Energiekonzern: E.On betreibt einen Kurswechsel

Energiekonzern: E.On betreibt einen Kurswechsel

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E.On-Lenker Bernotat, Aufsichtsratschef Hartmann: Nach den Wahlen ist wieder Konzilianz gefragt

Nach über sieben Jahren an der Spitze von E.On muss Wulf Bernotat gehen – weil Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann den Kurswechsel will. Der Energieriese soll strategischer agieren und braucht einen Chef mit politischem Gespür.

Als Wulf Bernotat an einem Frühlingsabend im Jahr 2003 von seinem Vorgänger Ulrich Hartmann bei einer Großfeier in der Essener Grugahalle inthronisiert wurde, erzählte der scheidende Amtschef auch einige Anekdoten aus der Zeit, als er die Geschicke des größten privaten Energiekonzerns der Welt verantwortete. Hartmann parlierte über einige Begebenheiten mit dem damaligen Aufsichsratsvorsitzenden Herman Josef Strenger. Und immer, wenn die Rede Hartmanns auf ihn kam, sprach er von seinem „Chef“.

Das Wort vom Chef war mehr als nur ein Kürzel. Es verkörpert Hartmanns Grundverständnis von Führung, sprich: wer bei E.On letztlich das Sagen, also die Macht hat. Bernotat, obgleich nun oberster E.On-Lenker, sollte wissen, wer in Wirklichkeit der Chef ist, dem er auch weiterhin zu gehorchen hatte: Hartmann, der Strenger als Aufsichtsratsvorsitzender von E.On folgte.

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Dass Bernotat per Gesetz dem gesamten Aufsichtsrat verpflichtet ist und nicht nur dessen Vorsitzendem, ist für einen wie Hartmann eine Marginalie – erst recht in Zweimännergesprächen mit seinem unternehmerischen Ziehsohn Bernotat.

Bernotat: Apolitisch bis auf die Knochen

Das hat der Musterschüler in den zurückliegenden Jahren so sehr zu spüren bekommen, dass er bald von Bord geht – nach Einschätzung von E.On-Managern noch vor der Sommerpause. E.On braucht einen neuen Spitzenmann, besonders, wenn nach den Bundestagswahlen im Herbst möglicherweise Politiker ganz wichtig sind für nachfolgende Verhandlungen über Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken. Dafür braucht Hartmann einen anderen als Bernotat, der apolitisch bis auf die Knochen ist. Gefragt ist ein Mann mit Sensus für politische Tretminen und Empfindlichkeiten.

Hartmann hat Bernotat die Chance gegeben, E.On noch größer und erfolgreicher zu machen. Er hat es nicht geschafft, er muss weichen, so will es ganz offenkundig der „Chef“.

Hartmann ist einer, der aus Fehlern lernt und die Konsequenzen zieht. Bernotat passt nicht mehr in die Energielandschaft, weil diese politischer wird. Demzufolge ist seine Zeit abgelaufen. Punkt. Solche Kehrtwendungen sind typisch für Hartmann. Wie er gibt, nimmt er auch, schnell und unbekümmert.

Als er er den E.On-Vorgänger Veba vor zehn Jahren in New York an die Börse brachte, war er der erste Chef eines Dax-Unternehmens, der diesen Schritt wagte. Als von dort nur eine Brutalkontrolle der Aufsichtsbehörde SEC zu befürchten war, ließ er kürzlich geräuschlos den Rückzug vom US-Parkett einleiten – und war damit wieder einer der Ersten in Deutschland.

Hartmann will Kulturwechsel bei E.On

Jetzt trifft Hartmanns Kurskorrektur die Konzernspitze. Er braucht für E.On einen Lenker, der nicht nur Kapitalmarktexperte ist, sondern politisches Gespür mitbringt. Johannes Teyssen, 49, der aus der Stadtwerkewelt kommt – jahrelang war er Chef des niedersächsischen Regionalversorgers Avacon, einer E.On-Beteiligung – hat diese Erfahrungen mit widerspenstigen Kommunalchefs gemacht.

Einen Kulturwechsel soll E.On, so will es Hartmann, verpasst bekommen – weg von Konzernen mit einem Führungsethos wie bei Exxon und Shell, wo das Wachstum bis zur zweiten Stelle hinter dem Komma ausgerechnet wird. E.On soll ein strategisch agierendes Unternehmen werden, dessen Top-Manager wieder genauer hinhört, wenn Politiker um das Wort bitten.

Obwohl Bernotats Vertrag bis Mai 2010 läuft, sagte Hartmann dem erst 60-Jährigen schon jetzt, dass sein Vertrag nicht verlängert wird. Das Diktum war hart für einen Mann wie Bernotat, der in seinem Berufsleben bei Hartmann so vieles richtig und vermeintlich nur wenig falsch gemacht hat.

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