Energiekonzern: E.On im Schaukelkurs

Energiekonzern: E.On im Schaukelkurs

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Johannes Teyssen

von Andreas Wildhagen

Innerhalb des Düsseldorfer Energiekonzerns E.On wird darum gerungen, wie der Sanierungsfahrplan aussehen soll.

E.On-Chef Johannes Teyssen hat zur Zeit zwei Megaaufgaben zu lösen: Ersten muss er dem Versorger eine Perspektive zeigen, wo die wegfallenden Atomgewinne nach dem Ausstiegsbeschluss künftig herkommen sollen. „Aus den Schwellenländern“ hieß es bisher wolkig, gemeint, aufstrebenden Nationen wie Indien und Brasilien. Dort ist technisches Kraftwerks-Know-how zwar hochwillkommen, nicht aber das Modell des langfristigen Betreibers, und genau das möchte E.On, um sich langfristige Einnahmen zu sichern. Bisher gibt es keine Rückmeldung von diesen Schwellenländern, E.On stochert im Nebel.

Abbau von Jobs und Privilegien

Die zweite Megaaufgabe ist Neuland für E.On-Manager. Die Belegschaft muss im großen Stil reduziert werden, mit solchen Radikalschnitten hat der von den Atomgewinnen weiland verwöhnten Stromkonzern überhaupt keine Erfahrung. Bisher sonnte man sich in hohen Gehältern, großzügigen Dienstwagenregelungen und ausgedehnten Bürofluchten mit angeschlossenen Caféterien und Launch-Bars, vor denen man noch in diesem Altweibersommer zur Mittagszeit auf der Terrasse die Spätsonne genießen kann. E.On war bisher das Sonnendeck der deutschen Wirtschaft. Das soll nach dem Willen von Teyssen anders werden. Der E.On-Chef zeigt sich entschlossen, Jobs und Privilegien abzubauen, seine Worte sind markig. Doch plötzlich entdeckt auch die Arbeitnehmervertretung, vor allem auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, dass es E.On gibt – nicht nur als Kampffeld politischer Einflussnahme in der nationalen Energiepolitik, sondern als Terrain für den Schutz von Arbeitsplätzen.

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Wer Zeit gewinnen möchte, gründet eine Arbeitsgruppe

Verdutzt stellen die Gewerkschafter fest, dass Teyssen ernst macht, aber nicht so dumm ist, sich mit konkreten Abbau- und Schrumpfungszahlen die Feinde gleich auf den Hals zu ziehen. Deswegen will er erst einmal Zeit gewinnen, um das Ausmaß des Abbaus zu quantfizieren, so wird es immer gemacht, wenn ein Unternehmen gesundschrumpfen soll. Mittel zu Zeitverzögerung sind naturgemäß Arbeitsgruppen, die quer durch den Konzern tagen, um Potenziale zu identifizieren. Natürlich wird jeder Entlassungsaktion top down geplant, man weiß im Vorstand ja, was man einsparen muss, um Investitionsspielräume zu gewinnen – speziell für Erneuerbare Energien. Aber Arbeitsgruppen brauchen so ihre Zeit, währenddessen wird hat der Vorstand genug Zeit, das Schließungsszenario zu planen. So sollen die Konzernzentralen in München und Essen dichtgemacht, die Kompetenzen mit denen der Düsseldorfer Zentrale zusammengelegt werden.

Nun fallen die Arbeitnehmervertreter und Verdi aus dem Mustopf und wundern sich, dass alles ohne sie stattfindet. Aber das stimmt nur zum Teil. Der große Rahmen wird jetzt zusammengeschnürt, die Umsetzung – und Feinplanung – folgt dann auf dem Fuße im kommenden Jahr. An diesem zweiten Teil werden die Arbeitnehmervertreter dann innerhalb der Grobplanung des Vorstands reichlich beteiligt. Das Schema ist so üblich, das sollte Verdi eigentlich wissen.

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