Energiekonzern: Großmanns Liebe zu Hamburg sorgt bei RWE für Verdruss

Energiekonzern: Großmanns Liebe zu Hamburg sorgt bei RWE für Verdruss

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Amtsgeschäfte: Die Villa vom RWE-Chef Jürgen Großmann

RWE-Chef Jürgen Großmann führt die Amtsgeschäfte im Wesentlichen von seiner Hamburger Villa aus – am Konzernsitz in Essen wächst der Verdruss.

Die Adresse ist fein, liegt nicht im Ruhrgebiet und stellt doch eine der wichtigsten Machtzentralen des Reviers dar: 300 Kilometer von der Ruhr entfernt, an der Hamburger Elbchaussee – laut Polyglott eine Prachtstraße, an der sich „Wohlstand und Tradition hanseatischer Kaufleute“ ausdehnen –, liegt die malerische Dienstvilla des Dr. Ing. Jürgen Großmann: Elbchaussee 189.

Der Zweitmetermann residiert hier wie ein Großreeder, der in seinem Leben alles geschafft hat, nun, jovial auf dem Balkon stehend, seine einlaufenden Schiffe begrüßt und ansonsten auf sein Lebenswerk zurückblickt. Doch Großmann ist kein Pensionär – er ist der Vorstandschef des zweitgrößten deutschen Energieversorgers Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerke AG (RWE). Und der hat seinen Sitz nicht in Hamburg, sondern in Essen. Das ficht Großmann nicht groß an – seit er im Oktober vergangenen Jahres RWE-Chef wurde, spielt die Musik meist hier an der Elbe, im früheren Anwesen eines Marketinggurus des Zigarettenunternehmens Reemtsma.

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Das Haus des längst verstorbenen Hans Domizlaff, Erfinder der Zigarettenmarke Ernte 23, erwarb der heute 56-jährige Großmann vor ein paar Jahren. Und hier treffen heute die zwei Leben Großmanns aufeinander: das eine als RWE-Chef. Und das andere als Stahlunternehmer. Großmann suchte damals eine stilvolle Residenz für die Holding seines Stahlkonglomerats Georgsmarienhütte (GMH) mit Hauptsitz im gleichnamigen Vorort von Osnabrück und vielen Ablegern der Metallverarbeitung und Automobilzulieferung in ganz Deutschland. Das Stahlwerk hatte er als früherer Vorstand im Alter von 41 Jahren kurz vor der Insolvenz für einen Euro von den damaligen Klöckner-Werken übernommen und daraus innerhalb von 15 Jahren eine Goldgrube gemacht.

Nun dient die ehrwürdige Villa zusätzlich zu ihrer Funktion als Holdingsitz der Georgsmarienhütte, deren Alleineigentümer Großmann ist, als zweite Dienstresidenz des RWE-Konzernlenkers. Er könnte als begeisterter Wahlhamburger auch die Büroräume von RWE Dea in der Hamburger Bürocity Nord in unmittelbarer Nähe zum Flughafen nutzen. Bisher waren RWE-Chefs auch immer Aufsichtsratschefs von RWE Dea gewesen. Doch die Funktion übt der neue RWE-Lenker gar nicht aus. So wird die Villa zum schöner gelegenen und vertrauteren Dreh- und Angelpunkt seiner Konzernführung. Aber mit diesem idyllischen RWE-Dienstort gerät Großmann auch außer Sichtweite vieler seiner Mitarbeiter. Neben der Unsicherheit, wo sich Großmann gerade aufhält, treibt sie die Frage um: Was denkt, was will Großmann?

Doppelfunktion als RWE-Lekner und Inhaber eines Stahlkonzerns

Die Doppelfunktion als RWE-Lenker und Inhaber eines Stahlkonzerns macht für ihn vieles frappierend einfach. So kann er als Chef von RWE, das sich zu 15 Prozent in den Händen nordrhein-westfälischer Kommunen befindet, am Elbhang ungestört mit Harald Schartau plaudern, dem ehemaligen NRW-SPD-Chef und Ex-Wirtschaftsminister. Großmann macht ihn jetzt zum gut bezahlten Arbeitsdirektor seiner Stahlhütte. Es gibt noch direktere Verbindungen zwischen RWE, NRW und GMH: Heinz-Eberhard Holl, ehemaliger Gemeindechef des Kreises Osnabrück und ein wichtiger Sprecher der RWE-Kommunalaktionäre, sitzt auch im Aufsichtsrat von Großmanns Stahlimperium. Holl gehört auch dem Personalausschuss des RWE-Aufsichtsrates an. Netze verbinden, Netzwerke erst recht.

Obwohl er längst bei RWE eingearbeitet ist und Akten, Memoranden, Arbeitsvorlagen und sogar Werbebroschüren nach eigenem Bekunden sogar nachts im Bett liest, tritt er mit seinen öffentlichen Äußerungen zu RWE noch immer auf wie ein unabhängiger Mann – ganz so, als betrachte er den Energiekonzern mit 42 Milliarden Euro Umsatz, 63 000 Mitarbeitern und 20 Millionen Stromkunden von außen.

So kündigte er im März an, RWE wolle zusammen mit dem schwedischen Energieunternehmen Vattenfall ein Kaufangebot für den britischen Atomkraftwerksbetreiber British Energy abgeben. Nur wenige Tage später ließ der Vattenfall-Vorstand offiziell verlauten, keine Offerte für British Energy abgeben zu wollen. Es gab darüber auch keine konkreten, bilateralen Gespräche mit Großmann, wird in der Umgebung von Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka versichert.

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