Energiekonzern: E.Ons Laufzeitenverlängerungsfest fällt aus

Energiekonzern: E.Ons Laufzeitenverlängerungsfest fällt aus

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Der neue E.On-Chef Johannes Teyssen.

von Andreas Wildhagen

E.On hat kurz vor der NRW-Wahl Restlaufzeiten eines Atommeilers an RWE verkauft. Auf Fragen dazu reagiert der neue Vorstandschef des Energiekonzerns Johannes Teyssen kantig und knapp. Viel hängt nun von der Regierungsbildung ab.

Auf der E.On-Hauptversammlung hat man ihn bereits erlebt, den erst seit 1. Mai amtierenden Vorstandschef von E.On. Der Jurist Johannes Teyssen meldet sich auf seiner ersten Telefonkonzerenz so kurz angebunden wie man es vom Sprechfunkverkehr in einem Windpark vor Borkum gewohnt ist: "Johannes Teyssen hier". Der Zeitpunkt seines akustischen Vortrages ist für den neuen Spitzenmann denkbar ungünstig. Gerade waren Wahlen in Nordrhein-Westfalen - die Farbenlehre Rot, Grün, Schwarz, Gelb ist für ein deutsches Energieunternehmen bares Geld wert. Das Wahlergebnis ist unübersichtlich, Teyssens Reaktion entsprechend einsilbig - "Wir respektieren das Wahlergebnis", immerhin etwas.

Kommt es nun zu Laufzeitverlängerungen der Atomkraftwerke, oder nicht? Fünf Milliarden Euro Mehrgewinn erwartete die Branche vor Monaten, als die schwarzgelbe Bundesregierung unter Merkel eine kernkraftfreundliche Politik inklusive Laufzeitverlängerung der Atommeiler ankündigte. Das betrifft zur Zeit zwar nicht so sehr E.On, die nächsten Kernkraftwerke, die nach dem früheren Energiekonsens abgeschaltet werden müssten, sind Bibilis A und Neckarwestheim, den einen Meiler betreibt RWE, den anderen EnBW. Wenn sich in Düsseldorf eine Landesregierung unter Beteiligung der SPD oder der Grünen bildet, auf die dann auch auch ein konservativer Regierungspartner Rücksicht nehmen müsste, gibt es keine Bundesratsmehrheit mehr für eine Laufzeitverlängerung.

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Für Teyssen, dessen Konzerngewinn trotzdem maßgeblich von dieser Frage abhängt, ist das ein unsicherer Weg gleich in den ersten zwölf Tagen seiner Amtszeit. Es hätte ein fröhliches Laufzeitenverlängerungsfest in der E.On-Zentrale geben können, wenn der drei Kilometer Luftlinie davon entfernte Landtag eine sichere schwarz-gelbe Mehrheit am Sonntag bekommen hätte. Doch Pustekuchen, die Zukunft der siebzehn deutschen Kernkraftwerke bleibt Kern- und Brennpunkt für die Versorger.

Reststrommengen eines Atommeilers an RWE verkauft

Am Tag der Wahl, kurz vor Schließung der Wahllokale gab E.On bekannt, seine "Reststrommengen", die es von seinem bereits längst stillgelegten Atomkraftwerk Stade an der Elbe rechnerisch noch zur Verfügung hatte, an RWE verkauft zu haben. RWE kann diese Strommengen gut gebrauchen, um Biblis A auch über den ursprünglich von der Gerhard-Schröder-Regierung festgelegten Zeitpunkt betreiben zu können - ganz ohne Einfluss des Wahlergebnisses von Sonntag.

Das sah für viele wie ein Geschacher politischer Konzerne aus, Energieunternehmen sind extrem stark von Entscheidungen in Berlin und Brüssel abhängig. Kurz vor Schließung der Wahllokale schnell noch eine energiepolitisch weittragende Entscheidung in den Vorstandsetagen. Es sollten "keine Fakten" geschaffen werden, beteuerte die Pressemeldung kurz vor Schluß des Wahlganges. Und am Dienstag wurde der neue E.On-Chef ungnädig, als er nach dem genauen Umständen dieses Reststrom-Deals gefragt wurde: "Wir haben nicht umsonst in die Pressemitteilung geschrieben, dass beide Seiten über die vertraglichen Konditionen Stillschweigen vereinbaren", konterte Teyssen am Telefon

Man wird sich an die lang-gedehnte, helle Stimme aus Norddeutschland noch gewöhnen müssen. Der gebürtige Hildesheimer beteuert noch einmal, dass "diese Transaktion nicht tricky gewesen ist", es habe dabei keinen politischen "Hintergedanken" gegeben. Der neue Energiekonsens, die die Versorger eigentlich mit Merkel aushandeln wollte, sei nun eine Sache der Juristen. Teyssen will Dampf herausnehmen, Ruhe bewahren.

Das gelte auch für das stockende Projekt eines Kohlekraftwerks in Datteln. Ausgerechnet im Ruhrgebiet, dem Land der rauchenden Schlote, will eine Bürgerinitiative eine Kohlekraftwerk verhindern, das Strom vor allem für die Bahn und für den Antrieb von ICEs liefern will.

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