOne-Sprecher sagte am Sonntag, der Betrieb könne selbst dann sichergestellt werden, wenn es weitere Sanktionen geben sollte. Acht nationale und supranationale Behörden hätten dem Deal zugestimmt, darunter die EU, Deutschland und die Ukraine. Großbritannien sei mit seinem formellen Widerspruch alleine.

Dass das Londoner Ministerium die „Letter of Comfort“ genannte Zustimmung nicht erteilen wolle, habe keine Auswirkungen auf den Vollzug der Transaktion am Montag, hieß es in der RWE-Mitteilung. Die Verträge sähen eine Übertragung der RWE Dea als Ganzes einschließlich des britischen Geschäfts vor. „Nur wenn innerhalb des ersten Jahres nach dem Vollzug die EU oder die USA Sanktionen gegen die LetterOne oder deren Eigner verhängen sollten, ist RWE zum Rückerwerb des UK Geschäfts verpflichtet.“

Die britische Regierung hatte bereits früher ihre Bedenken gegen den Verkauf des britischen Dea-Geschäfts geäußert. RWE und Fridmans LetterOne hätten daraufhin einen Vorschlag gemacht, um diese Bedenken auszuräumen, teilte das Ministerium mit. Diesem Vorschlag erteilte Minister Ed Davey nun eine Absage. „Nach gründlicher Überlegung hat der Minister entschieden, dass der Vorschlag diese Bedenken nicht ausreichend und sicher ausräumt“, hieß es in der Mitteilung. Er habe den Unternehmen mitgeteilt, dass er sie zu einem weiteren Verkauf der zwölf Öl- und Gasfelder an eine „geeignete dritte Partei“ anhalten wolle, wenn die Übernahme in ihrer derzeitigen Form weitergehen sollte.

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Der hoch verschuldete Energiekonzern RWE hatte vor gut sechs Wochen mitgeteilt, dass die Struktur der Übernahme durch Fridmans LetterOne-Gruppe verändert wurde. Ein Bestandteil sei, „dass sich die LetterOne-Gruppe verpflichtet, das britische Dea-Geschäft für mehrere Jahre rechtlich unabhängig und getrennt von den restlichen RWE Dea-Aktivitäten zu halten“. Der Verkauf solle spätestens Anfang März umgesetzt werden, hieß es damals. Im Zusammenhang mit der Mitteilung wurde damals auch bekannt, dass das britische Dea-Geschäft in eine niederländische Stiftung ausgelagert werden soll.

RWE Dea fördert in Europa und Nordafrika Öl und Gas. Das Unternehmen gilt als Ertragsperle: Bei 2,1 Milliarden Euro Umsatz lag das Betriebsergebnis 2013 bei 524 Millionen Euro. Auch die Mitarbeiterzahl stieg Jahr für Jahr auf mehr als 1400 Ende 2013. Aber das Gas- und Ölgeschäft erfordert Milliardeninvestitionen, die die Mutter RWE nicht mehr leisten will. Deshalb fiel 2013 die Entscheidung zum Verkauf. Der Kaufpreis liegt bei rund fünf Milliarden Euro. RWE braucht das Geld dringend zum Abbau seiner Schulden.

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