Umweltinvestments: Wann sich die grüne Geldanlage lohnt

Umweltinvestments: Wann sich die grüne Geldanlage lohnt

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Grüne Milliarden: Wert des ethisch-ökologischen Fonds angelegten Privatvermögens in Europa

von Martin Gerth

Grüne Investments verbessern das Gewissen, aber nicht zwangsläufig die Rendite. Worauf Anleger achten sollten.

Inzwischen kleben Banken fast auf jede Kapitalanlage das Etikett „nachhaltig“: grüne Immobilien, ethisch korrekte Anleihen,oder CO2-arme Fonds. Dabei ist der Bezeichnung „nachhaltiges Investment“ kein geschützter Begriff. Nachhaltigkeit schließt ethische, ökologische und ökonomische Standards ein. Wie die Anforderungen im Einzelnen aussehen, können die Anbieter von ethisch-ökologischen Kapitalanlagen selbst definieren.

Nachhaltig meint jedenfalls nicht automatisch grün. Denn das Gros der Finanzinstitute bastelt nachhaltige Kapitalanlagen nach dem Prinzip der Branchenbesten (Best in class). Gemeint sind Unternehmen, die ökologischer, sozialer und transparenter sind als der Branchendurchschnitt. Das kann sogar der nachhaltigste Ölmulti sein – selbst wenn die Branche alles andere als umweltfreundlich ist. So schließt der Aktienindex Dow Jones Sustainability auch BP und Total ein.

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Das Best-in-class-Konzept ist bei Banken so beliebt, weil es nicht zu viele Aktien ausschließt und sich so massentaugliche, milliardenschwere Portfolios stricken lassen. Anderenfalls könnten die Anbieter die stark gestiegene Nachfrage nach ethisch-ökologischen Fonds gar nicht befriedigen.

Portfolios für Fundis

Wer es grüner mag, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er konzentriert sich auf Branchenportfolios, beispielsweise erneuerbare Energien, oder weicht auf orthodoxe Index-Konzepte wie den Natur-Aktien-Index (NAI) aus. Der NAI schließt Waffenhersteller, Atomtechnologie, Gentechnik aus sowie Unternehmen, die Minderheiten diskriminieren, Tierversuche durchführen, umweltschädliche Produkte herstellen, Pestizide einsetzen oder Energie aus fossilen Brennstoffen erzeugen.

Weil in dem Filter viele Unternehmen hängen bleiben, umfasst der NAI derzeit nur 30 Werte. Darunter der norwegische Produzent von Pfandflaschenrücknahmegeräten Tomra Systems und das japanische Wassertechnikunternehmen Kurita Waters. Vorteil beider Ansätze ist, dass das Prinzip Nachhaltigkeit nicht so stark verwässert ist wie bei den Branchenbesten. Nachteil: So konstruierte Portfolios schwanken stärker, weil sie sich auf wenige Branchen konzentrieren, die Unternehmen vergleichsweise klein sind und es wenig Einzeltitel gibt, die die strengen Kriterien erfüllen.

Rendite mit Gewissen

Schadet und nutzt das grüne Gewissen dem Anleger im Vergleich zum Börsendurchschnitt? „Die bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Studien kommen zu dem Schluss, dass nachhaltig zu investieren keinen Nachteil gegenüber konventionellen Investments bedeutet“, sagt Michael Schröder, Leiter Internationale Finanzmärkte beim ZEW.

Die neueste Studie auf dem Gebiet, eine Analyse der Universität Zürich, wies für den Zeitraum 1997 bis 2006 nach, dass sich ein gutes Nachhaltigkeitsrating leicht positiv auf die Kursentwicklung auswirkt. Dieses optimistische Ergebnis lässt sich mit der Kursentwicklung in der Finanzkrise nur teilweise bestätigen. So verlor der Dow Jones Sustainability World Index seit September 2008, dem Monat der Lehman-Pleite, 12,3 Prozent, beim konventionellen MSCI World waren es 12,1 Prozent Verlust. Der minimale Unterschied ist nicht verwunderlich, da der Nachhaltigkeitsindex viele große Titel enthält, die auch im konventionellen Index vertreten sind. Anders sieht es beim Natur-Aktien-Index aus. Er legte im gleichen Zeitraum 2,8 Prozent zu. In diesem Fall war das orthodoxe Konzept besser.

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