Zwei Jahre nach Fukushima-Katastrophe: Von Normalität keine Spur

Zwei Jahre nach Fukushima-Katastrophe: Von Normalität keine Spur

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Das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Dai-ichi. Der Betreiber Tepco hat nun mit den Entschädigungszahlungen zu kämpfen

von Martin Fritz

Der Eindruck von Normalität zwei Jahre nach der Atomkatastrophe täuscht. Betreiber Tepco und seine strahlenden Reaktorruinen werden Japan noch Jahrzehnte schwer belasten.

Alles wirkte ungefährlich. Doch dann, direkt vor dem Turbinengebäude von Reaktor 3, zeigt das Dosimeter plötzlich 1,7 Tausendstel Sievert pro Stunde an, zehn Mal mehr als vor Reaktor 2. Wer sich länger hier aufhält, hat die erlaubte Jahresdosis an Strahlung nach 35 Minuten erreicht.

Die Gästegruppe hat Glück und passiert die Stelle in einer halben Minute. Trotzdem trägt jeder Besucher einen Plastikanzug, drei Paar Handschuhe, zwei Paar Socken und eine Atemmaske. Gegen die Gamma-Strahlung hilft das nicht, sie geht durch alle Schichten mühelos durch. Die Extrahüllen sollen nur dafür sorgen, dass keine strahlenden Staubpartikel auf die Haut oder in die Lunge kommen.

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Bisherige Entschädigungszahlungen von Tepco

Bisherige Entschädigungszahlungen von Tepco für die Folgen der Atomkatastrophe

Zwei Jahre ist es her, dass am 11. März 2011 das Atomkraftwerk im japanischen Fukushima nach einem Tsunami außer Kontrolle geriet. Noch immer zeichnet das Dosimeter bei einer kurzen Tour durch das Gelände eine Strahlenbelastung von 61 Millionstel Sievert auf. Aufs Jahr hochgerechnet ist das 50-mal mehr als gesetzlich erlaubt, aber in der Summe nur etwa so viel wie bei einer Röntgenaufnahme der Lunge.

Arbeiter arrangieren sich mit der Strahlung

Takeshi Takahashi, seit Dezember 2011 Chef der havarierten Atomanlage, verbucht dies als Erfolg. In den zwei Jahren seit den Kernschmelzen in drei Reaktoren sei die Strahlung auf dem Gelände deutlich gesunken, berichtet er stolz – vor allem weil viel kontaminierter Schutt von der Tsunami-Überschwemmung weggeräumt wurde und die Hälfte des radioaktiven Cäsiums 134 zerfallen ist.

Tatsächlich wirkt der Kraftwerkskomplex heute viel weniger chaotisch als vor einem Jahr. Jeden Tag arbeiten über 3000 Menschen auf dem Gelände und haben sich mit der Strahlung arrangiert. Wie Ameisen klettern sie in weißen Anzügen mit Helmen über der Atemmaske auf dem Dach von Reaktor 4 herum oder treiben dickwandige Stahlrohre knapp 20 Meter tief in den Boden, damit kein kontaminiertes Wasser ins Meer fließen kann.

Beim bloßen Anblick scheinen die schlimmsten Wunden der Katastrophe vor zwei Jahren verheilt:

  • Der explodierte Reaktor 1 ist unter einer Schutzhülle verschwunden, Gerüste verdecken die zerfetzten Seiten von Reaktor 3. Nur die verbogenen Stahlträger auf dem Dach erinnern noch an die schwere Explosion vom 16. März 2011.
  • Die Kühlkreisläufe für die zerstörten Atommeiler arbeiten stabil und sollen neue Starkbeben überstehen, ebenso die runderneuerten Notstromaggregate.
  • Eine ultramoderne Reinigungsanlage von Toshiba, die 62 Isotope aus dem kontaminierten Wasser filtert, steht vor dem Testlauf. Besucher dürfen neuerdings sogar das Lagergebäude mit dem Abklingbecken für abgebrannte Brennstäbe betreten.
  • Neben Reaktor 4 wächst eine mächtige Stahlkonstruktion in die Höhe. Darüber werden ab November die ersten abgebrannten Brennstäbe aus einem offenen Abklingbecken geborgen.
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