Weltwirtschaftsforum: Erdöl wird knapp und teuer

Weltwirtschaftsforum: Erdöl wird knapp und teuer

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Infografik Erdöl

Wenn nicht massiv in umweltfreundliche Transportmittel investiert wird, steigt der Erdölverbrauch in den kommenden 20 Jahren weltweit um 40 Prozent an. Ein möglicher Ausweg sind Elektroautos, deren zusätzlicher Strombedarf auch ohne Kernenergie locker gedeckt werden kann. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Weltwirtschaftsforums in Genf und der Unternehmensberatung Booz & Company.

Fast alle Staaten der Erde wollen laut Kyoto-Protokoll ihre klimaschädlichen CO2-Emissionen bis 2020 um mindestens 25 Prozent unter den Stand von 1990 absenken. Die USA, das einzige maßgebliche Land, das das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet hat, strebt im gleichen Zeitraum eine Reduktion von 17 Prozent gegenüber 2005 an. Dass diese Ziele ohne massives Umsteuern im Verkehrssektor kaum zu erreichen sind, zeigt eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums und der Unternehmensberatung Booz & Company. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass durch das rasante Wachstum des globalen Verkehrsaufkommens bis 2030 der Erdölverbrauch um 40 Prozent wächst – wenn nicht global gegengesteuert wird.

Statt zu sinken, würde der CO2-Ausstoß in diesem Szenario um 32 Prozent ansteigen. Der Verkehrssektor gehört zu den entscheidenden Stellschrauben beim CO2-Ausstoß. Über 60 Prozent der täglich verbrauchten 87 Millionen Barrel Öl gehen auf das Konto des globalen Personen- und Gütertransports. Mit 73 Prozent konsumiert der Straßenverkehr den Löwenanteil des Erdöls, es folgen der Flug- und Schiffsverkehr mit jeweils zehn Prozent und der Schienenverkehr mit drei Prozent.

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Es gibt jedoch auch ein realistisches Szenario, nach dem der Erdölverbrauch im Verkehrssektor trotz des steigenden Aufkommens um jährlich 0,6 Prozent sinkt. Laut Booz & Company könnte bis 2030 der Ölanteil im Energiemix um bis zu 25 sinken. Vorausgesetzt, es fließen hohe Summe in die Entwicklung umweltfreundlicher Antriebe. Bis zu 400 Milliarden US-Dollar müssten jährlich investiert werden, um ein Viertel der bisherigen Kraftstoffe durch Strom aus regenerativen Energiequellen oder Biokraftstoffe zu ersetzen. Das klingt gewaltig, ist aber nur knapp die Hälfte der weltweiten jährlichen Subventionen für Mineralölerzeugnisse in den Förderländern. Der internationale Währungsfond beziffert sie auf rund 740 Milliarden Dollar.

Für Jörg Krings, Partner und Automobilexperte bei Booz & Company, geht der Handlungsdruck weniger vom Klimawandel aus, als vielmehr von der Frage, wie abhängig die Industrienationen weiterhin vom Öl sein wollen. „Zur bevorstehenden Knappheit und Verteuerung von Öl kommt die unsichere politische Lage in einigen Förderländern“, sagt Krings. „Staaten und Unternehmen sind gut beraten, wenn sie sich nicht von den Ereignissen treiben lassen, sondern die Veränderung hin zu einer größeren Unabhängigkeit vom Mineralöl selbst forcieren.“

Elektrizität gewinnt im Szenario der Studie an Bedeutung. Der Anteil von Strom am Energiemix im Transportsektor würde von derzeit einem Prozent auf drei Prozent im Jahr 2030 steigen. Das ließe sich, so die Studie, „ohne die aktuell viel diskutierte nukleare Energie decken“. Zudem könnten Elektrofahrzeuge über intelligente Stromnetze als mobile Zwischenspeicher für volatile Energiequellen wie Solar- und Windkraftanlagen fungieren und deren Wirkungsgrad damit deutlich erhöhen.

Doch selbst mit hohen Investitionen in alternative Energieträger bleibe, so ein Ergebnis der Studie, Erdöl für die nächsten 20 Jahre die dominierende Energiequelle des weltweiten Personen- und Güterverkehrs. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ein Auto in der Regel erst nach 13 bis 15 Jahren durch ein neues ersetzt wird. Der deutschen Autoindustrie, die bei sparsamen Benzin- und Diesel-Antrieben stark ist, gewährt das eine lange Übergangsfrist zum Elektroauto-Zeitalter. Die Hersteller können womöglich noch zwei Dekaden vom Verkauf herkömmlicher Antriebe profitieren, wenn es ihnen gelingt, den Verbrauch der Autos zu drosseln.

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