Überlebenschancen: Die Turnaroundkandidaten der Solarbranche im Check

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Überlebenschancen: Die Turnaroundkandidaten der Solarbranche im Check

von Rebecca Eisert, Andreas Toller und Mario Brück

Die Solarbranche berappelt sich. Solarworld ist der Pleite knapp entgangen, Sunways und Centrotherm sind raus aus der Insolvenz. Welche Kandidaten mit neuer Strategie überzeugen, wo Anleger noch vorsichtig sein sollten.

Der Sound zur Krise klingt nach Strandurlaub. „Here comes the sun“, schallt es aus den Lautsprechern im Alten Wasserwerk in Bonn. Wo einst das Parlament tagte, sitzt nun Solarworld-Gründer Frank Asbeck auf dem Podium. Rechts über ihm prangt der Bundesadler, zu seiner Linken sitzen die Vorstände des taumelnden Solarkonzerns, und die Beatles-Klänge tauchen den Saal kurz vor Beginn der Gläubigerversammlung „betreffend die 6,125% Schuldverschreibung 2010/2017“ in Wohlfühlatmosphäre.

Tatsächlich hätte Beethovens Fünfte wohl besser zum Charakter der Veranstaltung gepasst: Nicht weniger als das Schicksal des Solarunternehmens wurde Anfang August im Wasserwerk verhandelt. Die Gläubiger einer 400 Millionen Euro schweren Anleihe verzichteten auf mehr als die Hälfte ihrer Forderungen und erhielten dafür neue Aktien des Unternehmens. „Friss oder stirb“, kommentierte ein Teilnehmer die Lage. Nur so war der Konzern vor der Pleite zu retten. Ein Verlust von 69 Millionen steht nach den ersten sechs Monaten in den Büchern - der Umsatz brach auf 201 Millionen Euro ein. Nach dem Ja der Gläubiger und Aktionäre kann Solarworld weitermachen – zumindest vorerst.

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Das Schicksal der Bonner steht für eine ganze Branche. In den letzten zwei Jahren rutschten Modulhersteller und an die Solarunternehmen gebundene Maschinenbauer reihenweise in die Insolvenz. Bei einigen wie Sovello gingen für immer die Lichter aus, andere wagen mit neuen Investoren und überarbeitetem Geschäftsmodell den Neuanfang.

Welche Firmen haben eine vielversprechende Strategie? Und wer taugt als interessantes Investment im Aktiendepot?

Solarworld

Asbeck steht vor der schwierigen Restrukturierung und Neuausrichtung. „Das Geschäftsmodell von Herrn Asbeck ist eigentlich tot. Es fehlt eine neue Strategie“, sagt Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) gegenüber dem Handelsblatt. Das Problem: Solarworld führt alle Arbeitsschritte beim Bau der Module selbst aus und kann deshalb nicht mit günstigerer Ware aus Fernost konkurrieren. Dazu schrumpft der Markt. In Deutschland werden immer weniger Solaranlagen errichtet seitdem klar ist, dass die Einspeisevergütungen für Sonnenstrom kontinuierlich sinken.

„Solarworld kann den verminderten Absatz in Deutschland nicht durch Umsätze im Auslandsgeschäft kompensieren“, sagt Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin. Asbeck hofft auf die Golf-Region. Der neue Investor Qatar Solar soll als Türöffner zum Mittleren Osten fungieren. Hummel hält die Absatzchancen dort aber für weitaus geringer als von Asbeck angenommen. „Über Erfolg oder Misserfolg von Solarworld werden nicht sie, sondern die Umsätze auf dem US-Markt 2013 entscheiden“, prophezeit Hummel.

Die Vereinigten Staaten sind einer der größten Märkte für die Solarindustrie. Das Marktforschungsunternehmen Solarbuzz rechnet für 2013 mit einer neuinstallierten Leistung von mehr als fünf Gigawatt. Das entspräche einem Plus von 20 Prozent. Der Anteil der USA am weltweiten Solarzubau stiege damit von fünf auf zwölf Prozent. Davon profitieren aber vor allem amerikanische US-Modulhersteller. Im vergangenen Jahr konnte Solarworld seinen US-Marktanteil nicht vergrößern, obwohl dort bereits Strafzölle auf chinesische Billigimporte galten, die Asbeck so oft als Wachstumshemmer angeführt hatte.

Frühestens wenn eine echte Neuausrichtung erfolgt und die Umsätze wieder deutlich anziehen – etwa weil sich der deutsche Markt erholt -, ist die Aktie wieder eine Wette wert. Wer jetzt mit dem Papier zocken möchte, kann nur hoffen, dass die Aktienkäufe von Solarworld-Chef Asbeck, für die er zehn Millionen Euro aus seinem Privatvermögen aufwenden will, sowie der angekündigte Investor aus Katar den Kurs etwas beflügeln. Das Verlustrisiko jedoch bleibt immens. Längerfristig orientierte Anleger sollten das Papier daher bis auf Weiteres nicht anrühren.

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