Energieerzeugung: Wintershall-Chef Seele: "Erdgas ist grün"

InterviewEnergieerzeugung: Wintershall-Chef Seele: "Erdgas ist grün"

von Hans Jakob Ginsburg und Florian Willershausen

Der neue Wintershall-Chef Rainer Seele über saubere Energie, den Kampf um Rohstoffquellen und den Streit ums Netz.

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Rainer Seele

WirtschaftsWoche: Herr Seele, alle Welt spricht von Sonnen- und Windenergie. Doch Wintershall klammert sich ans Geschäft mit Öl und Gas. Warum probieren Sie nichts Neues aus?

Seele: Wieso? Erdgas ist doch kein Auslaufmodell. Das ist der Energieträger des 21. Jahrhunderts! Mit seinen hervorragenden CO2-Werten hat Gas als einziger Energieträger unter den Fossilen eine klimaverträgliche Zukunft. Wir brauchen mehr Erdgas für ein besseres Klima.

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Verglichen mit Wasserstoff und Solarkraft ist Erdgas nicht der sauberste Energieträger.

Erdgas ist der natürliche Partner der Erneuerbaren, denn es macht grüne Energie erst sicher. Bei Sonne und Wind sind wir witterungsabhängig, diese Energie lässt sich nicht speichern. Erdgas schon. Es kann dadurch Schwankungen bei der Produktion erneuerbarer Energien ausgleichen. Es ist an der Zeit, dass die Politik den Stellenwert von Erdgas als grüne Energie und als Partner der Erneuerbaren erkennt, akzeptiert und fördert.

Der Internationalen Energie-Agentur zufolge stagniert der Gasverbrauch in Europa. Legen Sie nun Investitionen auf Eis?

Die Weltbevölkerung wächst weiter und mit ihr der Energiebedarf. Bis zum Jahr 2030 werden nach unseren Schätzungen jährlich 2,7 Billionen Kubikmeter zusätzliche Erdgas-Kapazitäten gebraucht, um ältere Erdgasfelder zu ersetzen. Vor allem in Europa geht die Produktion zurück, weil die großen Quellen in der Nordsee fast erschöpft sind. Wir müssen die Importkapazitäten erhöhen.

Und wie?

Wir Europäer müssen selbst ran an die Quellen. China und Indien sichern sich mit Milliardensummen weltweit Rohstoffvorkommen. Auch wir Europäer müssen in den Wettkampf um Energiequellen einsteigen und Importleitungen etwa aus Russland nach Europa legen.

Lohnt sich die Erschließung neuer Felder bei einem Ölpreis von 70 Dollar je Barrel?

Die Rentabilität muss von Feld zu Feld neu geprüft werden. Aber eines ist klar: Da zur Produktion von Öl und Gas immer mehr in schwierige Lagerstätten investiert werden muss, brauchen wir langfristig ein entsprechend hohes Energiepreisniveau.

Womit rechnen Sie?

Die OPEC erwartet für das Jahr 2010 ein Band von 70 bis 80 Dollar, in dem sich der Barrelpreis bewegen wird. Das ist auch unser Richtwert.

Die EU drängt darauf, dass die Energiekonzerne ihre Netz abgeben. An wen verkaufen Sie?

Wir wollen über unser Eigentum, unsere Pipelines und Speicher, auch verfügen und können nicht für jede Leitung eine Ausnahmegenehmigung einholen. Die zunehmende Regulierung im Netzgeschäft macht Investitionen bei niedrigen Renditen unattraktiv.

Legen Sie Ihre Investitionen in Europa auf Eis?

Im regulierten Umfeld ist die wirtschaftliche Attraktivität für Investitionen nicht ausreichend gegeben.

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