Zauberwort dezentrale Energie: Wie ein Troll im Stromsparland

Zauberwort dezentrale Energie: Wie ein Troll im Stromsparland

von Andreas Wildhagen

Die großen Stromversorger E.On, RWE und EnBW haben die Wörter „Dienstleistung“ und „Kunde“ entdeckt. Doch der ist unberechenbar und anspruchsvoll. Ein Verhalten, mit dem das etablierte Energiemanagement so noch gar nicht umgehen kann.


Es sollte lustig und sympathisch aussehen: Die Werbestrategen von RWE, Deutschlands größten Stromversorger, erfanden eine Kunstfigur, den tapsigen Riesen, der gutmütig und raumgreifend durch die Landschaft stapfte. So wollten sich die RWEler sehen, voller Lust am Marketing und mit Sinn für Selbstironie. In den Werbesequenzen im TV erkannten sich nicht nur die Manager von RWE, auch E.On- und EnBW-Angehörige sandten sich den Riesen-Spot untereinander mit komischen Bemerkungen zu. Die 24 Millionen Kunden von RWE hatten zunächst einmal nichts von der neuen Marketingoffensive.

Das soll nun anders werden, verspricht RWE-Chef Peter Terium im Handelsblatt-Interview. Und auch E.On-Lenker Johannes Teyssen will seine Aussagen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im vorigen Herbst nicht falsch verstanden wissen. Damals zog er über die „Schwarzbrenner“ her, diejenigen privaten Erzeuger dezentraler Energie, die Eigenversorgung betreiben, um Netzentgelte und EEG-Umlage zu sparen und dennoch die öffentlichen Netze zur Sicherheit nutzen. Ein Votum gegen dezentrale Energie sei das nicht gewesen, wurde nachher klargestellt.

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Dezentrale Energie ist das Zukunftswort der Energiewirtschaft. Das Problem ist, dass sie zur Zeit ohne die großen Versorger stattfindet. Die Konzerne müssen erst noch ein Modell finden, wie sie sich in diesen Markt hineinbewegen wollen. Beispiel ContiTech in Hannover. Das Unternehmen produziert Kautschukprodukte. Das Gummierungswerk in Northeim benötigt viel Wärme und Strom. Deswegen haben die ContiTech-Manager ein eigenes Kraftwerk errichtet. Deswegen muss dort keine EEG-Umlage gezahlt werden, weil der Strom nicht aus dem öffentlichen Netz kommt.

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Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag DIHK stellt fest, dass „Eigenerzeugung“ kräftig in Mode gekommen ist. Zehn Prozent der Mitgliedsunternehmen wollen ihren Strom selbst erzeugen. Ein Viertel aller befragten Firmen unter dem DIHK-Dach sagt, sie bauen gerade an einem eigenen Kraftwerk. Der Traum von der dezentralen Energie könnte aber bald vorbei sein, denn die großen Energiekonzerne fordern hinter den Kulissen, die dezentralen Erzeuger doch mit Umlagen zu belasten und beklagen den „Ensolidarierungseffekt“ solcher Unternehmen, die sich selber helfen. Fragt sich nur, ob die Energiewirtschaft nur mit prohibitiven Maßnahmen dem dezentralen Markt zu Leibe rücken will.

In den Marketing-Etagen gibt es Überlegungen, sich die Kundendaten zu Nutze zu machen. Denn keiner weiß so gut wie die großen Versorger, wann welcher Haushaltskunden wieviel Strom verbraucht. Darauf kann man maßgeschneiderte Angebote für die Kunden abstimmen, die beiden nützen: Den Versorgern und den Kunden, die früher noch „Abnahmestellen“ genannt wurden. Doch bleibt es fraglich, ob die Energiekonzerne die „Lastprofile“, also die Datenmengen ihrer Haushaltskunden nur für sich nutzen können. Diese Lastprofile sind in Monopolzeiten entstanden. Und möglicherweise müssen die Erzeuger diese persönlichen Daten ihrer Haushaltskunden mit anderen teilen, oder dürfen sie überhaupt nicht nutzen, weil sie irgendwann einmal unter das Datenschutzgesetz fallen.

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