VNG: Gazprom hält nun doch seine Anteile

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VNG-Zentrale in Leipzig: Übernimmt die Stadt die Mehrheit?

von Angela Hennersdorf

Lange Zeit sah es so aus, dass Gazprom seine Anteile am ostdeutschen Energiekonzern VNG verkauft. Jetzt wollen die Russen ihre Anteile behalten. Gleichzeitig strebt die Stadt Leipzig die Mehrheit an VNG an.

Der russische Gaskonzern Gazprom trennt sich überraschend doch nicht von seinem Anteil am ostdeutschen Energiekonzern Verbundnetz Gas (VNG). Gleichzeitig strebt die Stadt Leipzig an, die Mehrheit der VNG, Ostdeutschlands einzigem Großkonzern, zu übernehmen. Es wäre ein Milliardendeal, bei dem der australische Finanzinvestor Macquarie helfen soll.

Nach Informationen der WirtschaftsWoche hat der Vorstand von Gazprom am Mittwoch beschlossen, dass seine deutsche Tochter Gazprom Germania ihren Anteil von 10,52 Prozent an den VNG behält. Bisher galt als sicher, dass Gazprom seinen Anteil an den Oldenburger Energieversorger EWE verkauft. Der hält derzeit 63,69 Prozent an VNG, dem mit einem Umsatz von zuletzt zehn Milliarden Euro einzigen Großkonzern mit Sitz in Ostdeutschland. EWE will nun nach Informationen der WirtschaftsWoche seinen Anteil an die städtische Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft LVV verkaufen.

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Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

  • Gas

    Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

  • Gastransport

    Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

    Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

  • Gaseinsatz und -preis

    Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

    Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

  • Öl

    Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen ein Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

  • Transport

    Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Ein zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

  • Öleinsatz und -preis

    Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Derzeit halten die Leipziger zusammen mit anderen ostdeutschen Stadtwerken und öffentlichen Unternehmen 25,79 Prozent an VNG. Mit den 63,69 Prozent der EWE käme Leipzig mit seinen Partnern auf 89,48 Prozent. Die Gespräche mit dem Leipziger Versorger seien weit fortgeschritten, heißt es aus Finanzkreisen. Bis zur Sommerpause soll die Übernahme organisiert, bis Ende des Jahres dann abgeschlossen sein. Die Risikoprüfung der VNG läuft. Im Gespräch ist ein Verkaufspreis zwischen 1,0 und 1,5 Milliarden Euro. Macquarie soll knapp die Hälfte der Summe finanzieren.

VNG sitzt wie die LVV in Leipzig. Der Konzern fördert, transportiert, speichert und handelt mit Gas, das aus Russland und Norwegen kommt. Über ein eigenes Netz versorgt das Unternehmen vor allem ostdeutsche Stadtwerke.

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