Windkraft: Meer Energie

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Testfeld Alpha Ventus

von Dieter Dürand und Wolfgang Kempkens

Gigantische Windparks in Nord- und Ostsee sollen schon bald Millionen Haushalte mit sauberem Strom versorgen. Vor Borkum wird jetzt die erste deutsche Großanlage gebaut. Eine Studie zeigt, welche Vorhaben Erfolg versprechen – und warum andere in Schwierigkeiten stecken.

Wer am Autobahnende Cuxhaven noch ein paar Hundert Meter weiterfährt, stößt kurz vor dem Elbdeich auf einen Parkplatz der Ungetüme. 33 zitronengelbe, dreibeinige Stahlkolosse ragen 22 Meter in den Himmel. Sie sind mit 495 Tonnen so schwer wie acht Leopard-Panzer. Und jede Woche kommt ein Gigant hinzu: Gleich nebenan, in einer Halle so groß wie ein Schiffsdock, schweißen 230 Arbeiter im Schichtbetrieb immer neue Dreifüßler zusammen. Gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite lagern dicht an dicht hellgrau lackierte Rohre, gut 6 Meter dick und etwa 30 Meter lang.

Die gigantischen Stützkreuze und Rohre sind wichtige Bauteile für Deutschlands ersten kommerziell betriebenen Windpark „Bard Offshore 1“. Schon 2011 soll das 400-Megawatt-Kraftwerk Strom für 400.000 Haushalte produzieren. Dabei ist der neue Windpark nur der Auftakt zu einer Reihe neuer Kraftwerke auf dem Meer, die im nächsten Jahrzehnt vor der deutschen Nord- und Ostseeküste entstehen sollen.

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Die Bundesregierung rechnet bis zum Jahr 2020 mit 40 Parks mit einer Leistung von mehr als 12.000 Megawatt. Das entspricht in etwa der fünffachen Leistung des Atomkraftwerks Biblis. 25 solcher Anlagen wurden bislang bewilligt. Und schon im Jahr 2030 soll der Meereswind nach den Regierungsplänen bereits 25 000 Megawatt Strom produzieren. „Zusammen mit 45 000 Megawatt Leistung an Land wird die Windenergie ihren Anteil an der gesamten deutschen Stromerzeugung von heute knapp sieben auf mehr als 25 Prozent steigern“, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie.

Projekt in Verzug

Die riesigen Stützkreuze und Rohre in Cuxhaven geben einen Eindruck davon, um welch außerordentliche Dimensionen es bei den Projekten geht und vor allem: wie sehr die Energieerzeugung auf dem Meer Mensch und Maschine an ihre Grenzen bringt. Die gelben Stützkreuze sollen, verschweißt mit 40 Meter tief in den Meeresboden gerammten Fundamentpfeilern, jeweils eine der 80 Tonnen schweren Mühlen tragen, die rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum aufgestellt werden.

Die Rotorblätter eingerechnet, ragen die Windräder 150 Meter aus dem Wasser – und erreichen damit fast die Höhe des Kölner Doms. Jede der 1200 Tonnen schweren Anlagen muss heftigen Orkanen und selbst einer Jahrhundertwelle trotzen, die laut Bundesamt für Schifffahrt und Hydrographie (BSH) bis zu 19 Meter hoch sein könnte.

Doch zunächst geriet das Projekt ein halbes Jahr in Verzug. Der Grund: Das eigens für die Montage der Windkraftanlagen konstruierte Schiff „Wind Lift 1“ ging verspätet in Betrieb. Trotzdem hält Heiko Roß an einem straffen Zeitplan fest. Roß ist Geschäftsführer der Emdener Bard-Gruppe, die den neuen Windpark plant und baut. Der Offshore-Pionier will die letzte der Fünf-Megawatt-Mühlen spätestens Mitte 2011 in 40 Meter Tiefe auf dem Seeboden verankert haben. „Das wird knochenhart, aber wir schaffen das.“

Projekt mit Superlativen

In diesen Tagen beginnt die Montage. Zunächst zieht ein Schlepper die Service- und Umspannplattform „Bard 1“ in das bereits mit Markierungsbojen gesicherte 60 Quadratkilometer große Seegebiet. Die Plattform des Netzbetreibers Transpower, einer Tochter des Energieriesen E.On, wird die Energie der 80 Mühlen einsammeln und über ein 125 Kilometer langes Seekabel an Land transportieren.

Auch die High-Tech-Wartungsstation auf dem Meer erreicht neue Superlative: Sie wiegt mehr als 7000 Tonnen und ist so konstruiert, dass sie sich selbstständig im Meeresgrund verankern kann. „Das ist unsere Steckdose im Meer“, juxt Bard-Chef Roß.

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